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Clio-Guide: Osteuropa: Belarus, Russland und Ukraine

Olivia Griese / Norbert Kunz / Arnošt Štanzel / Sophie Straube, Clio-Guide: Osteuropa: Belarus, Russland und Ukraine in: Clio Guide – Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, hrsg. von Silvia Daniel, Wilfried Enderle, Rüdiger Hohls, Thomas Meyer, Jens Prellwitz, Claudia Prinz, Annette Schuhmann, Silke Schwandt, 3. erw. und aktualisierte Aufl., Berlin 2023–2024, https://doi.org/10.60693/k2h5-z121

1. Belarus, Russland und die Ukraine in den digitalen Geschichtswissenschaften

1.1 Einführung und Forschungsstand

Die Digitalisierung in Forschung und Lehre hat auch für die Osteuropäische Geschichte neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnet. Insbesondere die Zugänglichkeit von Quellen hat sich durch zahlreiche Digitalisierungsprojekte verbessert, die digitalen Kommunikationswege bieten neue Möglichkeiten zum Austausch über Sprach- und Ländergrenzen hinweg. Auch Aufbereitung und Vertrieb von Publikationen sowie allgemein die Nutzbarkeit von Informationsressourcen haben sich durch digitale Werkzeuge, z.B. für Transliteration und Übersetzung, in den letzten Jahren massiv verbessert. Dies ist für eine historische Regionalwissenschaft, die sich vorrangig mit Quellen und Literatur in verschiedenen Sprachen und Schriften befasst, von besonderer Bedeutung und hat auch positive Auswirkungen auf die Möglichkeiten der universitären Lehre.

Die Erforschung der Geschichte Osteuropas an deutschen Universitäten kann auf eine lange Tradition zurückblicken. So wurde 2002 das hundertjährige Jubiläum der ersten Professur für Geschichte Osteuropas mit einer Publikation zur historischen Entwicklung des Faches bis in die Gegenwart gefeiert.[1] Während dieser Zeitspanne entwickelte sich die Disziplin zu einer interdisziplinär ausgelegten Regionalwissenschaft, wobei der Fokus zu Beginn auf der Erforschung des Russländischen Imperiums und später der Sowjetunion lag.[2] Während der Zeit des Nationalsozialismus stand sie im Schatten der eher auf Ostmitteleuropa fokussierten „Ostforschung“, fand sich jedoch wie diese ebenfalls zunehmend im Dienste der kolonialen, rassenideologischen Konzepte und machtpolitischen Vorhaben zur Schaffung neuen „Lebensraums“ im Osten Europas.[3] Nach 1945 gab es vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts mit der Konzentration auf die Geschichte der Staaten im Einflussbereich der Sowjetunion institutionell und methodisch mehr Kontinuitäten, als zunächst wahrgenommen wurden.[4]

Erst der Zusammenbruch der Sowjetunion und das Ende des Kalten Kriegs nach 1989 beraubten die historische Osteuropaforschung einer zentralen Legitimation und führten in der Folge zu kontrovers geführten Debatten über den regionalen Fokus und die Rolle des Faches im historischen Fächerkanon.[5] Zudem waren (und sind bis heute) die geisteswissenschaftlichen Fächer von einer Reihe von Mittelkürzungen und Umstrukturierungen betroffen, die auch benachbarte Disziplinen wie die Slavistik betrafen, sodass das Fach eine Zeitlang in seiner Substanz gefährdet schien. Allerdings konnten im Zuge der Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudiengänge einige Lehrstühle für Osteuropäische Geschichte ihr Fach erfolgreich in den neuen interdisziplinären Studiengängen zu Osteuropastudien verankern oder im Rahmen eines breit gefassten Geschichtsstudiums verorten.[6] Trotz der genannten Umstrukturierungen kann Osteuropäische Geschichte an zahlreichen Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz studiert werden, ob im Kontext des Geschichtsstudiums oder im Rahmen interdisziplinärer Studiengänge zu Regional- oder Osteuropastudien. Beispiele für interdisziplinäre Masterstudiengänge finden sich u.a. in Gießen oder in Berlin. Im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes wurde von 2012 bis 2019 die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien gefördert, die mittlerweile an den beiden Standorten München und Regensburg in jeweils eigenen Förderstrukturen eingeschränkt weiterläuft. Unter Beteiligung dieser Standorte existiert auch seit 2005 ein Elitestudiengang Osteuropastudien, der mit einem Master abschließt.

