Jan Hodel / Pascal Föhr, Clio-Guide: Schweiz in: Clio Guide – Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, hrsg. von Silvia Daniel, Wilfried Enderle, Rüdiger Hohls, Thomas Meyer, Jens Prellwitz, Claudia Prinz, Annette Schuhmann, Silke Schwandt, 3. erw. und aktualisierte Aufl., Berlin 2023–2024, https://doi.org/10.60693/exkj-m603

1. Digitale Geschichtswissenschaft in der Schweiz

Die Verfasser des Clio-Online Guides zur Schweiz sind zunächst, wie viele Leserinnen und Leser wohl auch, vor die Frage gestellt, was genau die nationalen Eigenheiten ausmacht, die die Erstellung eines solchen Guides rechtfertigen. Die Scientific Communities der deutschsprachigen Schweiz und Deutschlands sind mittlerweile dermaßen stark verwoben, dass sich die nationalen Eigenheiten der Schweizer Geschichtswissenschaft im Wesentlichen auf die institutionellen Besonderheiten, die sich vor allem aus dem sprachregionalen und föderalen Aufbau der Nation herleiten, oder auf die dezidierte Beschäftigung mit der eigenen Nationalgeschichte beschränken.

Schweizer Geschichte stellt im geschichtswissenschaftlichen Diskurs deutscher, aber auch französischer, englischer oder italienischer Sprache weiterhin eine quantité négligable dar. Dabei bietet sich die schweizerische Nationalgeschichte durchaus als Beispiel für die identitätsstiftende Funktion eines Nationalstaats an – zumal die Schweiz eine Nation darstellt, die ihre Identität nicht aus gemeinsamer Sprache und Kultur bezieht, sondern die sich primär als Willensnation versteht.[1] Allerdings hat das geschichtswissenschaftlich-institutionelle Interesse an der Geschichte der Schweiz auch in der Schweiz selbst abgenommen: So gibt es nach verschiedenen Umwidmungen von Lehrstühlen und Neuausrichtungen der Studienordnungen, die sich an den über- und transnationalen Trends der Geschichtswissenschaften der letzten Jahre orientierten, derzeit nur noch in Bern und in Genf dedizierte Schwerpunkte für Schweizer Geschichte.

Die Forschungslandschaft setzt sich zusammen einerseits aus Arbeiten, die in der Tradition des Einsatzes von Informatikhilfsmitteln zur Bearbeitung von historischen Fragestellungen im Umfeld des Vereins Geschichte und Informatik entstanden sind. Zum anderen entstanden und entstehen Forschungsarbeiten im Rahmen von Dissertationen oder von Förderinitiativen. Eine wichtige Person in der Schweiz sowohl bezüglich der Entwicklung der Online-Infrastruktur, der Anregungen für Forschungsprojekte, als auch ganz grundsätzlich der Förderung des Diskurses über die Bedeutung von digitalen Medien in den Geschichtswissenschaften war Peter Haber (1964–2013). Für die meisten der heute relevanten Projekte und Institutionen der Schweiz, die Geschichtswissenschaft und digitale Medien verbinden, hat er wichtige Grundlagen erarbeitet. 1998 gründete er mit Jan Hodel die Webplattform hist.net, um Lehrveranstaltungen an der Universität Basel zu unterstützen, die sich den Auswirkungen des Internets auf die Geschichtswissenschaft widmeten. Er wirkte über Jahre als für die Schweiz zuständiger Redakteur in der Mailing-Liste H-Soz-Kult mit und gab als Vorstandsmitglied mehrere Bände des Schweizer Vereins Geschichte und Informatik heraus. Sein Wirken in der Schweizer Gesellschaft für Geschichte trug zur Gründung des Schweizer Geschichtsportals infoclio.ch bei. Neben seinem institutionellen Wirken, das auch die Organisation verschiedener Tagungen umfasste, bleibt seine Habilitationsschrift digital past. Geschichtswissenschaft im digitalen Zeitalter Anregung und Vermächtnis für die Szene der Schweizer Digital Humanities.[6]

1.1 Institutionelle Infrastrukturen

Historische Institute (oder Seminare, Departemente, Sektionen) sind nur auf universitärer Ebene verankert. Es existieren solche in Basel, Bern, Freiburg (Fribourg), Genf, Lausanne, Luzern, Neuenburg und Zürich – dort sowohl an der Universität wie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH. Die Universität St. Gallen und die Universität der italienischen Schweiz bieten keine geschichtswissenschaftlichen Studiengänge an. Die fachlichen Schwerpunkte und organisatorischen Strukturen sind an jeder Universität sehr heterogen aufgebaut, was für Studienanfängerinnen und -anfänger nicht leicht zu durchschauen ist. Die Websites der Institute und Abteilungen sind vor allem auf die Informationsbedürfnisse der Studierenden im Zusammenhang mit dem Studium und der Institution selbst ausgerichtet. Forschungsprojekte werden meist nur erwähnt oder kurz umrissen, ohne Zugang zu substanziellen Quellen zu bieten. Historische Lehrangebote werden auch an anderen Fakultäten angeboten, vor allem in Theologie (Kirchengeschichte), Jurisprudenz (Rechtsgeschichte) und Medizin (Medizingeschichte).

1.1.1 Lehrstühle zu Digital Humanities

In den letzten Jahren wurden im Bereich Digital Humanities Forschungsabteilungen oder Laboratorien zu Lehrstühlen aufgewertet. An der Universität Bern besteht der Bereich Digital Humanities am Walter Benjamin Kolleg, an dem zu den Themenkreisen digitaler Text- und Bildanalysen, digitaler Edition und dem Einfluss digitaler Methoden auf die Geisteswissenschaften geforscht wird. An der Universität Genf besteht ein Lehrstuhl zu Digital Humanities (Humanités Numériques), an dem unter anderem über digitale Werkzeuge und deren methodischen Anforderungen geforscht wird. Dort wird zudem auch ein reflektierter Blick auf das geworfen, was die Digitalisierung mit der zeitgenössischen Kultur macht, von literarischen, künstlerischen und musikalischen Produktionen bis hin zur jüngsten Geschichte und zum zeitgenössischen Denken.

