Mittelalter

1. Geschichtswissenschaft und digitale Medien

1.1 Die Geschichte des Mittelalters – Forschung und Darstellung

Das Mittelalter als historische Epoche umfasst einen Zeitraum von etwa 1000 Jahren. Dieser wird zur leichteren Orientierung in der deutschen Forschungspraxis häufig weiter untergliedert in die Zeit des Frühmittelalters (500–900), des Hochmittelalters (900–1200) und die des Spätmittelalters (1200–1500). International wird diese Einteilung nicht überall, aber doch weitgehend vertreten. Die Bezeichnung ‚Mittelalter‘ für diese Epoche, die zwischen der Antike und der (Frühen) Neuzeit angesiedelt ist, geht auf Francesco Petrarca (1304–1374) zurück. Aus der Sicht des Renaissancehumanisten erschien die zurückliegende Zeit als eine „schändliche, schmutzige Zeit der Mitte (in medium sordes, in nostrum turpia tempus)“.[1] Schon in dieser Darstellung ist angelegt, was die Epoche des Mittelalters bis in unsere heutige Zeit begleitet: das Image einer dunklen, defizitären Zeit in der Menschheitsgeschichte.

Neben der zeitlichen Beschränkung des Forschungsgegenstands ‚Mittelalter‘ gibt es nur wenige regionale Beschränkungen. Dies rührt vor allem von einem eurozentrischen Blick auf die Vergangenheit her, der das ‚Mittelalter‘ als Forschungsbegriff auch auf andere Kulturregionen außerhalb Europas überträgt. Häufig gerät dabei aus dem Blick, dass ‚unsere‘ Epocheneinteilungen sich nicht als Beschreibungen für die Geschichte ‚fremder‘ Kulturregionen eignen. Der folgende Guide wird sich dennoch auf das europäische Mittelalter beschränken und sich vor allem auf den deutschsprachigen Raum, England und Frankreich konzentrieren. Weitere Informationen zum Stand der digitalen Forschung in anderen Regionen können den Guides mit den entsprechenden regionalen Schwerpunkten entnommen werden.

1.2 Mittelalterliche Geschichte und digitale Medien

Digitale Medien spielen in der Forschungspraxis auch im Bereich der mittelalterlichen Geschichte eine immer größere Rolle. Dies gilt einerseits für Fachdatenbanken und Bibliographien, andererseits für Quellenmaterial. Hinzu kommen zahlreiche Internetpräsenzen von Projekten und Forschungsverbünden, die demonstrieren, welchen Mehrwert man mit am digitalen Material ausgerichteten, neuen Analysemethoden gewinnen kann. Solche Projekte zählen zum relativ neuen Gebiet der Digital Humanities (DH) oder eHumanities. Dieser Forschungszweig bemüht sich um die Verbindung von Informationstechnologie und Geisteswissenschaften. In der europäischen Forschungslandschaft entstehen immer mehr Zentren, die sich der Etablierung und Entwicklung dieser Forschungsrichtung widmen.[2]

Viele Projekte konzentrieren sich nach wie vor auf die Digitalisierung von Handschriften und anderen historischen Materialien. Über diese neu geschaffenen Strukturen der Verfügbarmachung hinaus, finden auch immer mehr Analysemethoden Anwendung. Ein Beispiel für den Versuch, die Digitalisierung des Materials mit neuen Methoden zu verbinden, ist das Projekt Computational Historical Semantics an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, das einen Schwerpunkt im Bereich der mittelalterlichen Geschichte hat. Hier profitiert die historische Forschung von einer produktiven Zusammenarbeit mit der Computerlinguistik. Ziel dieses Projektes ist neben der Aufarbeitung und Annotation des digitalisierten Quellenmaterials die serielle Untersuchung linguistischer Muster als Werkzeug bei der Analyse historischer Semantiken.

Ein weiterer Bereich, in dem die digitalen Medien immer mehr an Bedeutung gewinnen, ist der internationale Austausch zwischen Akademikerinnen und Akademikern – nicht zuletzt im Rahmen von Kooperationsprojekten. Gerade groß angelegte Projekte und Netzwerke arbeiten oft mit, an und auf digitalen Plattformen. Die großen EU-geförderten Netzwerke werden im weiteren Verlauf des Guides vorgestellt. Es gibt aber auch Initiativen, die von weniger Forscherinnen und Forscher getragen werden, dafür aber mit großem persönlichem Engagement. Beispiele dafür sind das Deutsch-Französische Mediävistenforum oder die in den USA betreute Plattform Digital Medievalist die sogar eine eigene online publizierte Zeitschrift unterhält.