Eine methodische Errungenschaft der Disziplin Osteuropäische Geschichte ist die Entwicklung der transnational vergleichenden Konzeption von Geschichtsregionen,[7] der räumlich-regionalgeschichtlichen Betrachtungsweise abseits von zeitgenössischen Grenzziehungen, was immer wieder zu fruchtbaren methodischen Überlegungen führt.[8] Die historischen Umbrüche im östlichen Europa haben wiederholt zu Verschiebungen der regionalen Ausrichtung des Faches und dessen inhaltlicher Fokussierung geführt. Die ursprüngliche Konzentration auf die Geschichte des russländischen Imperiums und der Sowjetunion unter der Klammer Osteuropa hat sich seit den 1990er Jahren zunehmend verlagert. In Folge der Auflösung des Ostblocks und des Auseinanderbrechens der Sowjetunion verengte sich der Begriff „Osteuropa“ zunächst auf Russland und die GUS-Staaten.[9] Insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Aggression Russlands gegen ehemalige Sowjetrepubliken — neben Georgien und Moldawien in erster Linie die 1991 unabhängig gewordene Ukraine – haben viele Osteuropahistoriker*innen einen Perspektivwechsel vollzogen. Spätestens seit der völkerrechtswidrigen Eroberung der Krim 2014 wird daher in vielen Bereichen der Forschung verstärkt die eigenständige nationale Kultur und Geschichte der Nachfolgestaaten der Sowjetunion in den Blick genommen. Ein Beispiel dieses geänderten Schwerpunkts ist die Gründung einer deutsch-ukrainischen Historikerkommission 2015. Damit verschiebt sich der bisherige Fokus weg von der russisch-sowjetischen Perspektive hin zu einer Rezeption der jeweiligen geschichtlichen Überlieferung der neuen Nationen. Der Angriff Russlands auf die gesamte Ukraine im Februar 2022 hat diese Entwicklung noch einmal beschleunigt und zugleich den historischen Osteuropawissenschaften und ihren Vertreter*innen neue Aufmerksamkeit beschert, während alle Wissenschaftsbeziehungen nach Russland vorläufig auf Eis gelegt sind.

Auf politischer Ebene ist die Anerkennung des „Holodomor“, der sowjetisch verantworteten Hungersnot in der Ukraine, als Völkermord im deutschen Parlament sichtbarer Ausdruck der politischen Abwendung von der russisch geprägten Perspektive auf die historischen Entwicklungen in Osteuropa.[10]

Der Krieg hat letztlich auch Folgen für diesen Clio-Guide: Während der Arbeit an diesem hat sich gezeigt, dass manche Webseiten wichtiger Bibliotheken aus Belarus und Russland von Deutschland aus bzw. von manchen deutschen wissenschaftlichen Institutionen aus nicht mehr erreichbar sind. Die Institutionen werden im Text aufgrund Ihrer Bedeutung dennoch samt Links vorgestellt. Falls es beim Aufruf der Webseiten zu Fehlermeldungen kommt, empfiehlt es sich, den Zugriff über ein VPN oder den Tor-Browser zu versuchen.[11]

1.2 Institutionen und Projekte

Über die Universitäten hinaus sind eine Reihe von Forschungsinstitutionen schwerpunktmäßig mit der Geschichte Osteuropas – konkret mit Belarus, Russland und der Ukraine – befasst und stellen als Serviceeinrichtungen für die Wissenschaft vermehrt digitale Ressourcen bereit.[12] Ein bedeutender Akteur ist das Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) in Regensburg, das aus einer Fusion von Osteuropa- und Südostinstitut entstand und neben der Geschichte auch die Wirtschaft der Region behandelt. Das Institut gibt neben verschiedenen Publikationsreihen und Bibliografien mit den Jahrbüchern für Geschichte Osteuropas eine der wichtigsten Fachzeitschriften der osteuropäischen Geschichte heraus und informiert mit ostBLOG über seine verschiedenen Aktivitäten. Schon früh setzte man hier auf Digitalisierungsprojekte, so entstand die Amburger-Datenbank über Ausländer im vorrevolutionären Russland bereits Anfang der 1990er Jahre. 2014 initiierte das IOS mit GeoPortOst ein innovatives Kartenprojekt, bei dem auch Crowdsourcing-Komponenten zum Einsatz kamen. Mit LaMBDaλ stellt es mittlerweile auch ein eigenes Forschungsdatenrepositorium bereit.