1.1.2 Forschungszentren

An der Universität Zürich besteht seit 2018 das Digital History Lab des Fachbereichs Geschichte. Es befasst sich mit der Frage, wie die heutige Gesellschaft die historische Entstehung und Entwicklung digitaler Gesellschaften verstehen sollte, aber auch mit den konkreten Auswirkungen und Chancen des digitalen Wandels auf die geschichtswissenschaftliche Praxis selbst.

Die Forschungsstelle Sozial- und Wirtschaftsgeschichte ist an das Historischen Seminar der Universität Zürich angebunden, aber zusätzlich mit der Economic History des Departments of Economics und dem Zentrum Geschichte des Wissens interfakultär verbunden. Das Lehrangebot umfasst den Bereich der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Schweiz und Europas (vor allem 19. und 20. Jahrhundert), Kultur- und Wissenschaftsgeschichte der Moderne sowie theoretische und methodologische Fragen der Geschichtswissenschaft. Das Zentrum für Mediävistik der Universität Zürich, das sich als interfakultäres und interdisziplinäres Forum aller an der Universität Zürich forschenden und lehrenden Mediävistinnen und Mediävisten versteht, koordiniert mittelalterbezogene Aktivitäten in Lehre, Forschung und Weiterbildung.

Ebenfalls interdisziplinär und interfakultär aufgestellt ist das Maison de l’histoire der Université de Genève, das zur Förderung und Entwicklung der Geschichtswissenschaften geschaffen wurde. Es fördert die intellektuelle Zusammenarbeit zwischen Disziplinen, Forschenden und Lehrenden, initiiert und unterstützt wissenschaftliche Projekte, subventioniert im Rahmen seiner Mittel die Veröffentlichung von Werken und trägt zur Förderung der Geschichte in der Öffentlichkeit bei.

An der Universität der italienischen Schweiz ist das Laboratorio di Storia delle Alpi (LabiSAlp), das Zentrum für die Geschichte des Alpenraumes, an der Accademia di Architettura angesiedelt. Untersucht werden die endogenen Auswirkungen der dynamischen Geschichte des Gebietes. Das Zentrum für Verkehrsgeschichte (ViaStoria) setzt sich für die Erforschung, Instandstellung und sachgerechte Nutzung historischer Verkehrswege ein. Im Auftrag des Bundes hat die Organisation das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz erarbeitet. ViaStoria publiziert zweimal jährlich die Zeitschrift Wege und Geschichte.[16]

1.1.3 Digital Humanities

Spezifische Forschungseinrichtungen für die Digital Humanities sind in den letzten Jahren an verschiedenen Universitäten eingerichtet worden. An der Universität Basel werden im Digital Humanities Lab Potentiale und Anwendungsfelder der digitalen Geistes- und Sozialwissenschaften ausgelotet. Eine konkrete Entwicklung ist das Data and Service Center for the Humanities (DaSCH), das seit 2021 eine nationale Dateninfrastruktur für die Schweizer Forschung in den Digital Humanities anbietet. Seine Hauptaufgabe ist der Betrieb einer Plattform für geisteswissenschaftliche Forschungsdaten, die den langfristigen Zugang dazu sicherstellt. An der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) besteht das Digital Humanities Laboratory, das computergestützte Ansätze für die Wiederentdeckung der Vergangenheit, vor allem der Stadtentwicklung (Projekt: The Venice Time Machine), entwickelt und untersucht, wie Computer die Schreibkultur beeinflussen. In Lausanne arbeiteten die EPFL und die Universität Lausanne bis Ende 2022 im UNIL-EPFL dhCenter zusammen, um Projekte zu Forschungseinrichtungen, zur digitalen Gesellschaft und Kultur sowie zur Anwendung von Computermethoden und -technologien auf die Erforschung der antiken Welt voranzutreiben. Das Digital Humanities Lab an der Universität Neuchâtel forscht zu Westschweizer Themenkreisen, hauptsächlich in sprachwissenschaftlichen Projekten.

Die Universitäten Luzern und St. Gallen haben keine auf Digital Humanities ausgerichteten Forschungszentren eingerichtet, bieten jedoch Programme zur Erreichung von Digital Skills an.

1.1.4 Studiengänge

In der Schweiz sind Studiengänge im Bereich Digital Humanities weiterhin kaum über das Planungsstadium hinausgekommen, trotz der oben erwähnten Einrichtung von Lehrstühlen. CLARIN-DARIAH bietet eine Übersicht über die Schweizer (und andere) Bildungsangebote im Bereich Digital Humanities. Im Folgenden werden einige Studiengänge aufgeführt, die in einem weiteren Sinne Themen der Digital Humanities abdecken.

Geschichte

Die Universität Zürich bietet mit Advanced Studies in Applied History Weiterbildungsstudiengänge in angewandter Geschichte an (Abschlüsse: MAS, DAS, CAS). Das Angebot will in praxisnaher Weise die spezifischen strategischen Potentiale der historischen Methode, die generell für die verschiedensten Berufsfelder von praktischem Nutzen sind, erschliessen: in Politik, Diplomatie, Wirtschaft, Lehre, im Management sowie im Medien- und im Kulturbetrieb.