1.3 Institutionelle Infrastrukturen

Eine der international renommiertesten Institutionen, die im Bereich der digitalen Aufbereitung von Quellenmaterial tätig sind, sind die Monumenta Germaniae Historica (MGH) an der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB). Die meisten der dort entstehenden Editionsprojekte sind inzwischen über das Portal der digitalen MGH (dMGH) zu erreichen. Für die erzählenden Geschichtsquellen des Deutschen Reiches im Mittelalter (750–1500) sei auf das Digitale Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ verwiesen. Daneben gibt es zahlreiche weitere Initiativen von Bibliotheken zur Digitalisierung ihres historischen Materials. Zu nennen ist hier unter anderen die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, die ähnlich wie die MGH eine digitale Bibliothek (Wolfenbütteler Digitale Bibliothek) aufgebaut hat. Dort entstehen in Projektarbeit ebenfalls digitale Editionen von für die Erforschung des Mittelalters relevanten Handschriften. Auch die Akademien der Wissenschaften in Deutschland haben sich besonders um die Erarbeitung und Bereitstellung von digitalen Ressourcen bemüht, die über die reine Digitalisierung von Material (auch) aus konservatorischen Gründen hinausgehen. Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften unterhält eine Arbeitsgruppe zur Digitalen Forschung. An den einzelnen Akademien werden eine Reihe von Projekten gefördert, die sich zentral um die Erforschung des Mittelalters bemühen. So gibt es an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften schon seit einigen Jahren eine Gruppe, die das Deutsche Textarchiv als Referenzkorpus der historischen deutschen Sprachen erarbeitet. Im Januar 2014 begann die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften mit der Förderung eines Projekts zur digitalen Neuedition der karolingischen Kapitularien. Die Einbeziehung digitaler Methoden vor allem im Bereich der Editionswissenschaft etabliert sich zunehmend im Fach.

Vor allem in den letzten Jahren sind an mehreren deutschsprachigen Universitäten und Instituten Zentren für Digital Humanities entstanden. Auch dort gibt es zahlreiche Projekte, die sich mit der Erforschung des Mittelalters und der Vormoderne beschäftigen. Zu nennen sind insbesondere das Cologne Center for eHumanities (CCeH), das eScience-Center der Universität Tübingen sowie das Göttingen Centre for Digital Humanities (GCDH). Diese neu gegründeten Institutionen bemühen sich neben der weiteren Etablierung digitaler Forschung auch um die Implementierung und den Ausbau von Studiengängen und Schulungsveranstaltungen im Bereich der Digital Humanities.

Auf der Ebene größerer Verbände gibt es ebenfalls Arbeitsgruppen zur Erforschung des Mittelalters. So arbeitet etwa die fachspezifische Arbeitsgruppe 9 als Teil des EU-Verbundprojekts Common Language Resources and Technology Infrastructure (CLARIN) an der digitalen Erschließung von Quellenmaterial für die historisch arbeitenden Geisteswissenschaften. Ebenfalls von der EU gefördert werden die COST-Actions (European Cooperation in Science and Technology). Dort widmet sich ein Projekt der Verbindung von Mittelalterforschung und digitalen Technologien unter dem Titel Medieval Europe – Medieval Cultures and Technological Resources.

Das digitale Publizieren gewinnt auch im Bereich der mittelalterlichen Geschichte und vor allem durch die Open Access-Publikationen der genannten Zentren und Projekte immer mehr an Bedeutung. Ein wesentlicher Faktor dafür ist die Umstellung vieler Zeitschriften auf Online-Publikation. Außerdem gibt es immer mehr thematische Internetseiten und Blogs, die sich mit dem Mittelalter beschäftigen. Wie in anderen Teilen des Faches, ist jedoch die gedruckte Publikation – speziell im Bereich der Publikation von Qualifikationsschriften – weiterhin dominant.

1.4 Herausragende thematische Websites und digitale Publikationen

Inzwischen gibt es einige gute Internetpräsenzen zu Themen des Mittelalters, die an dieser Stelle nicht alle aufgeführt werden können. Über die Portale Hypothèses.org oder openedition.org kann man sich einen guten ersten Überblick verschaffen. Ein besonders gelungenes Beispiel ist der dort publizierte Blog zu Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte. Neben verschiedenen Artikeln zu unterschiedlichen Themen der Mittelalterforschung bietet dieser Blog auch hilfreiche Rezensionsübersichten zur Orientierung in der Forschungsliteratur sowie eine Übersicht zu anderen Blogs und Webseiten zum Thema Mittelalter.