Die Forschungsstelle Osteuropa (FSO) hat einen Sammlungs- und Forschungsschwerpunkt zur Dissidentenbewegung in Osteuropa und ist als An-Institut an die Universität Bremen angegliedert. Im digitalen Bereich ist hier vor allem das Projekt Discuss Data zu nennen, das die Archivierung von Forschungsdaten ermöglicht.

Das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) in Berlin wurde 2016 auf Beschluss des Bundestages gegründet und wird aus Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert. Neben der Förderung von sozialwissenschaftlicher Forschung zu Osteuropa ist das Zentrum verstärkt in der Wissenschaftskommunikation aktiv und nimmt auf diversen Kanälen der sozialen Medien am öffentlichen Diskurs teil.

Mit der Universität Leipzig kooperiert das Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, das die Erforschung jüdischer Lebenswelten in den Regionen Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas fördert.

Ebenfalls in Leipzig angesiedelt ist das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), dessen Forschungsfokus die Region zwischen Ostsee, Schwarzem Meer und Adria ist. Das Institut ist an zahlreichen Digital-Projekten beteiligt, wie OstData, dem Aufbau eines zentralen Dienstes für Forschungsdatenmanagement in der deutschen Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung.

Auch Forschungsinstitutionen ohne einen dezidierten regionalen Fokus auf das östliche Europa verantworten thematisch relevante Projekte. Als ein Beispiel wäre die Abteilung I Kommunismus und Gesellschaft des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) zu nennen, das seit seit August 2022 das ERC-Projekt „Perestroika from below“ betreut.

Ein Bindeglied zwischen deutscher und russischer Forschungslandschaft war bisher das 2005 gegründete Deutsche Historische Institut Moskau. Hier ist auch mit der Digitalisierung der deutschen Beuteakten in russischen Archiven ein prestigeträchtiges Projekt im Bereich der Digital Humanities angesiedelt.[19] Durch einen Brand seiner Räumlichkeiten und des Verlustes eines großen Teils seines Bibliotheksbestandes musste das Institut allerdings bereits 2015 empfindliche Verluste hinnehmen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind bis auf weiteres alle öffentlichen Aktivitäten eingestellt, aufgrund des Boykotts der Wissenschaftsbeziehungen ist die weitere Entwicklung vorläufig nicht absehbar.

Eine zentrale Infrastruktureinrichtung für die multidisziplinäre Osteuropaforschung, darunter auch die Osteuropäische Geschichte, ist schließlich auch die Bayerische Staatsbibliothek. In Nachfolge der Sondersammelgebiete ist dort seit 2016 der Fachinformationsdienst (FID) Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa angesiedelt. Mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kommt ihm die zentrale Aufgabe zu, die deutschlandweite Forschung zur Region umfassend mit Literatur zu versorgen und sie darüber hinaus mit weiterführenden Services infrastrukturell zu unterstützen.[20] So entstand 2018 im Rahmen des FID das Forschungsportal osmikon, das mit spezialisierten Recherchediensten, Publikationsanboten und weiteren Services einen wesentlichen Beitrag zur digitalen Forschungsinfrastruktur für die Osteuropawissenschaften im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus leistet.

Größter Forschungsverbund zu Osteuropa im deutschsprachigen Raum ist die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e.V. (DGO), die unter anderem die Zeitschrift Osteuropa herausgibt. Dort ist auch das Forum für historische Belarus-Forschung angesiedelt, das u.a. Stipendien für Forschungsaufenthalte in Belarus vergibt. Die DGO vertritt auch deutsche Osteuropaforschung in der internationalen Dachorganisation für Osteuropa-Studien International Council for Central and East European Studies (ICEES), die alle fünf Jahre den World Congress of ICEES organisiert. Eine zentrale internationale Fachkonferenz ist auch die „Annual Convention“ der in den USA beheimateten Association for Slavic, East European and Eurasian Studies (ASEEES). In den USA finden sich einschlägige Projekte im Bereich der Digital Humanities, z. B. Digital Humanities and Russian and East European Studies (DHREES) der Universität Yale.