Informationswissenschaften

Die Universitäten Bern und Lausanne bieten zusammen das interdisziplinär ausgerichtete Nachdiplomstudium in Archiv-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft an, das nach zwei Jahren mit dem Master of Advanced Studies in Archival, Library and Information Science (MAS ALIS) oder nach der Grundstufe mit dem CAS abgeschlossen werden kann. Die Studierenden lernen den Inhalt und die theoretischen Grundlagen der zentralen archivischen, bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Funktionen zu verstehen, kritisch zu prüfen und umzusetzen. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur bietet verschiedene Abschlüsse im Bereich Information Science an. Ziel ist, die Studierenden zu Experten im professionellen Umgang mit Daten, Information und Wissen auszubilden.

Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich bietet in Kooperation mit der Zentralbibliothek Zürich das berufsbegleitende Weiterbildungsprogramm Bibliotheks- und Informationswissenschaft als MAS, DAS oder CAS an. Sowohl die traditionellen als auch die neuen Aufgabengebiete in der Erschliessung, Vermittlung und Erhaltung von unterschiedlichen Informationsträgern und -inhalten werden thematisiert. Zu den neuen Aufgabengebieten zählen Digitalisierung, Langzeitarchivierung sowie die im Kontext der Entstehung und Verarbeitung digitaler Forschungsdaten entstandenen Tätigkeiten und Bereiche.

Events

Eine „Digital Humanities Summer School Switzerland“ wurde 2013 erstmals durchgeführt und 2017 als „Digital History Summer School Switzerland“ wiederholt. Beteiligt waren infoclio.ch und mehrere Schweizer Universitäten und Forschungsinstitutionen. Seit 2021 wird jährlich von DHCH eine OH Summer School in Rom veranstaltet. Die DHCH-Initiative wurde 2020 unter Beteiligung der Universitäten Basel, Bern, Genf und der italienischen Schweiz sowie dem lstituto Svizzero Roma ISO und der SAGW ins Leben gerufen. Sie bietet ein Netzwerk, um die vielfältigen Aspekte der Digital Humanities zu erörtern, den Blick für den weiten Horizont digitaler Praktiken zu öffnen und Ansätze der Digital Humanities in Kunst und Kulturerbe zu unterstützen

Fachvereine, Vereinigungen, Verbände

Mit rund 100.000 aktiven Vereinigungen kann die Schweiz als Land der Vereine, Verbände und Interessensgruppen bezeichnet werden. Der wichtigste Fachverband für Historiker:innen ist die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte (SGG), Herausgeberin der wichtigsten historischen Fachzeitschrift, der Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte (SZG). Zudem werden mit „Itinera“ Themenhefte als Ergänzung zur SZG veröffentlicht. Auf der Website des Verbandes stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, so zum Beispiel eine Datenbank mit allen laufenden und abgeschlossenen historischen Dissertationen und Lizentiatsarbeiten in der Schweiz. Zudem ist auch ein sehr detaillierter Index aller Beiträge seit 1951 in der SZG online abrufbar. Der SGG sind als Sektionen verschiedene Vereinigungen angegliedert, welche spezifische geschichtswissenschaftliche Interessen verfolgen, wie die Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung, die Vereinigung für Schweizerische Kirchengeschichte (VSKG), die Schweizerische Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, die Schweizerische Dachorganisation der Geschichtsdidaktischen Gesellschaften (SDGD) oder die Schweizerische Vereinigung für Militärgeschichte und Militärwissenschaft.

Weitere Vereine mit spezifischen geschichtswissenschaftlichen Zielsetzungen sind keine Sektion der SGG, bieten aber neben Fachinformationen regionale, nationale und internationale Netzwerke. Darunter befinden sich beispielsweise die Schweizerische Gesellschaft für historische Bergbauforschung, die Association pour le patrimoine industriel, die Schweizerische Vereinigung für Studentengeschichte, der Verein Memoriav, oder die Rechtsquellenstiftung des Schweizerischen Juristenvereins. Zudem bestehen in nahezu jedem Kanton eigene regionale und lokale historische Vereine.

In der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) sind mehrere historische und archäologische Fachgesellschaften vertreten. Sie bildet das grösste Netz in den Geistes- und Sozialwissenschaften der Schweiz und ist aktiv in der Forschungsförderung, der internationalen Zusammenarbeit sowie in der Förderung des akademischen Nachwuchses. Sie unterstützt auch verschiedene Projekte in den Digital Humanities. Auf der Website sind umfassende Informationen über Forschungsprojekte, Bildungspolitik, Veranstaltungen oder Öffentlichkeitsarbeit aufgeführt.

Die Entwicklung historischer Gesellschaften ist im Artikel Historische Vereine von Anne-Marie Dubler im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS) ausführlicher dargestellt.

Vereine zur Förderung der Digital Humanities

infoclio.ch ist die Fachinstitution für die Geschichtswissenschaften der Schweiz und stellt umfassende Informationen für die Forschenden bereit, trägt zu deren Vernetzung bei und will die digitale Infrastruktur in der Schweiz stärken. Infoclio.ch bietet unter anderem Datenbanken zu Schweizer Bibliografien und Editionen. Zudem bietet Infoclio auch eine Liste der laufenden und abgeschlossenen Dissertationen, Lizentiats- und Masterarbeiten an Schweizerischen Hochschulen im Fach Geschichte an. Diese wird in Zusammenarbeit mit der SGG laufend erweitert. Zum Angebot gehört auch ein 2022 überarbeiteter digitaler Werkzeugkasten, bestehend aus einer Auswahl von Software, die bei der Sammlung, Organisation und gemeinsamen Nutzung von Informationen aus den Geisteswissenschaften behilflich sind. Für Studienanfängerinnen und -anfänger bietet der sogenannte compas eine Anleitung, um sich eine eigene (digitale) Forschungsumgebung bereitzustellen und zu nutzen.

Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) unterstützt verschiedene langfristig ausgelegte Forschungsinfrastrukturen. Dazu gehören Editionen, Datensammlungen und Dokumentationssysteme, Wörterbücher oder Fachportale. Darüber hinaus wird die Vernetzung dieser Daten mit anderen Datenbeständen gefördert (Linked Open Data) und somit ein Mehrwert für die Forschung und die interessierte Öffentlichkeit geschaffen. Mit metagrid.ch wird die Online-Vernetzung von geisteswissenschaftlichen Ressourcen gefördert.

Der Verein Geschichte und Informatik (G&I) verfolgt das Ziel, die qualifizierte Anwendung der Informatik in der historischen Forschung, Ausbildung und Dokumentation zu fördern. Der Verein gibt die Publikation Geschichte und Informatik heraus und informiert online mittels eines Blogs.[52]

1.2 Digitales Publizieren

Der Stand digitalen Publizierens unterscheidet sich nicht wesentlich von jenem in den Nachbarländern, an welche die Schweizer Wissenschaftsöffentlichkeit angebunden ist. Bereits 2014 hat der Schweizerische Nationalfonds (SNF), die nationale Forschungs-Förderagentur, eine Open Access-Strategie eingeführt.[54] Vom SNF geförderte Projekte haben in der Regel ihre Resultate nach einer Sperrfrist (zwischen sechs und 24 Monaten) unentgeltlich im Internet zur Verfügung zu stellen.

Als wichtigster Verlag für geisteswissenschaftliche Publikationen hat sich in der Schweiz der Schwabe Verlag (Basel) etabliert. Er arbeitet eng mit universitären Institutionen, wissenschaftlichen Gesellschaften und Akademien zusammen. Beim Schwabe Verlag erscheint auch das offizielle Organ der SGG, die Schweizerische Zeitschrift für Geschichte (SZG). Als weitere bedeutsame Verlage für geschichtswissenschaftliche Publikationen sind der Chronos Verlag (Zürich) und der in Baden beheimatete Verlag Hier + Jetzt zu nennen. Im Chronos Verlag erscheinen diverse geschichtswissenschaftliche Zeitschriften, die wichtigste darunter ist die Traverse, welche vom gleichnamigen Trägerverein dreimal jährlich herausgegeben wird. Die zweisprachige Zeitschrift versteht sich als Forum der Geschichtsforschenden in der Schweiz, vor allem auch für jüngere Forschende.

Im Bereich des digitalen Publizierens sind die genannten Schweizer Verlage mittlerweile sehr aktiv: Hier + Jetzt vertreibt seine Publikationen auf den grossen kommerziellen Plattformen auch als E-Books und Schwabe bietet unter eLib Datenbanken, E-Books und digitale Zeitschriften an.

Eher den Charakter eines Repositoriums hat das der Eidgenössischen Technischen Hochschule angegliederte Projekt e-periodica (früher retro-seals), das auch geisteswissenschaftliche Zeitschriften, die in der Schweiz publiziert wurden, in digitaler Form anbietet. Erwähnung verdient hier die seit den 1990er-Jahren aktive Website e-hist.ch des Zürcher Historikers Gerold Ritter, der mit fachspezifischen Webdienstleistungen für Geschichte erfolgreich ein eigenes Unternehmen etabliert hat. Er hat unter anderem maßgeblich an der Entwicklung des Lernprogramms Ad fontes und Archives Online mitgewirkt, dem mittlerweile fast alle Staatsarchive der Schweiz angeschlossen sind.

1.3 Herausragende Angebote

Als herausragend darf das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) bezeichnet werden. Es ist das teuerste je in der Schweiz hergestellte geisteswissenschaftliche Werk. Es umfasst in der gedruckten Fassung 13 Bände mit über 36.000 Einträgen – und dies jeweils in den Sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch. Die rätoromanische Teilausgabe erschien in zwei Bänden. Die Erstellung des HLS dauerte von 1988 bis 2014. Da in den frühen 1990er-Jahren der technische Entscheid gefasst wurde, die Inhalte mit SGML und XML zu erfassen, konnten die Artikel laufend ohne allzu grossen Aufwand in einer Internet-Version bereitgestellt werden. Gleichsam als Vorläufer des Open Access-Ansatzes waren die Artikel dabei von Beginn an immer kostenlos zugänglich. Das HLS wird nicht mehr gedruckt aufgelegt, dafür wird die Online-Version rege aktualisiert und erweitert.

Ebenfalls den Status eines herausragenden Webangebots darf das Projekt Ad fontes in Anspruch nehmen. Die Website wurde seit den späten 1990er-Jahren an der Universität Zürich entwickelt und bietet mit zahlreichen Online-Lernmodulen eine Einführung in die Quellenarbeit an. Ad fontes wurde 2002 mit dem Medida-Prix und 2004 mit dem digital-Preis für Bildungssoftware ausgezeichnet.[67] Ad fontes ist auch als Web-App für Mobilgeräte erhältlich.

2. Digitale Informationsressourcen und Medien

2.1 Recherche

2.1.1 Portale

infoclio.ch ist das Schweizer Fachportal für die Geschichtswissenschaften und für Online-Recherchen zu geschichtswissenschaftlichen Fragen das einzige umfassende Webangebot der Schweiz. Ergänzend kann auch die Website der Schweizerische Gesellschaft für Geschichte (SGG), des Fachverbands der Historikerinnen und Historiker der Schweiz, genutzt werden. Für Althistoriker bietet das Fachportal Altertumswissenschaften Informationen zu Veranstaltungen, Bildungsmöglichkeiten und Forschung. Ein umfangreiches Verzeichnis von Online-Ressourcen ergänzt das Angebot.

2.1.2 Bibliotheken

Mit der Gründung des Swiss Library Service Platform (SLSP) hat eine starke Zentralisierung der Bibliothekskataloge stattgefunden. Mittlerweile sind knapp 500 Bibliotheks-, Archiv-und weitere Gedächtnisinstitutionen im mehrsprachigen Online-Katalog swisscovery vertreten. Für die Suche im Katalog ist zwar kein Account nötig, aber mit der Anmeldung ist eine bessere Facettierung der Suchresultate möglich.

