Lateinamerika

1. Geschichtswissenschaft und digitale Medien zu Lateinamerika

1.1 Allgemeine Lage

Die frühe Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Länder führte zu einer ebenfalls frühen Bildung entsprechender Nationalgeschichtsschreibungen, sodass ein erheblicher Teil der Forschung aus der Region selbst kommt. Aufgrund des politischen Hegemonialanspruchs der USA auf dem amerikanischen Doppelkontinent stand Lateinamerika auch dort schon länger im Fokus. In den 1960er-Jahren trugen die interdisziplinär angelegten Area Studies zu einer Ausweitung der akademischen Beschäftigung mit Lateinamerika bei. Bis in die 1980er-Jahre nahm Lateinamerika in der internationalen Öffentlichkeit ebenfalls großen Raum ein. Dies hing vor allem mit dem Kalten Krieg und der Kubanischen Revolution von 1959 zusammen. Letztere strahlte weit über den nationalen Kontext der Insel hinaus und inspirierte einerseits linke Bewegungen, während sie andererseits Ängste schürte, der Marxismus würde sich in Lateinamerika ausbreiten. In den folgenden Jahrzehnten sank die Aufmerksamkeit, aufgrund der starken anglophonen Konzentration auf Globalgeschichte, asiatische Geschichte und Dekolonisierung, bis in den letzten Jahren wieder verstärkt Entwicklungen auf dem Kontinent international wahrgenommen wurden. Diese Konjunkturen hatten Auswirkungen auf die historische Forschung zu Lateinamerika und die Ausbildung einer Forschungsinfrastruktur auch in Deutschland.

In den letzten zehn Jahren ist ein Anstieg der Bedeutung digitaler Medien für den Bereich festzustellen, der sich vor allem in Quellendigitalisierungen und Recherchemöglichkeiten in den lateinamerikanischen Ländern widerspiegelt. Bei der Digitalisierung gibt es allerdings starke regionale Unterschiede: Während die großen und reicheren Länder wie Brasilien oder Mexiko bereits umfassende Angebote erstellt haben, wird man zu einigen mittelamerikanischen Ländern oder etwa Bolivien bislang noch wenig finden. Angebote aus den USA bilden einen unverzichtbaren Bestandteil für die digitale Arbeit zur Geschichte Lateinamerikas.

1.2 Institutionelle Infrastrukturen in Deutschland

Das bereits 1930 gegründete Ibero-Amerikanische Institut Preußischer Kulturbesitz (IAI) in Berlin fungiert als wichtiger Dreh- und Angelpunkt der Forschung zu Lateinamerika und der Iberischen Halbinsel, nicht zuletzt aufgrund seiner großen Spezialbibliothek zur Region. Das Institut verwahrt darüberhinaus eine Reihe von Nachlässen, organisiert wissenschaftliche Veranstaltungen und gibt Schriften heraus, darunter die Zeitschrift Iberoamericana, die schwerpunktartig auch Geschichte behandelt.

Das starke Interesse an Lateinamerika seit den 1960er-Jahren fiel mit dem Hochschulausbau in Deutschland zusammen. In dieser Zeit entstanden einige Institute bzw. zentrale Einrichtungen, die sich im Sinne der Area Studies mit Lateinamerika befassen. Seit 1964 arbeitet etwa das Deutsche Übersee-Institut in Hamburg zu verschiedenen Weltregionen. An das Forschungsinstitut, das heute German Institute of Global and Area Studies (GIGA) heißt, ist das Institut für Lateinamerika-Studien (ILAS) angeschlossen.

Außerdem wurden in der Geschichtswissenschaft einige Professuren für Lateinamerikanische Geschichte geschaffen. Seit 1960 wird an der Universität Leipzig zu Lateinamerika geforscht, an der es einen Lehrstuhl für Ibero-Amerikanische Geschichte gibt. An der Universität Rostock findet die seit den 1960er-Jahren bestehende Forschung zu Lateinamerika zurzeit nur noch durch die Arbeitsgruppe Politik in Lateinamerika statt. Besonders stark vertreten ist die lateinamerikanische Geschichte dagegen an der Universität zu Köln, wo 1961 der erste Lehrstuhl zur lateinamerikanischen Geschichte in Deutschland eingerichtet wurde. Heute gibt es drei Professuren an der Abteilung für Iberische und Lateinamerikanische Geschichte (IHILA). Seit 1964 erscheint das Jahrbuch zur Geschichte von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft Lateinamerikas (heute Jahrbuch zur Geschichte Lateinamerikas, JbLA), das komplett im Open Access digital zur Verfügung steht.