2. Digitale Informationsressourcen und Medien zur Geschichte des Mittelalters

2.1 Recherche

Einige deutsche Universitäten bieten inzwischen Einstiegsportale für die Beschäftigung mit mittelalterlicher Geschichte an, die dem interessierten Nutzer verschiedene weitere Links zur Verfügung stellen, von Quellensammlungen über Literaturdatenbanken bis zu Handschriftenverzeichnissen. Von ähnlichem Format ist das Portal The Labyrinth der Georgetown University mit einem internationalen Angebot. Hier findet sich eine Linksammlung, die über die oben genannten Datenbanken hinaus auch Informationen zu Online-Angeboten in den Bereichen Kartographie, Archäologie, Kunst, mittelalterliche Sprachen, Kirchengeschichte, Möbel und mehr aufführt. WissenschaftlerInnen, Studierende und interessierte Laien finden über diese Seiten einen geeigneten Einstieg in die digitale Welt des Mittelalters. Ebenfalls als Einstiegsportal eignen sich Seiten wie medievalists.net, die Wissenswertes zum Mittelalter tagesaktuell aufbereiten.

Es gibt verschiedene Fachbibliographien, die online verfügbar sind. Eines der wichtigsten Portale sind die Regesta Imperii. Die Regesta sind ein von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz finanziertes Portal, das sich in erster Linie als Sammlung „aller urkundlichen und historiographischen Quellen der römisch-deutschen Könige von den Karolingern bis zu Maximilian I.“ versteht. Über die Bereitstellung der Regesten zu diesen Quellen hinaus, bietet die Seite der Regesta eine Literatursuche an. Über diese Suche erreicht man eine der umfassendsten Fachbibliographien für mittelalterliche Geschichte. Besonders hervorzuheben ist der Umstand, dass in dieser Datenbank neben Monographien auch Zeitschriftenartikel und Buchbeiträge verzeichnet und mit Schlagworten versehen werden. Ebenfalls umfangreich und international ist die International Medieval Bibliography der Universität Leeds. Der Online-Zugang wird über die Seite Brepolis des Brepols Verlags verwaltet. Über diese Plattform sind auch weitere Datenbanken verfügbar, unter anderen das Lexikon des Mittelalters. Die Zugangsbedingungen zu diesen Datenbanken werden über institutionelle Zugehörigkeiten geregelt. Häufig sind die Lizenzen an die IP-Netzwerke von Bibliotheken gebunden.

Neben den genannten Datenbanken bietet der Online-Bibliothekskatalog (OPAC) der Monumenta Germaniae Historica eine gute Möglichkeit für die Recherche von Fachliteratur zur mittelalterlichen Geschichte, er ist Teil der Bayerischen Staatsbibliothek.

Als besonders umfassende Kataloge zur Literaturrecherche gelten der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK) und WorldCat. Für Literatur, die in Deutschland oder in deutscher Sprache publiziert worden ist, ist der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek ähnlich umfangreich.

Für die historischen Wissenschaften, die mit Handschriften und frühen Drucken arbeiten, sind vor allem die Online-Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, wie oben bereits angeführt, eine wertvolle Ressource.

Häufig sind es Überblicksseiten und Suchmaschinen, die uns die Navigation im Internet auf der Suche nach digitalen Angeboten zur mittelalterlichen Geschichte erleichtern. Einige wurden oben beschrieben. Die Zahl der Portale ist jedoch so umfangreich, dass eine vollständige Erwähnung kaum möglich ist. Dennoch sollen an dieser Stelle jene genannt werden, die besonders umfangreich beziehungsweise repräsentativ sind.

Die Seiten der vom Reclam Verlag gehosteten germanistischen Initiative mediaevum.de bieten einen guten Überblick über wichtige Ressourcen zur mittelalterlichen Literatur. Die von der DFG finanziell geförderte Seite Manuscripta Mediaevalia erlaubt die Suche nach Quellen in den Handschriftenkatalogen verschiedener deutscher Bibliotheken. Die Società Internazionale per lo Studio del Medioevo Latino (SISMEL) bietet ebenfalls eine Suchmaschine für internationale Forschungsliteratur und Editionen zum lateinischen Mittelalter an.