In der Westschweiz ist weiterhin der Réseau Romand (ReRo) aktiv und vereinigt die Kataloge von meist kleineren Bibliotheks- und Gedächtnisinstitutionen.

Die 1894 gegründete Schweizerische Nationalbibliothek (SNB) – bis 2006 Landesbibliothek – sammelt die Literatur aus der Schweiz und über die Schweiz. Die Bestände sind in swisscovery auffindbar, jedoch können spezialisierte Verzeichnisse auch auf der Webseite der SNB abgerufen werden. Darunter befindet sich unter anderem das Katalogsystem Helveticat für Monografien sowie Zeitungen und Zeitschriften, die Bibliographie der Schweizergeschichte (ab dem Jahr 1975; die gedruckte Version erscheint seit 1913) und die Schweizer Plakatsammlung. Von Partnerinstitutionen werden weitere Kataloge betreut, wie das Verzeichnis der Schweizer Nationalphonothek. In der Sammlung e-Helvetica sind neben historischen Websites auch elektronisch publizierte Bücher, Periodika, Hochschulschriften und Amtsschriften zu finden. Zudem können gedruckte Werke abgerufen werden, die nachträglich digitalisiert wurden.

Die Sammelschwerpunkte der schweizerischen Universitätsbibliotheken werden derzeit nicht koordiniert, eine Zusammenarbeit besteht lediglich bei der Lizenzierung von elektronischen Angeboten über das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken. Auch fehlt eine koordinierte regionale oder fachspezifische Literaturversorgung, weil die schweizerische Forschungsförderung, das heißt insbesondere der Schweizerische Nationalfonds, die Förderung der Forschungsinfrastruktur und der Literaturversorgung nicht zu ihren Aufgaben zählt. Über große historische Bestände verfügt die Universitätsbibliothek Basel, da die Universität bereits 1460 gegründet wurde und Basel eine wichtige Druckerstadt war. Über die entsprechenden Spezialsammlungen informiert ausführlich die Website der Universitätsbibliothek Basel. Eine reiche Handschriftensammlung weist auch die Stiftsbibliothek St. Gallen auf, die ihre Bestände innerhalb des Projekts e-Codices (Virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz an der Universität Freiburg/Fribourg) laufend digitalisiert und im Web öffentlich zugänglich macht.

2.1.3 Archive

Die schweizerische Archivlandschaft ist stark durch die föderalistische Struktur des Landes geprägt. Wie für andere Politikbereiche ist auch für das staatliche Archivwesen die Gliederung in die drei Ebenen Bund, Kantone und Gemeinden von zentraler Bedeutung. Während das Bundesarchiv für die Sicherung, Erschließung und Auswertung der Unterlagen des Bundes zuständig ist, fällt die Archivierung der von den kantonalen Verwaltungen produzierten Unterlagen in die Kompetenz der kantonalen Staats- oder Landesarchive. Diese sind rechtlich unabhängig vom Bundesarchiv. Neben den Staatsarchiven führen eine Vielzahl von Gemeinden, geistlichen Organisationen, Institutionen oder Privatpersonen ihre eigenen Archive. Die Bestände der Archive sind je nach Aufgabenbereich und Kompetenzen der jeweiligen politischen Ebene sehr unterschiedlich strukturiert. Die Archivbestände der Kantone und Gemeinden reichen in der Regel bis ins Mittelalter zurück, während der Schwerpunkt des Archivguts des Bundesarchivs in der Zeit seit der Bundesstaatsgründung von 1848 liegt. Diese Aufteilung bedeutet in der Forschungspraxis eine gewisse Unübersichtlichkeit und setzt zum Teil sehr gute lokale Kenntnisse voraus, um tatsächlich vor Ort mit dem Material arbeiten zu können.

Eine gute Übersicht über die Archivlandschaft der Schweiz bietet die Website des Vereins Schweizerischer Archivarinnen und Archivare. Neben der Möglichkeit, strukturiert in der Archiv-Datenbank zu suchen, sammelt die Website auch Verweise auf online zugängliche Findmittel. Ein weiterer wichtiger Einstiegspunkt für archivübergreifende Recherche in Beständen Schweizer Archive ist das Webangebot archivesonline.org. Hierbei handelt es sich um eine von verschiedenen Schweizer Archiven unterstützte Meta-Suchmaschine, die gleichzeitige Recherchen in den Archivdatenbanken von mehreren Schweizer Archiven ermöglicht.

Eine zentrale Rolle in der schweizerischen Archivlandschaft nimmt das 1798 errichtete Schweizerische Bundesarchiv (BAR) in Bern ein. Die Aufgaben des BAR sind im Bundesgesetz über die Archivierung aus dem Jahre 1998 geregelt. Die dort festgeschriebenen Grundsätze, Fristen etc. sind allerdings für die kantonalen Staatsarchive nicht relevant; die meisten Kantone haben eigene Archivgesetze oder Verordnungen. Das BAR umfasst das Zentralarchiv der Helvetischen Republik (1798–1803), das Archiv der Mediationszeit (1803–1813), der Tagsatzungsperiode (1814–1848) und des Bundesstaates (seit 1848); weiter beherbergt es originale diplomatische Akten und Ratifikationen internationaler Verträge, Privatarchive zur Schweizer Geschichte seit 1798 und Sammlungen von Abschriften, Kopien und Mikrofilmen von Helvetica, die in ausländischen Institutionen aufbewahrt werden. Online verfügbar sind ausgewählte Datenbestände der Amtsdruckschriften, wie beispielsweise das amtliche Bulletin der Bundesversammlung von 1891 bis 1995 oder die Protokolle des Bundesrates von 1848 bis 1948. Darüber hinaus bietet das BAR die Recherche in den Archivbeständen mittels digitalem Findmittel an. Wie viele Archive ist auch das BAR von der Umstellung auf digitale Geschäftsführung in der Verwaltung betroffen und befasst sich mit der Archivierung digitaler Daten, mit Fragen der Open Government Data und beteiligt sich am Projekt opendata.swiss.