Das 1970 gegründete Lateinamerika-Institut (LAI) der Freien Universität Berlin ist das größte interdisziplinäre Institut zu Lateinamerika an einer deutschen Universität und verfügt über eine große Abteilung zur Geschichte. Seit 2010 gibt es dort ein Forschungszentrum Brasilien. Ebenfalls 1970 entstand an der Universität Hamburg ein Lehrstuhl zur Geschichte Lateinamerikas, der heute zum Arbeitsbereich Globalgeschichte gehört. An der Universität Bielefeld ist die seit 1979 bestehende Professur für Iberoamerikanische Geschichte Teil des Centers for InterAmerican Studies. Geschichte ist ebenso die zentrale Disziplin des 1985 gegründeten Zentralinstituts für Lateinamerikastudien (ZILAS) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Während ein entsprechender Lehrstuhl an der Universität Erfurt leider nicht mehr existiert, wurde 2004 die Professur für außereuropäische Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit einer Lateinamerikaspezialistin besetzt. Im selben Jahr kam eine Professur für Neuere und Neueste Geschichte mit Schwerpunkt Lateinamerika an der Universität Bremen hinzu. 2010 folgte die Gründung der Professur für Geschichte Lateinamerikas und der Karibik an der Leibniz Universität Hannover. Seit 2010 gibt es an der Universität Bern eine Professur für Geschichte und Kulturen Lateinamerikas. Die Professur an der Universität Wien bleibt seit mehreren Jahren unbesetzt, dennoch findet dort noch eine Beschäftigung mit der lateinamerikanischen Geschichte in der Lehre statt.

Aktuell fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung zwei Verbundprojekte, die sich aus geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektive mit Lateinamerika beschäftigen. Seit 2009 forschen WissenschaftlerInnen unter anderem des IAI, LAI und GIGA im Netzwerk desiguALdades.net zu sozialen Ungleichheiten in Lateinamerika. Das Kompetenznetz Lateinamerika (KLA), an dem Lehrstühle der Universitäten Bielefeld, Bonn, Hannover, Köln und Münster beteiligt sind, untersucht seit 2010 aus historischer und gesellschaftspolitischer Perspektive gesellschaftliche Ordnungs- und Zugehörigkeitsvorstellungen in Bezug auf die indigene Bevölkerung und Migration.

Die deutsche Lateinamerikaforschung ist disziplinenübergreifend in der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerika-Forschung (ADLAF) organisiert. Der 1965 gegründete Verband veranstaltet Tagungen und gibt einen monatlichen Newsletter heraus.

1.3 Internationale und lateinamerikanische Verbände

Historische Forschung zu Lateinamerika wird auch in anderen europäischen Ländern betrieben. Auf lateinamerikanische Geschichte spezialisiert ist die Vereinigung der europäischen HistorikerInnen zu Lateinamerika, die Asociación de Historiadores Latinoamericanistas Europeos (AHILA), die 1978 im polnischen Toruń gegründet wurde. Der Verband macht sich den wissenschaftlichen Austausch zum Ziel und richtet regelmäßige Tagungen aus. In den USA existiert seit 1966 mit der Latin American Studies Association (LASA) der weltweit größte Verband von ForscherInnen, die sich mit Lateinamerika beschäftigen. Der interdisziplinäre Dachverband organisiert Jahrestagungen. Der Internetauftritt wechselt nach jeder Jahrestagung. Ein ähnliches, wenn auch breiteres Format haben die Internationalen Amerikanistenkongresse (International Congress of Americanists, ICA).

Außerdem gibt es eine Reihe von nationalen HistorikerInnenverbänden in lateinamerikanischen Ländern. Besonders umfassend organisiert ist die brasilianische Geschichtswissenschaft mit ihrer seit 1961 bestehenden Associação Nacional de História (ANPUH-Brasil). Die Website der Gesellschaft informiert über Tagungen, Publikationen und Stellenausschreibungen. In den spanischsprachigen Ländern gibt es jeweils eine Academia Nacional de Historia, die auf ihren Websites über ihre Aktivitäten, Bibliotheken etc. informieren.

1.4 Herausragende thematische Websites und digitale Publikationen

Das zentrale Internetangebot für die Geschichte Lateinamerikas ist das Latin American Network Information Center (LANIC) an der University of Texas in Austin. Hier finden sich über 10.000 Links zu Internetseiten, die nach Regionen, Ländern, Themen und Disziplinen sortiert sind. Im Bereich „History“ sind alle relevanten Archive, Bibliotheken, Institutionen und sonstige Informationsseiten aufgelistet. Ein besonderes Angebot von LANIC stellt die Seite lanicetext collection dar, auf der sich Links zu verschiedenen digital zugänglichen Quellensammlungen finden. Weitere Linklisten mit Internetseiten, Quellen, Archiven und Bibliotheken zu Lateinamerika unterhalten das Oberlin College, die New Mexico State University (mit Schwerpunkt auf die US-mexikanische Grenzregion) und für Brasilien die Indiana University.

2. Digitale Informationsressourcen und Medien

2.1 Bibliothekskataloge und Bibliographien

Die größte europäische und weltweit drittgrößte Bibliothek zu Lateinamerika befindet sich im Ibero-Amerikanischen Institut Preußischer Kulturbesitz (IAI) in Berlin. Der Bestand, der aus knapp 900.000 Büchern, 4.500 laufenden Zeitschriften und 300 Nachlässen besteht, kann über den IAICAT online recherchiert werden. Der Katalog listet auch viele Aufsätze aus Sammelbänden und Zeitschriften auf. Das Institut ist an das deutsche Fernleihsystem angeschlossen. Cibera, die virtuelle Fachbibliothek für Ibero-Amerika, Spanien und Portugal, ermöglicht es, neben den Beständen des IAI weitere deutsche Spezialbibliotheken zu durchsuchen, darunter die Bestände der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und des ILAS in Hamburg.