Jenseits dieser fachspezifischen Portale bietet OAIster gute Möglichkeiten, gezielt nach digitalen Medien zu suchen. Weitere Hinweise können dem Online Guide zu Bibliotheken entnommen werden.

Im Bereich der Archive ist es ähnlich schwierig all jene Online-Ressourcen zu benennen, die für Forscherinnen und Forscher relevant sind. Klaus Graf hat auf seiner Seite einige der wichtigsten deutschen Archive mit ihren online verfügbaren Findbüchern zusammengestellt. Für die Suche nach mittelalterlichem Material und in internationaler Perspektive sollen zusätzlich einige wenige Archive und Webportale genannt werden.

Für einen ersten Überblick und den Einstieg in die Suche nach archivalischem Material bietet sich das Archivportal Europa an. Die Seiten des EU-geförderten Projekts versammeln Erschließungsinformationen aus Hunderten europäischen Archiven und ermöglichen so neben einem komfortablen Zugang auch die Zusammenschau von physisch verstreutem Material unter historischen Fragestellungen. Eng mit dem Archives Portal Europe network of excellence -APEx verbunden ist das Portal der Europeana, das neben Archivinformationen das digital verfügbare Material sammelt, aufbereitet und online verfügbar macht.

Da viele Archive auf dem Provenienzprinzip aufbauen und das Material dort gesammelt wird, wo es ursprünglich entstanden ist, sind auch nationale Archive und Initiativen wichtig. Auf der Seite der Archives de France werden dem User verschiedene Suchmöglichkeiten angeboten, aber auch Hinweise dazu gegeben, wie man in Archiven recherchiert, wie diese in Frankreich aufgebaut sind, und wie die Formalitäten dort geregelt sind. Außerdem bieten die Online-Angebote der französischen Nationalarchive und der französischen Nationalbibliothek (BNF) in Paris verschiedene Suchmöglichkeiten und digitalisiertes Material an. Als weiteres, separates Portal hat die BNF Gallica ins Leben gerufen. Dort lassen sich unter anderem digitalisierte Handschriften aus dem Bestand der Nationalbibliothek einsehen. Für England stellen die National Archives und die British Library ihre Datenbanken und digitalen Materialien zur Verfügung.

2.2 Kommunikation

Wie in vielen anderen Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft ist die Liste von H-Soz-Kult an der Humboldt-Universität zu Berlin ein wichtiges Kommunikationsorgan im Fach. AbonnentInnen werden umfangreich über Rezensionen, Veranstaltungen und Stellenangebote informiert. Die Liste bedient alle historischen Disziplinen.

Darüber hinaus bietet der Mediävistenverband einen Newsletter an, der über Aktivitäten im Fach, über Stellenangebote und Tagungen informiert. Die Mitgliedschaft beim Verband ist mit einem jährlichen Mitgliedsbeitrag verbunden.

International vernetzt ist die H-Net-Liste zum Mittelalter, H-Medieval.

Inzwischen läuft ein Teil der Kommunikation auch über soziale Medien. Über das Blog-Portal hypothèses.org findet man einige Seiten, die sich explizit dem Mittelalter in all seinen Facetten widmen. Einzelne dieser Sites haben auch Facebook-Seiten, mit denen sie ihre Sichtbarkeit erhöhen. Auf Facebook selbst gibt es Gruppen von WissenschaftlerInnen, die sich dort zu verschiedenen Themen organisieren wie zum Beispiel zu Fragen der Lehre (Facebook-Gruppe „Teaching the Middle Ages“).

2.3 Digitale Medien

Eines der wichtigsten Werkzeuge des Mediävisten, wenn es um einen ersten Zugriff auf die Geschichte des Mittelalters geht, ist das Lexikon des Mittelalters. Es ist auf Deutsch und auf Englisch über die Seite Brepolis zu erreichen. Über dieselbe Plattform wird die Enzyklopädie Europa Sacra zur Verfügung gestellt, die ein prosopographisches Verzeichnis von Kirchenvertretern des Mittelalters darstellt. Zur Klärung mittelalterlicher Namen und Persönlichkeiten ist auch das Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon hilfreich. Für die Entschlüsselung und Übersetzung lateinischer Ortsnamen bietet die digitale Edition des Orbis latinus von J. G. Th. Graesse, betreut von der Columbia University, eine umfangreiche Datenbank.