Das Online-Angebot der einzelnen kantonalen Archive ist sehr unterschiedlich, doch sind die Angebote in den letzten Jahren weiter ausgebaut worden. Reine Informationsseiten werden immer seltener, stattdessen stellen die Archive zunehmend digitale Findmittel zur Verfügung, die teilweise, wie zum Beispiel beim Staatsarchiv Basel-Landschaft, einen digitalen Lesesaal mit Zugang zu digitalen und digitalisierten Datenbeständen ermöglichen.

Wichtige Aufgaben übernehmen auch verschiedene Spezialarchive, die zum Teil von der öffentlichen Hand, zum Teil privat finanziert sind. Zu nennen sind dabei das 1910 gegründete Schweizerische Wirtschaftsarchiv in Basel, das Schweizerische Sozialarchiv in Zürich und das zur Eidgenössischen Technischen Hochschule gehörende Archiv für Zeitgeschichte, zu dessen Schwerpunkten die jüdische Zeitgeschichte gehört. Alle drei Archive bieten online Zugang zu ihren Beständen, der jedoch unterschiedlich ausführlich ausgestaltet ist. Das Schweizerische Literaturarchiv besitzt mehr als 250 (Teil-) Nachlässe, über 60 Autorenbibliotheken und Archive lebender Autorinnen und Autoren. Es verfügt damit über die bedeutendste Sammlung der Schweizer Literaturen des 20. und 21. Jahrhunderts.

2.1.4 Museen

Die Museumslandschaft in der Schweiz ist reichhaltig und umfassend. Die Museen bieten im Rahmen ihrer Tätigkeiten auch ausgebaute Web-Präsenzen an. Diese erfüllen in aller Regel primär Werbezwecke und bieten kaum Zugang zum Sammelgut oder anderen kuratierten Inhalten an. Eine Übersicht über die Schweizer Museen bzw. deren Webpräsenzen bietet die Webplattform des Verbandes Schweizer Museen, der gleichzeitig den Internationalen Museumsrat ICOM in der Schweiz repräsentiert.

Von besonderer Bedeutung ist das Landesmuseum in Zürich, das grösste kulturhistorische Museum der Schweiz. Es gehört zusammen mit dem Château de Prangins und dem Forum Schweizer Geschichte Schwyz sowie dem Sammlungszentrum in Affoltern zum Schweizerischen Nationalmuseum. Als Institution des Bundes bildet das Schweizerische Nationalmuseum eine Ausnahme, sonst werden in der föderal organisierten Schweiz die Museen von kantonalen oder privaten Eignern getragen. Auf der Website des Landesmuseums wird ein umfassendes Bildarchiv (über 400.000 Objekte) sowie ausführliche Dokumentationen und eine Übersicht aller Publikationen geboten.

2.2 Digitale Medien

2.2.1 Nachschlagewerke

Das umfassendste digitale historische Projekt der Schweiz ist das Historische Lexikon der Schweiz (HLS). Weitere nennenswerte digitale Nachschlagewerke sind noch nicht verfügbar, mit Ausnahme der Helvetia Sacra. In dieser werden die kirchlichen Einrichtungen der Schweiz (Bistümer, Stifte und Klöster) bis zum Jahr 1874 systematisch erfasst und vornehmlich in ihrer institutionellen Ausprägung historisch beschrieben. Online ist mittlerweile nicht nur das Verzeichnis selbst im Volltext zugänglich, sondern auch Kartenlokalisierungen (Google Maps) und Fotografien der verschiedenen Institutionen.

2.2.2 Quellen

Digitale bzw. digitalisierte Quellen sind in der Schweiz noch relativ rar, obwohl sich auf Initiative des Bundes und einiger Universitäten und Archive das Angebot stetig erweitert.

Swissvotes ist eine umfassende Datenbank der eidgenössischen Volksabstimmungen. Sie enthält Daten zu allen Vorlagen seit 1848 und wird jährlich um die jüngsten Abstimmungen ergänzt. Betrieben wird das Angebot vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern.

Auf der Plattform e-rara.ch stellen Schweizer Bibliotheken digitalisierte Schweizer Drucke des 15. bis 19. Jahrhunderts öffentlich und kostenlos zur Verfügung. Einen ersten Schwerpunkt bilden die Schweizer Drucke des 16. Jahrhunderts. Diverse thematische Kollektionen gedruckter Bücher sowie gedruckte Karten aus dem 16. bis 19. Jahrhundert erweitern das Angebot. Das Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ der Bayerischen Akademie der Wissenschaften erschließt bibliografisch Geschichtsquellen des mittelalterlichen Deutschen Reiches für die Zeit von circa 750 bis 1500 und somit auch Quellen mit Bezügen zur heutigen Schweiz. Es wird kontinuierlich erweitert. Im Codices Electronii Sangallenses sind die mittelalterlichen Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen digitalisiert abrufbar. Die Stiftsbibliothek Sankt Gallen gehört mit ihren 2.100 Handschriften zu den ältesten und bedeutendsten Handschriftenbibliotheken der Welt. Die digitale Bibliothek wird ständig erweitert; 2023 sind 841 Dokumente dem Publikum online zugänglich. Das Klosterarchiv Einsiedeln stellt in seinem E-Archiv Archivalien, Urkunden, Dokumente, Filme und Bilder sowie Findmittel und weitere Informationen online zur Verfügung. Bilder sind in hoher Auflösung verfügbar. Auf monasterium.net (als Teil des International Center for Archival Research ICARUS) wird ein virtuelles Urkundenarchiv Europas aufgebaut. Darunter befinden sich auch Dokumente aus der und über die Schweiz.