Viele wichtige Bibliotheken zu Lateinamerika befinden sich in den USA. Die entsprechende Sammlung der Library of Congress (LoC) in Washington, D.C., ist über den Hispanic Reading Room zugänglich und wird auf dessen Homepage vorgestellt. Eine Recherche ist über den Online-Katalog der LoC möglich. Daneben steht mit dem Handbook of Latin American Studies online eine fortlaufende und kommentierte Online-Bibliographie zur Verfügung, mit der Bestände zu Lateinamerika innerhalb und außerhalb der LoC gesucht werden können. Auch die Spezialbibliotheken der Universitäten Tulane, Stanford, Berkeley, Texas und Vanderbilt bieten Onlinekataloge und Beschreibungen der Sammlungen. Daneben finden sich unzählige thematische Onlinebibliographien. An der Stanford University etwa wird eine Bibliographie zur Umweltgeschichte Lateinamerikas angeboten.

Die Nationalbibliotheken der lateinamerikanischen Länder bieten auf ihren Internetseiten die Möglichkeit, die Bestände online zu durchsuchen und sich über das jeweilige Angebot zu informieren. Die Biblioteca Nacional de México stellt ihren Katalog digital zur Verfügung und bietet Zugriff auf den Fondo Reservado. Eine der herausragendsten Forschungsinstitutionen auf gesamtlateinamerikanischer Ebene, das Colegio de México sowie das Instituto Mora haben ebenfalls einen digitalen Katalog ihrer Bibliotheksbestände. Eine der ältesten öffentlichen Bibliotheken Lateinamerikas, die Biblioteca Nacional de Colombia in Bogotá, bietet auf ihrer Internetseite einen Katalog und eine Übersicht ihrer Bestände an. Gleiches trifft auf die Nationalbibliotheken von Ecuador, Peru, Bolivien, Chile, Argentinien und Uruguay zu. Die brasilianische Biblioteca Nacional in Rio de Janeiro, die auf die königliche portugiesische Bibliothek zurückgeht, verfügt über den größten Medienbestand aller lateinamerikanischen Bibliotheken und zählt zu den zehn größten Bibliotheken weltweit. Es stehen Onlinekataloge unter anderem für den Buchbestand, für Zeitschriften, Musik, Karten und Manuskripte zur Verfügung. Für brasilianische Zeitungen und Zeitschriften ist das Arquivo Edgar Leuenroth an der Universidade Estadual de Campinas (UNICAMP) eine wichtige Anlaufstation. Eine umfassende Liste mit Bibliotheken und Archiven bietet H-LatAm.

2.2 Nachschlagewerke

Wichtige Online-Nachschlagewerke zur lateinamerikanischen Geschichte gibt es nur wenige. Das wichtigste Handbuch zur lateinamerikanischen Geschichte, die elf Bände umfassende Cambridge History of Latin America ist kostenpflichtig online zu finden. Außerdem befindet sich die Oxford Research Encyclopedia of Latin American American History im Aufbau. Bisher stehen nur Zusammenfassungen der Beiträge im Netz, ab 2016 sollen die Vollbeiträge veröffentlicht werden. Die Political Database of the Americas der Georgetown University bietet relativ umfassende Informationen und statistische Daten zur Politik-, Sozial- und Rechtsgeschichte an. Einen deutschsprachigen Überblick über die Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert stellen Martina Kaller-Dietrich und David Mayer von der Universität Wien zur Verfügung. Die Historische Gesellschaft für Zentralamerika (Asociación para el Fomento de los Estudios Históricos en Centroamérica) hat eine Reihe von Kurzbiographien wichtiger Zentralamerikaner ins Netz gestellt.

2.3 Digitale Quellen, Bilder und Forschungsliteratur

Die Digitalisierung von Quellen und Forschungsliteratur zu Lateinamerika ist bereits weit vorangeschritten, nicht nur in den USA, sondern gerade auch in Lateinamerika selbst, wo viele der großen Bibliotheken und Archive umfangreiche Digitalisierungsprojekte durchführen. Vermehrt sind daher Literatur und Quellen im Internet einsehbar, sowohl als gescannte PDF-Dateien als auch als digitale Texte mit Suchfunktion.

Länderübergreifende Angebote

Länderübergreifende Angebote stellen die großen Anbieter wie Google Books und HathiTrust Digital Library zur Verfügung, diese sind jedoch nicht auf Lateinamerika spezialisiert. Daneben gibt es einen reichen digitalen Quellenbestand zur lateinamerikanischen Kolonialgeschichte. Die World Digital Library der Library of Congress bietet circa 1.700 gut erläuterte Quellen zu Lateinamerika und der Karibik, darunter historische Karten und den Codex Florentinus. Die British Library macht verschiedene Spezialsammlungen vor allem aus gefährdeten Archiven zugänglich, während das Digitalisierungsprojekt Biblioteca Digital Hispánica der Biblioteca Nacional de España Kollektionen zu Hispanoamerika, der Unabhängigkeit und zu Reisen umfasst.