Als digitale Ressource unersetzlich sind Fremdsprachenlexika und Wörterbücher. Es gibt im deutschsprachigen Raum einige größere Initiativen zur Erstellung von digitalen Wörterbüchern, die über die Digitalisierung bestehender Lexika hinausgehen. Die Entwicklung des Mittelhochdeutschen Wörterbuchs Online wird von zwei Akademien der Wissenschaften betreut (Mainz und Göttingen). Neben der Bereitstellung einer Lemmaliste mit mittelhochdeutschen Wörtern und dem eigentlichen Wörterbuch wird dort auch ein Belegtextarchiv erarbeitet, in dem die Referenzwerke für die Lexikoneinträge zur Verfügung gestellt werden. In ähnlicher Weise wird auch beim Dictionnaire Étymologique de l’Ancien Français verfahren. Als digitalisierte Nachschlagewerke erwähnenswert sind die mittellateinischen Glossare Glossarium mediae et infimae latinitatis (der nach seinem Editor sogenannte DuCange), aufgearbeitet von der Universität Paris I Sorbonne, und das Mediae Latinitatis Lexicon Minus, der sogenannte Niermeyer, der über die Seiten von archive.org erreichbar ist.

Für den Bereich der mittelalterlichen Rechtsgeschichte unverzichtbar sind das Handwörterbuch der deutschen Rechtsgeschichte und das Deutsche Rechtswörterbuch.

Neben den Wörterbüchern gibt es weitere Nachschlagewerke, die für die Arbeit mit mittelalterlichen Dokumenten und Quellen von Bedeutung sind. Die Universitätsbibliothek der Universität Köln stellt beispielsweise das Abkürzungsverzeichnis von Adriano Cappelli online zur Verfügung, in dem jene Abkürzungen verzeichnet sind, die den ForscherInnen bei der Arbeit mit lateinischen Handschriften des Mittelalters begegnen können. In einem ähnlichen Zusammenhang von Belang ist das Werk von H. Grotefend zur Zeitrechnung des Deutschen Mittelalters. Mit Hilfe des so genannten Grotefends kann man die uns heute nicht mehr vertrauten Zeit- und Datumsangaben in mittelalterlichen Dokumenten, die sich häufig an Heiligen und ihren Festtagen orientieren, entschlüsseln.

Einen vergleichbaren Stellenwert genießt das Werk zur lateinischen Paläographie von Franz Steffens, das auf den Seiten der Universität Freiburg in der Schweiz zugänglich gemacht worden ist. Schautafeln und Transkriptionen geben anschauliche Beispiele für das Übertragen mittelalterlicher Handschriften in moderne Sprachen und Schriften.

Im Bereich der digitalen Quelleneditionen sind in den letzten Jahren viele Projekte gefördert worden. Insbesondere Bibliotheken und Archive sind als Projektträger aufgetreten und bemühen sich um eine digitale Aufbereitung ihrer Bestände. Wie bereits erwähnt, sind die meisten dieser Sammlungen über die Portale der sie betreuenden Institutionen zu erreichen.

Bei der folgenden Aufzählung wird nicht unterschieden zwischen der Form der Digitalisierung. Einige Seiten stellen Handschriften und Quellen als Foto-Digitalisate zur Verfügung, andere bemühen sich um durchsuchbare Volltext-Editionen.

Die digitalen Monumenta Germaniae Historica (dMGH)

Manuscripta Mediaevalia

HAB Handschriftendatenbank

– Handschriftendatenbanken verzeichnet bei mediaevum.de

Bibliotheca Augustana

Digitale Sammlungen der UB Bielefeld

Digitale Sammlungen des Münchener Digitalisierungszentrums

Digitale Bibliothek des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte

Early Manuscripts at Oxford University

Internet Medieval Source Book

The Online Medieval and Classical Library

Codices Electronici Ecclesiae Coloniensis (CEEC)

Codices Electronici Sangallenses (CESG)

Darüber hinaus gibt es weitere Portale, die eigene Suchfunktionen bezogen auf Digitalisierungsprojekte zur Verfügung stellen:

Clio-online Webverzeichnis Quellen

Übersicht über Text- und Bildressourcen bei historicum.net

Im Bereich der Online-Publikationen zur mittelalterlichen Geschichte sind es in erster Linie übergreifende digitale Zeitschriftenportale wie DigiZeitschriften oder JSTOR, die Forschungsbeiträge bereitstellen. Im Zuge der stärker werdenden Online-Präsenz der Verlage sind Zeitschriftenbände sowie Monographien und Sammelwerke in wachsendem Maße online verfügbar (insbesondere über verschiedene Bibliothekskataloge und die Lizenzverträge von Universitätsbibliotheken).