Editionen und Spezialsammlungen

Das Bundesarchiv (BAR) stellt eine Datenbank der Amtsdruckschriften online zur Verfügung. Darunter fallen das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung, das Bundesblatt, die Bundesratsprotokolle, die Diplomatischen Dokumente der Schweiz, der Eidgenössische Staatskalender, der Geschäftsbericht des Bundesrates sowie die Staatsrechnung und der Voranschlag.

Die Schweizerische Nationalbibliothek (SNB) beherbergt verschiedene Spezialsammlungen. Unter anderem HelveticArchives (Archivdatenbank der Schweizerischen Nationalbibliothek), Familiennamen-Katalog, Handschriften-Katalog, Heraldischer Katalog, Katalog der biografischen Zeitungsartikel, Katalog der genealogischen Tafeln, Katalog der monografischen und der periodischen Amtsdruckschriften, Periodika-Katalog, Schweizer Plakatsammlung, Sonderdrucke-Katalog oder der Vereinsschriften-Katalog. Die Kataloge können online im Gesamtkatalog HelveticAll durchsucht werden.

Eine Übersicht über weitere Editionen bietet infoclio.ch. Mit diversen Filtermöglichkeiten kann die Datenbank durchsucht werden.

Retrodigitalisierte Quellensammlungen

Die Plattform e-manuscripta.ch bietet digitalisierte handschriftliche Quellen aus Schweizer Bibliotheken und Archiven. Ähnlich ist e-codices, die virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz, unterhalten von der Universität Freiburg.

Beim Projekt Dodis: Diplomatische Dokumente der Schweiz sind zusätzlich zur gedruckten Edition zentrale Dokumente zur Geschichte der schweizerischen Aussenbeziehungen retrodigitalisiert worden und in einer Datenbank abrufbar. Amtliche Quellen, die für die Rekonstruktion und das Verständnis der außenpolitischen Geschichte der Schweiz nötig sind, werden in gedruckter und digitalisierter Form der Forschung zur Verfügung gestellt.

Memoriav ist das nationale Netzwerk für die Erhaltung des audiovisuellen Kulturguts, mit dem Informationsportal Memobase. Dieses bietet einerseits Zugang zu über 400.000 retrodigitalisierten, audiovisuellen Dokumenten aus Sammlungen und Beständen von 67 Institutionen (Stand 2020) und andererseits umfassende Informationen zur Handhabung und Archivierung von audiovisuellen Objekten sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Spezifische Quellen

E-Pics ist die zentrale Bilddatenbank der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich für Fotografien und Bilddokumente. Sammlungen, Archive, Institute und Einheiten der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich sowie Externe verwalten und präsentieren hier ihre Bildbestände. Ein Grossteil der Bilder kann öffentlich eingesehen und nach Stichwörtern recherchiert werden.

Die Schweizerische Radio und Fernsehgesellschaft (SRF) bietet mit Timeline zahlreiche Trouvaillen in Bild und Ton zu allerlei Themen durch rund 90 Jahre Radio- und Fernsehgeschichte. Parallel dazu werden auf dem YouTube-Kanal SRF Archiv weitere Clips und Filmausschnitte veröffentlicht. Französische Beiträge sind im RTSarchives zu finden. Das Archiv für Agrargeschichte (AfA) vermittelt in verschiedenen Online-Portalen und Datenbanken Informationen zur ländlichen Gesellschaft, insbesondere zu Personen und Institutionen, zum Filmschaffen im ländlichen Europa und Bildquellen zur Tierar-beit. AfA-interne Datenbanken müssen vor Ort konsultiert werden. Audiovisuelle Essays werden vom AfA auch auf der Online-Plattform  der European Rural History Film Association (ERHFA) bereitgestellt.

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes bietet mit dem Resource Centre eine Möglichkeit, online nach Bildern, Filmen, Dokumenten oder Karten der Organisation zu recherchieren. Je nach Objekt muss es anschliessend bestellt oder kann direkt heruntergeladen werden. Die Basler Organisation mission 21 stellt Fotos (knapp 30.000), Zeichnungen und Dokumente aus missionarischer Tätigkeit in aller Welt online zur Verfügung. Die Datenbank kann nach Stichwörtern oder über eine einfache Gliederung durchsucht werden.

2.2.3 Elektronische Publikationen

Elektronische Zeitschriften

e-periodica.ch ist die Plattform der Bibliothek der Eidgenössischen Technischen Hochschule für digitalisierte Schweizer Zeitschriften aus den Bereichen Wissenschaft und Kultur. Die frühesten Zeitschriften auf e-periodica.ch datieren vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Das Angebot wird laufend durch aktuelle Ausgaben ergänzt.

Das Portal e-newspaper wurde 2011 als Nachfolger der Plattform Presse Suisse en ligne von der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB) und der Médiathèque Valais (Kanton Wallis) gegründet. Das Portal hat seither zusätzliche Bestände aus anderen Kantonen aufgenommen und wird laufend erweitert. Es bietet Zugang zu einer Auswahl von digitalisierten Schweizer Zeitungen von 1692 bis 2021. Allerdings sind eher kleinere oder eingestellte Titel zu finden.

Elektronische Monografien

Das Einreichen von elektronischen Dissertationen und Habilitationen ist je nach Universität unterschiedlich geregelt. Alle Universitätsbibliotheken nehmen elektronische Dissertationen und Habilitationen aus allen Fachbereichen an und publizieren die Arbeiten auf ihren Webseiten oder in Publikationsportalen mit entsprechende Suchmöglichkeiten. Wissenschaftliche E-Books werden von einzelnen Bibliotheken angeboten und können dort online bezogen werden. Eine spezifische Plattform für dieses Medium existiert in der Schweiz (noch) nicht.