Die Kolonialzeit bildet insgesamt einen Schwerpunkt der Historiographie zu Lateinamerika. Zu dieser Epoche finden sich Quellen auf der Seite der Real Academia de la Historia in Madrid sowie bei den beiden zentralen europäischen Archiven für die Kolonialgeschichte Lateinamerikas, dem Archivo General de Indias in Sevilla für den hispanoamerikanischen Raum und dem portugiesischen Nationalarchiv Arquivo Nacional Torre do Tombo in Lissabon für Brasilien. Beide Institutionen informieren auch über ihre Bestände. Für eine einzelne, gleichwohl zentrale und über 1.000 Seiten umfassende Quelle der frühen Kolonialzeit, die Nueva corónica y buen gobierno des indigenen Autors Guaman Poma de Ayala von 1615, gibt es eine Forschungswebsite der Königlichen Dänischen Bibliothek, wo das Manuskript, nachdem es lange als verschollen galt, Anfang des 20. Jahrhunderts aufgefunden wurde. Neben dem Faksimile des Quellentextes finden sich hier eine Transkription sowie Forschungsliteratur. Die John Carter Brown Library, die eine der größten Sammlungen von frühen Druckwerken beherbergt, stellt auf ihrer Website viele dieser Werke digitalisiert zur Verfügung. Die Texte lassen sich dort auch nach Schlagworten durchsuchen.

Die Unabhängigkeit bildet in allen lateinamerikanischen Ländern einen Schwerpunkt der historischen Forschung. 2010 jährte sich dieses als Gründungsakt erinnerte Ereignis in vielen Ländern zum zweihundertsten Mal. In diesem Zusammenhang gab es zahlreiche Initiativen in Lateinamerika, aber auch in Spanien, die in Digitalisierungsprojekte zentraler Dokumente aus der Zeit mündeten. Eine Zusammenstellung findet sich auf der Seite der Biblioteca Nacional de España.

Das 19. Jahrhundert ist in der lateinamerikanischen Geschichtsschreibung lange vernachlässigt worden, sofern es um die Zeit nach Erlangung der Unabhängigkeit ging. Das hing damit zusammen, dass nach der Unabhängigkeit, die in den meisten Ländern in der Epoche zwischen 1810 und 1825 erlangt wurde (Kuba und Puerto Rico waren die Ausnahme, sie blieben bis 1898 spanische Kolonien), die politischen Verhältnisse in der Regel recht unübersichtlich waren. In jüngster Zeit rückt das 19. Jahrhundert zunehmend in den Blickpunkt der Forschung, nicht zuletzt, weil die Epoche entscheidenden Einfluss auf die jüngere Geschichte Lateinamerikas nahm. Einige Quellensammlungen sind digital verfügbar, so zum Beispiel die Redemanuskripte mexikanischer und argentinischer Präsidenten seit dem 19. Jahrhundert.

Der Kalte Krieg bildet einen weiteren Quellenschwerpunkt. Das National Security Archive an der George Washington University arbeitet mit Aktenmaterial zur US-Sicherheitspolitik, und eine Sammlung betrifft Lateinamerika. Aufgrund der großen Bedeutung Kubas im Zusammenhang des Kalten Krieges existieren hier besonders viele Angebote, so zum Beispiel die Texte der Reden Fidel Castros von 1959–1996. Thematische Quellensammlungen vor allem zu Kuba, aber auch dem brasilianischen Atomprogramm bietet das Wilson Center an. Für die Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktaturen sammelt das Centro de Documentación y Archivo para la Defensa de los Derechos Humanos (CDyA) Quellen, darunter zum Plan Cóndor.

Einen weiteren online einsehbaren Quellenbestand macht die Comisión Económica para América Latina (CEPAL) der Vereinten Nationen mit historischen Statistiken zu Wirtschaft und Gesellschaft und deren graphischer Aufbereitung zugänglich. Ähnlich funktioniert die Montevideo-Oxford Latin American Economic History Data Base (MOxLAD), ein Kooperationsprojekt der Universidad de la República in Montevideo und der Oxford University, das aus einem Datenbestand der Interamerikanischen Entwicklungsbank hervorgegangen ist. Daneben informieren die nationalen Statistikämter[77] über die Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung der einzelnen Länder.

Angebote einzelner Länder

Die historische Forschung in und zu Mexiko ist von den lateinamerikanischen Ländern besonders umfassend. Es gibt eine Reihe von herausragenden Institutionen, die auch digitalisierte Bestände für die Forschung zur Verfügung stellen. Als erstes ist das Archivo General de la Nación zu nennen. Das Nationalarchiv in Mexiko-Stadt beherbergt umfangreiche Bestände zur mexikanischen Geschichte seit der frühen Kolonialzeit bis heute. Die Bestände sind online recherchierbar. Andere Archive bieten ihren Bestand teilweise digital an, so zum Beispiel das Verteidigungsministerium mit dem Archivo Histórico Militar. Auf der Seite des Colegio de México finden sich verschiedene digitale Quellensammlungen, darunter eine Sammlung zu bewaffneten Erhebungen seit den 1960er-Jahren mit circa 450 digitalisierten Kommuniqués und Flugblättern. Außerdem bietet die Seite Verweise auf weiteres digitalisiertes Quellenmaterial zu Mexiko.