3. Fazit

Das Internet wird auch für historisch arbeitende GeisteswissenschaftlerInnen mehr und mehr zu einem wichtigen Arbeits- und vorrangigen Rechercheinstrument. Vor allem im Zusammenhang mit den Forschungsförderungslinien der Drittmittelgeber werden das Digitalisieren von historischem Material, das Erstellen von Online-Fachdatenbanken sowie die Verknüpfung von historischen und informationstechnologischen Forschungsmethoden zunehmen. Auf diesem Feld einen Überblick zu gewinnen und zu behalten, ist kaum möglich, denn die wichtigsten Portale der Gegenwart können morgen schon veraltet sein.

Der vorliegende Guide kann daher nicht mehr sein als eine Auswahl digitaler Angebote, die sich in der Arbeitspraxis als produktiv erwiesen haben – aber auch nicht weniger.

Neben der Auflistung und Kommentierung von Recherchemöglichkeiten zur Geschichte des Mittelalters im Internet soll betont werden, dass die Forschung sich inzwischen durchaus über das bloße Digitalisieren von bestehendem Material hinaus bewegt. Im Zuge der internationalen und interdisziplinären Initiativen der Digital Humanities beginnen die Geschichtswissenschaft im Allgemeinen und die Mediävistik im Speziellen neue Methoden zu erproben und zu entwickeln, die den Möglichkeiten der digitalen Welt entsprechen.

Trotz dieser digitalen Neuausrichtung, wird das Potential der Online-Publikationen bisher keineswegs voll ausgeschöpft und ihre Anerkennung im Fach nimmt noch lange nicht den Rang ein, welcher ihnen gebührt. Aber auch auf diesem Gebiet wird die Entwicklung, die bei den kommerziellen Angeboten der Verlage ihren Anfang nahm, nicht aufzuhalten sein. Und was entspräche dem Geist der freien Forschung mehr, als ihre Ergebnisse frei zugänglich zu machen?

Literaturhinweise

Einführungsliteratur zur Geschichte des Mittelalters

Boockmann, Hartmut, Einführung in die Geschichte des Mittelalters, 8. Aufl. München 2007.
Eder, Franz X., Geschichte Online. Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten, Wien, Köln, Weimar 2006.
Fuhrmann, Horst, Einladung ins Mittelalter, 4. Aufl. München 2009.
Fuhrmann, Horst, Überall ist Mittelalter. Von der Gegenwart einer vergangenen Zeit, 3. Aufl. München 2010.
Goetz, Hans-Werner, Proseminar Geschichte: Mittelalter, 3. Aufl. Stuttgart 2006.
Hartmann, Martina, Mittelalterliche Geschichte studieren. Studienbuch für Anfänger, 3. Aufl. Konstanz 2011.
Heimann, Heinz-Dieter, Einführung in die Geschichte des Mittelalters, 2. Aufl. Stuttgart 2006.
Hilsch, Peter, Das Mittelalter – die Epoche, 3. Aufl. Stuttgart 2012.
Lubich, Gerd, Das Mittelalter, Paderborn u. a. 2010.
Meinhardt, Matthias u.a. (Hrsg.), Oldenbourg Geschichte Lehrbuch. Mittelalter, 2. Aufl. München 2008.
Müller, Harald, Mittelalter, Berlin 2008.

Recherche zum Thema

Ludwig Maximilians Universität München, Im Netz des Mittelalters – eine Auswahl, http://www.mag.geschichte.uni-muenchen.de/service/linkliste/index.html.
Veronesi, Larissa u.a., Online-Tutorium Mittelalter, http://www.mittelalter.uni-tuebingen.de/?q=tutorium/index.htm.
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Lehrmaterialien Proseminar Mittelalter, http://www.uni-muenster.de/Geschichte/Studieren/Materialien/Mittelalter/Proseminar.

Fußnoten

  1. [1] Zitiert nach Groebner, Valentin, Das Mittelalter hört nicht auf. Über historisches Erzählen, München 2008, S. 27.
  2. [2] Vgl. Kapitel 1.3 Institutionelle Infrastrukturen.

Zitation: Silke Schwandt, Mittelalter, in: Clio Guide – Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, Hrsg. von Laura Busse, Wilfried Enderle, Rüdiger Hohls, Thomas Meyer, Jens Prellwitz, Annette Schuhmann, 2. erw. und aktualisierte Aufl.,Berlin 2018 (=Historisches Forum, Bd. 23), S. C.2-1 – C.2-16.