E-Learning

Ad fontes ist ein Lernangebot der Universität Zürich um Interessierte beim Lesen von alten Handschriften zu unterstützen sowie bei der Frage, wie diese ausgewertet und als Quellen benutzt werden können.

2.3 Mailinglisten, Blogs, Podcasts

Ein umfassendes, zentrales Portal existiert nicht. Einige Organisationen (Institutionen, Vereine, Verlage, usw.) bieten einen Newsletter oder RSS-Feed an, einige auch Podcasts oder Filmbeiträge (beispielsweise das Schweizer Fernsehen). Blogs werden ebenfalls von verschiedenen Organisationen angeboten, einige Forschungsblogs finden sich unter hypotheses.org. Im Portal H-Net online finden sich bei übergreifender Suche zahlreiche geschichtswissenschaftliche Beiträge mit Bezug zur Schweiz.

3. Fazit

In der Schweiz haben sich Angebote zu Digital Humanities und/oder Digital History mittlerweile etablieren können, einige davon haben sogar Pionierarbeit geleistet (e-hls oder Ad fontes). Der föderalistischen Struktur der Schweiz ist es geschuldet, dass neue Angebote, Projekte und Plattformen nur langsam entstehen und sich erst nach einer gewissen Bewährungszeit mit anderen Fachangeboten vernetzen. Dennoch ist die digitale Community aktiv und entwickelt laufend weitere Angebote für den Einsatz in den digitalen Geschichtswissenschaften.

Literaturhinweise

Geschichtsforschung

Atelier H (Hrsg.), Ego-Histoires. Ecrire l'histoire en Suisse romande, Neuchâtel 2003.
Allgemeine Geschichtsforschende Gesellschaft der Schweiz, Geschichtsforschung in der Schweiz. Bilanz und Perspektiven, Basel 1992.
Feller, Richard; Bonjour, Edgar, Geschichtsschreibung der Schweiz, Bde. 1–2, Basel; Stuttgart 1979 (zuerst 1962).
Fueter, Eduard, Geschichte der gesamtschweizerischen historischen Organisation, in: Historische Zeitschrift 189 (1959), S. 449–506.

Geschichte und Geschichtsschreibung

Kreis, Georg (Hrsg.), Die Geschichte der Schweiz, Basel 2014.
Maissen, Thomas, Geschichte der Schweiz, Baden 2010.
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Fußnoten

  1. [1] Ein sehr differenziertes Bild des Zustands der Schweizer Geschichtsforschung (genauer der Schweizer Zeitgeschichtsforschung) zeigt die Analyse von Christoph Dipper bei Docupedia-Zeitgeschichte, was die Eingangsthese zumindest teilweise widerlegt. Vgl. Dipper, Christof, Schweiz – Die Geburt der Zeitgeschichte aus dem Geist der Krise, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 22. 3.2011, http://docupedia.de/zg/Schweiz_-_Die_Geburt_der_Zeitgeschichte_aus_dem_Geist_der_Krise?oldid=97438 (Um einen Nachtrag ergänzte und im Literaturapparat leicht aktualisierte Wiederveröffentlichung von: Dipper, Christof, Die Geburt der Zeitgeschichte aus dem Geist der Krise. Das Beispiel Schweiz, in: Nützenadel, Alexander; Schieder, Wolfgang (Hrsg.), Zeitgeschichte als Problem. Nationale Traditionen und Perspektiven in Europa, Göttingen 2004, S. 149–174.).
  2. [6] Haber, Peter, Digital Past. Geschichtswissenschaft im digitalen Zeitalter, München 2011.
  3. [16] Wege und Geschichte. Zeitschrift von ViaStoria, Stiftung für Verkehrsgeschichte, Zürich 2002-; siehe auch die Website des Verlags https://weberverlag.ch/pages/via-storia.
  4. [52] Geschichte und Informatik. Zürich – Bern 1990-; siehe dazu auch https://www.e-periodica.ch/digbib/volumes?UID=gui-001,gui-002,gui-003.
  5. [54] Hirschi, Caspar, Der Schweizerische Nationalfonds und seine Open-Access-Strategie, in: NZZ online, 19.05.2014, verfügbar unter http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/der-schweizerische-nationalfonds-und-seine-open-access-strategie-1.18304812; Wenzel, Uwe Justus, Der Nationalfonds kapituliert: „Open Access“, in: NZZ online, 27.05.2014, http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/open-access-1.18310145.
  6. [67] Vgl. Hodel, Jan, Web-Rezension zu: Ad fontes, in: H-Soz-Kult, 16.10.2004, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=63&type=rezwww.

Dr. Jan Hodel ist Dozent für Geschichte und Geschichtsdidaktik an der Pädagogischen Hochschule der FHNW in Basel und Brugg. Er hat zusammen mit PD Dr. Peter Haber das Portal hist.net gegründet.

Dr. phil. Pascal Föhr promovierte an der Universität Basel zum Thema „Historische Quellenkritik im Digitalen Zeitalter". Er arbeitet im Staatsarchiv Solothurn, verantwortlich für die Langzeitspeicherung digitaler Daten im Digitalen Zeitalter.

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Für Clio-online verfasst von:

Jan Hodel / Pascal Föhr

Dr. Jan Hodel ist Dozent für Geschichte und Geschichtsdidaktik an der Pädagogischen Hochschule der FHNW in Basel und Brugg. Er hat zusammen mit PD Dr. Peter Haber das Portal hist.net gegründet.

Dr. phil. Pascal Föhr promovierte an der Universität Basel zum Thema „Historische Quellenkritik im Digitalen Zeitalter". Er arbeitet im Staatsarchiv Solothurn, verantwortlich für die Langzeitspeicherung digitaler Daten im Digitalen Zeitalter.