Die Unabhängigkeit hat als Phase der Gründung des mexikanischen Nationalstaats eine umfangreiche historiographische Produktion hervorgebracht. Dazu gehören auch einige für die Forschung zentrale Quelleneditionen, die im Rahmen des Gedenkens an die zweihundertjährige Wiederkehr 2010 digitalisiert wurden.

Die Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit waren in Mexiko von zahlreichen politischen Erhebungen geprägt, die in der Regel mit einer Erklärung der Missstände und einem zumindest rudimentären politischen Programm eingeleitet wurden. Über 1.500 dieser Texte aus der Zeit von 1821–1876 hat ein Team an der St. Andrews University in Großbritannien um den Historiker Will Fowler in einer über Schlagworte recherchierbaren Datenbank zusammengetragen.

Die Mexikanische Revolution (1910–1920) stellte eine weitere zentrale Zäsur in der Geschichte des unabhängigen Mexikos dar. Die Kämpfe und viele soziale Aspekte der Zeit sind in zahlreichen Fotografien festgehalten, von denen sich ein guter Teil in der Fototeca Nacional befinden, die über einen Online-Katalog verfügt. Digitalisierte Qualifikationsschriften archiviert die Facultad Latinoamericana de Ciencias Sociales in Mexiko-Stadt.

Zur Geschichte Mittelamerikas und der Karibik sind erste Angebote noch im Aufbau. Fotos und Dokumente zu Mittelamerika sind beim Centro de Investigaciones Históricas de América Central (CIHAC) an der Universidad de Costa Rica abrufbar. Transkribierte, allerdings unsortierte Quellen aus Mittelamerika stellt der Historikerverband AFEHC zu Verfügung. Von den Nationalbibliotheken hat die panamaische das umfangreichste Digitalisierungsprogramm. Die Digital Library of the Caribbean (dLOC) ist ein Verbundprojekt verschiedener Institutionen und Bibliotheken der Karibik, das gut sortierte Quellen, Bilder, Karten und Forschungsliteratur zum Download anbietet, darunter zum Panamakanal und zu Voodoo.

Weitere digitale Kollektionen existieren vor allem zu Kuba. Die umfangreiche Cuban Heritage Collection (CHC) an der University of Miami digitalisiert Teile ihrer Bestände, Bildquellen und Nachlässe. Die kubanische Regierung macht Regierungsdokumente und auch unzählige Reden von Fidel Castro zugänglich (letztere in acht Sprachen, darunter auch Deutsch). Die Biblioteca Digital der Kubanischen Nationalbibliothek bietet Digitalisierungen von kubanischer Literatur kostenlos an, etwa von José Martí. Für die Dominikanische Republik sei auf die Biblioteca Digital Dominicana der dortigen Nationalbibliothek verwiesen.

Auch die Nationalbibliothek von Venezuela betreibt eine Quellenplattform, die sich allerdings auf die jüngste Zeitgeschichte des Landes beschränkt. Die Unabhängigkeit und der Heldenkult um Simón Bolívar nehmen einen wichtigen Platz im venezolanischen Selbstverständnis ein, sodass das Archivo General de la Nación vor allem diejenigen Bestände online zugänglich macht, die das frühe 19. Jahrhundert betreffen. Die Abteilungen zu Simón Bolívar und Francisco de Miranda werden ganz im Sinne der nationalen Heldenverehrung aufwändig präsentiert. Wichtige politische Texte aus Lateinamerika, etwa von Bolívar und Rodó sowie Belletristik findet man als Scans in der Biblioteca Ayacucho Digital. Die Academia Nacional de la Historia hat zentrale Dokumente der venezolanischen Geschichte als durchsuchbare PDF-Dateien aufbereitet, darunter die Unabhängigkeitserklärung und diverse venezolanische Verfassungen.

Für Kolumbien macht die kolumbianische Nationalbibliothek zwei Digitalisierungsprojekte im Internet zugänglich: Die hauseigene Biblioteca Digital verfügt über Dokumente, Codices, Karten, Bücher und Nachlässe. Colombiae war eine neu lancierte Gemeinschaftsplattform verschiedener Bibliotheken und Archive aus ganz Kolumbien, die neben Texten auch Karten, Fotos und Zeitschriften anbietet. Weitere Quellen aus Kolumbien des 19. und 20. Jahrhunderts stellt The J. León Helguera Collection of Colombiana an der Vanderbilt University bereit, darunter politische Pamphlete.

Eine umfassende digitale Sammlung von Verfassungen, Gesetzen sowie Reden der jeweiligen Präsidenten von Peru an die Nation findet sich auf der Internetseite des peruanischen Kongresses. Die Biblioteca Virtual des Instituto de Estudios Peruanos bietet darüber hinaus zahlreiche geschichts- und sozialwissenschaftliche Bücher als PDF-Dateien zum Download an. Für die weiteren Andenländer und Paraguay finden sich dagegen bislang nur wenige digitale Quellen- und Literaturangebote. Die Nationalarchive von Ecuador und Bolivien offerieren nur Bestandsübersichten, jedoch keine Digitalisierungen. Paraguayische Archive machen nur eine Handvoll Quellen online zugänglich: das Archivo Central des Nationalkongresses Reden und Gesetzestexte, das Archivo Nacional de Asunción ein paar historische Texte, darunter Dokumente auf Guaraní.

In Chile sind Digitalisierungsprojekte bereits umfassender ausgebaut. Die Nationalbibliothek betreibt eine eigene Biblioteca Digital, die im Projekt Memoria Chilena thematisch, regional und chronologisch geordnete Quellen und Forschungsliteratur digitalisiert. Die Themen reichen von der Unabhängigkeit bis zum Diktator Augusto Pinochet und umfassen auch Fotosammlungen. Ebenfalls thematisch sortiert, darunter zur Rolle zur Frau in der Kolonialzeit, zum Eisenbahnausbau und zum Salpeterabbau, sind die Colecciones digitales des Archivo Nacional de Chile. Erklärende Texte, weiterführende Links, Bild- und Audiodateien komplettieren das multimediale Informationssystem.

In Argentinien gibt es mit dem Projekt Trapalanda der Biblioteca Nacional eine umfangreiche Sammlung an eingescannten Büchern seit dem 18. Jahrhundert, historischen Broschüren, Quellen aus der Zeit der Unabhängigkeit, Nachlässen, Fotos sowie Video- und Audiodateien.[110] Diverse Quellen aus der Geschichte Argentiniens vornehmlich für den Schulgebrauch sammelt das staatliche Archivo de Documentos Históricos, allerdings abgetippt und nicht als Faksimile-Scans, dafür mit Zeitleiste und Volltextsuche. Die Bibliothek des Nationalkongresses bietet unter anderem die digitalisierten Verfassungen und internationale Verträge an. Die digitale Sammlung der Biblioteca Nacional de Maestros umfasst schwerpunktmäßig Quellen zum Bildungswesen des 19. und 20. Jahrhunderts, unter anderem Kinder- und Schulbücher und Bildquellen.

Die uruguayische Nationalbibliothek verfügt über zwei digitale Quellenkollektionen, die über Suchbegriffe oder Themen zugänglich sind, eine zu frühen Druckwerken aus Uruguay und eine mit Landschaftsmalereien von Juan Manuel Besnes e Irigoyen aus dem 19. Jahrhundert. Ein weiteres Projekt der Nationalbibliothek ist die Biblioteca Digital del Bicentenario de Uruguay, die klassische Texte der Geschichte Uruguays bereit hält, vor allem aus der frühen Zeit der Unabhängigkeit. Zeitungsartikel und Briefe bekannter uruguayischer Persönlichkeiten umfasst das Projekt der Universidad de la República.

In Brasilien ist das Angebot digitalisierter Texte besonders umfangreich. Den Schwerpunkt bildet die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Das von der Nationalbibliothek betriebene Projekt Biblioteca Nacional Digital Brasil macht Manuskripte, Karten und sogar Tondokumente zugänglich. Die Biblioteca Virtual de Ciências Humanas (Virtuelle Bibliothek der Humanwissenschaften) des Centro Edelstein in Rio de Janeiro stellt digitalisierte Bücher aus Brasilien ins Netz, deren Copyright abgelaufen ist. Während diese Bücher neu gesetzt sind und eine einfache Textsuche ermöglichen, bietet die Biblioteca Brasiliana Guita e José Mindlin von der Universidade de São Paulo ähnlich wie Google Books den Zugriff auf gescannte historische Bücher aus Brasilien. Vergleichbare Angebote machen die Biblioteca Digital da UNESP (unter anderem mit Fokus auf die Geschichte São Paulos) und die Biblioteca Digital do Museu Nacional, wo seltene Werke aus dem Museumsbestand einsehbar sind.

Daneben sind viele Dokumente der politischen Geschichte Brasiliens online erhältlich. Das Center for Research Libraries in Chicago macht Regierungsdokumente zugänglich, darunter die Berichte der Provinzpräsidenten (1830–1930), Reden und Erklärungen der Staatspräsidenten (1889–1993) und Berichte der Bundesministerien (1821–1960). Das Informationssystem des Nationalkongresses (SICON) umfasst unter anderem Gesetzestexte und Senatorenreden. JusBrasil hält Amtsblätter und Gesetzestexte bereit. Für den wissenschaftlichen Bereich ist die Biblioteca Digital Brasileira de Teses e Dissertações (BDTD) hilfreich. Hierbei handelt es sich um eine zentrale Datenbank mit Magisterarbeiten und Dissertationen aus Brasilien, die nur selten in Buchform veröffentlicht werden und hier als PDF zu finden sind.

2.4 Digitale Zeitungen und Zeitschriften

Eine Liste mit lateinamerikanischen Zeitungen und ihren Internetauftritten hat Prensa Escrita zusammengestellt. Das ILAS in Hamburg hat für die Jahre 1973–1998 mit dem Spiegel für lateinamerikanische Presse eine Sammlung von Zeitungsausschnitten angelegt, die online durchsuchbar und in ausgewählten Bibliotheken einsehbar ist. Das Digitalisieren ganzer Zeitungen hat sich Google zur Aufgabe gemacht, bisher stehen zum Beispiel das Jornal do Brasil, El Tiempo aus Kolumbien und mexikanische Zeitungen wie El Nacional oder El País zur Verfügung. Die spanische Nationalbibliothek stellt neben vielen spanischen auch einige spanischamerikanische Zeitungen und Zeitschriften, die zwischen 1772 und 1933 erschienen, online zu Verfügung, so zum Beispiel die sehr wichtige Kulturzeitschrift Caras y Caretas aus Buenos Aires, die von 1898–1939 erschien. Mexikanische Zeitungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert digitalisiert auch die mexikanische Nationalbibliothek. Zeitungsausschnitte aus der Karibik finden sich in der Caribbean Newspaper Digital Library (CNDL). Die Universidad Católica Andrés Bello in Venezuela bietet historische Zeitungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert online an. Das Projekt Trapalanda[133] der argentinischen Nationalbibliothek bereitet Zeitungen und Zeitschriften seit dem frühen 19. Jahrhundert digital auf. Regionale Zeitungen der Provinz Santa Fé aus dem 20. Jahrhundert werden vom Regionalarchiv digitalisiert. Für Uruguay können digitalisierte Periodika, wenn auch nur in Auswahl, bei Publicaciones Periódicos del Uruguay heruntergeladen werden.

Historische Zeitungen aus Brasilien scannt schrittweise die Hemeroteca Digital Brasileira der Biblioteca Nacional in Rio de Janeiro ein. Zurzeit sind Zeitungen wie O Paiz und Correio da Manhã sowie seltene Periodika, so etwa die erste Zeitschrift über Brasilien, der Correio Braziliense, abrufbar. Für alle digitalen Faksimiles wird eine Volltextsuche angeboten, die sogar Suchbegriffe nach aktueller Rechtschreibung findet. Die Wochenzeitschrift Veja betreibt ein eigenes digitales Archiv.

Wissenschaftliche Zeitschriften zur Geschichte Lateinamerikas werden seit 1970 im Hispanic American Periodicals Index (HAPI) erfasst. Hier besteht die Möglichkeit, 675 Zeitschriften zu durchsuchen und auf viele Artikel direkt zuzugreifen. Ähnliche, allerdings nicht auf Lateinamerika spezialisierte Angebote stellen JSTOR und Periodicals Archive Online dar. Viele der zentralen Zeitschriften ermöglichen einen digitalen Zugriff über ihre jeweiligen Internetseiten, darunter der Hispanic American Historical Review (HAHR), der Latin American Research Review (LARR), das Bulletin of Latin American Research, das Journal of Latin American Studies (JLAS), der Luso-Brazilian Review, die Revista de Indias, The Americas (TAm), das Jahrbuch für Geschichte Lateinamerikas (JbLA) und Iberoamericana.

2.5 Thematische Websites

Zu einigen zentralen Forschungsthemen der lateinamerikanischen Geschichte gibt es spezielle Internetangebote. So ist die Geschichte der Indigenen ein in den letzten Jahrzehnten verstärkt untersuchtes Feld. Die Seite NativeWeb versammelt allgemeine, nach Ländern sortierte Informationen, Links, Quellen aus der Indigenenbewegung und Literatur. Einen Überblick zu Archiven zu indigener Geschichte findet sich unter dem Angebot Tavera bei LANIC. Quellen zu indigener Geschichte in wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive stellt die University of New Hampshire im Projekt History of Science in Latin America and the Caribbean (HOSLAC) zusammen. Es handelt sich vor allem um Holzschnitte und Gemälde, die umfassend kommentiert werden. Auch eine Themenübersicht wird geboten. An der Yale University angesiedelt ist die Plattform eHRAF World Cultures. Die hier zusammengetragenen ethnologischen Artikel behandeln auch viele lateinamerikanische Gruppen wie die Mapuche, Maya, Inka oder Guaraní. Literaturangebote und ein ausgeklügeltes Suchsystem runden das Angebot ab.

Auch zum Thema der Sklaverei aus Afrika gibt es einige Spezialseiten. The Trans-Atlantic Slave Trade Database von der Emory University dokumentiert über 35.000 transatlantische Fahrten von Sklavenschiffen und ermöglicht eine Online-Suche. Mit African Origins, einer daran angegliederten Seite, kann nach verschleppten Personen gesucht werden. Die Biblioteca Nacional in Rio de Janeiro bietet umfassende Informationen zum Sklavenhandel nach Brasilien, darunter digitalisierte Quellen und Fotos. Das Archivo General de Colombia hat ebenfalls eine Informationsseite zur Sklaverei in Kolumbien zusammengestellt, die eine Quellensuche ermöglicht. Für Venezuela gibt es eine Übersicht an Mikrofilmen zur Abschaffung der Sklaverei.

2.6 Podcasts, Blogs, Mailinglisten, News Services, Wikis

Die zentrale Mailingliste für lateinamerikanische Geschichte ist H-LatAm. Als Bestandteil des H-Net. Humanities and Social Sciences Online bietet dieser international ausgerichtete Dienst fachspezifische Informationen wie Rezensionen, Call for Papers, Tagungsankündigungen und -berichte, Stellenausschreibungen und Diskussionen. Ein ähnliches Angebot bietet das deutschsprachige Fachforum Connections, das auch als Newsletter erhältlich ist. Hier erscheinen allerdings nicht nur Nachrichten zu Lateinamerika, sondern zu allen Weltregionen. Neben dem ADLAF-Newsletter, der jedoch nur an Mitglieder verschickt wird, ist für Deutschland noch das vom IAI initiierte Forschungsnetzwerk Lateinamerika Berlin-Brandenburg (ForLaBB) zu nennen, das eine Mailingliste zu Veranstaltungen in der Region betreibt. Cibera hat daneben ein disziplinenübergreifendes ForscherWiki eingerichtet, das über 1.000 WissenschaftlerInnen auflistet, die im deutschsprachigen Raum zu Lateinamerika arbeiten. Leider ist die Seite unvollständig und wird nicht umfassend gepflegt und aktualisiert.

Für Mexiko gibt es eine Reihe von Mailinglisten und Blogs zu historischen Themen. In Brasilien ist die digitale Kommunikation unter HistorikerInnen weit ausgebaut. Die Mailingliste des Historikerverbands ANPUH-Brasil informiert über Zeitschriftenneuerscheinungen, Call for Papers, Tagungen und Buchveröffentlichungen. Mit der Plataforma Lattes steht eine zentrale Online-Datenbank mit standardisierten Lebensläufen aller brasilianischen WissenschaftlerInnen bereit, die die dezentralen Homepages ersetzt und vom brasilianischen Wissenschaftsrat CNPq betrieben wird. Mit dem Café História hat sich eine virtuelle Community für die Geschichtswissenschaft gebildet, die Austausch und Informationen zu Tagungen und Veröffentlichungen bietet. Café História betreibt mittlerweile sogar ein digitales Videoblog, der Interviews mit HistorikerInnen sowie Diskussionsveranstaltungen zugänglich macht.

3. Fazit

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es für LateinamerikahistorikerInnen bereits umfangreiche Internetangebote gibt, die sowohl die Kontaktaufnahme, die Literaturrecherche, den Zugang zu wissenschaftlichen Zeitschriften als auch zu Quellen und Archiven deutlich vereinfachen. Neben europäischen und US-amerikanischen Websites sind vor allem in den größeren lateinamerikanischen Ländern digitale Angebote bereits stark ausgebaut. Große Digitalisierungsprojekte von Bibliotheken und Archiven mit professioneller Verschlagwortung von digitalisierten Quellen suchen selbst in Mitteleuropa oft noch ihresgleichen. Diese erfreuliche Entwicklung entzieht sich letztlich einer allumfassenden Bestandsaufnahme, sodass sich dieser Guide nur als erster Ideengeber verstehen kann. Die ärmeren Länder der Region und die überwiegende Zahl der regionalen und lokalen Archive sind digital jedoch meist noch nicht zugänglich. Wer also eine Geschichtsschreibung betreiben möchte, die nicht nur die nationale Perspektive einnimmt, und die Heterogenität der jeweiligen Gesellschaften in den Blick nehmen möchte, muss weiterhin längere Archivaufenthalte unternehmen. Auch sind die Angebote der größeren Institutionen noch nicht umfassend genug, um Recherchen vor Ort obsolet zu machen.

Literaturhinweise

Geschichte und Geschichtsschreibung zum Thema

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Recherche zum Thema

Trinkle, Dennis A.; Merriman, Scott A. (Hrsg.), The American History Highway. A Guide to Internet Resources on U.S., Canadian, and Latin American History, Armonk 2007.

Fußnoten

  1. [77] http://www.inegi.org.mx (Mexiko), http://www.one.cu (Kuba), http://www.one.gob.do (Dominikanische Republik), http://www.ine.gov.ve (Venezuela), https://www.dane.gov.co (Kolumbien), http://www.inei.gob.pe (Peru), http://www.ine.cl (Chile), https://www.indec.gob.ar (Argentinien), http://www.ine.gub.uy (Uruguay), http://www.ibge.gov.br (Brasilien).
  2. [110] Die ursprüngliche Projektseite Trapalanda (http://trapalanda.bn.gov.ar) ist nicht mehr zugänglich.
  3. [133] Die ursprüngliche Projektseite Trapalanda (http://trapalanda.bn.gov.ar) ist nicht mehr zugänglich.

Zitation: Silke Hensel / Frederik Schulze, Lateinamerika, in: Clio Guide – Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, Hrsg. von Laura Busse, Wilfried Enderle, Rüdiger Hohls, Thomas Meyer, Jens Prellwitz, Annette Schuhmann, 2. erw. und aktualisierte Aufl., Berlin 2018 (=Historisches Forum, Bd. 23), S. D.32-1 – D.32-25.