Als deutscher Interessensverband für die Forschung und universitäre Lehre fungiert der Verband der Osteuropa-Historikerinnen und Historiker (VOH), auf dessen Website sich auch eine Übersicht über Lehrstühle und Forschungseinrichtungen zur Osteuropäischen Geschichte findet. Informationen zu Forscher*innen mit osteuropäischem Arbeitsschwerpunkt bietet das Verzeichnis Forscher/innen auf Clio-online.

Schließlich liefern neben den genannten Institutionen und Verbänden auch einige unabhängige Projekte wichtige Beiträge zur wissenschaftlichen Information zum östlichen Europa im Internet und bereichern die Entwicklung der Digital Humanities in diesem Bereich. Exemplarisch kann das Portal dekoder genannt sein, das journalistische Beiträge aus Russland und Belarus mit Texten wissenschaftlicher Osteuropaexpert*innen aus europäischen Universitäten auf einer Plattform zusammenbringt.

Texte, die sich dezidiert mit den Digital Humanities im Kontext der Osteuropaforschung befassen, gibt es bislang kaum. Eines der wenigen Beispiele ist The Palgrave Handbook of Digital Russian Studies, das im Rahmen der Initiative Digital Russia Studies (DRS) der Universität Helsinki entstand.[23]

2. Digitale Ressourcen zu Belarus, Russland und der Ukraine

2.1 Recherche

Der zunehmende Ausbau der digitalen Welt macht sich auch für die historische Osteuropaforschung primär durch immer neue digitale Informationsressourcen und Ressourcentypen bemerkbar. Gleichzeitig entstehen laufend neue und technisch ausgefeiltere Suchinstrumente und verändern die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Literatur- und Quellenrecherche. Für Nutzer*innen birgt dies einerseits enorme Chancen, wenn spezialisierte Recherchesysteme beispielsweise mehrsprachige Sucheinstiege ermöglichen und damit einen Teil der Recherchearbeit erleichtern. Andererseits verlangen die neuen Suchumgebungen ihren Nutzer*innen eine fortwährende Entwicklung ihrer Medien- und Informationskompetenz ab, die über das traditionelle hilfswissenschaftliche Rüstzeug von Osteuropaforschenden (wie etwa die grundlegende Kenntnis von Sonderzeichen, Transliterations- und Transkriptionssystemen) hinausgeht. Entscheidend ist dabei neben der Kenntnis einschlägiger Rechercheinstrumente und ihrer recherchierbaren Inhalte auch das Wissen um die jeweils spezifischen Möglichkeiten und Grenzen im Rechercheprozess. Forschende zu Belarus, Russland und der Ukraine sollten hier vor allem die jeweilige Datenlage hinsichtlich der kyrillischen Originalschrift und unterschiedlicher Transliterationen im Blick haben, um die gewünschten Suchergebnisse zu erzielen.

Den Überblick gewinnen: Portale und Metakataloge

Angesichts der nahezu unüberschaubar wachsenden Zahl an elektronisch aufbereiteten und originär elektronischen Materialien sowie der Vielfalt an Rechercheangeboten stellen spezialisierte wissenschaftliche Internetportale, die einen Überblick und zentralen Zugriff bieten, einen wichtigen Orientierungspunkt für die Suche nach Fachliteratur und sonstigen Forschungsmaterialien dar. Als über Deutschland und den deutschsprachigen Raum hinaus wichtigste Gattung solcher Forschungsportale können die Fach- und Regionalportale der DFG-geförderten Fachinformationsdienste gelten, die seit 2014 sukzessive die vormaligen „Virtuellen Fachbibliotheken“ abgelöst haben. Sie bieten neben spezialisierten Recherchesystemen oftmals auch Publikationsdienste, Angebote zum Forschungsdatenmanagement und vieles mehr.

Für die multidisziplinären Osteuropastudien bietet seit 2018 das Forschungsportal osmikon in Nachfolge der ViFaOst einen zentralen Zugriffspunkt zu maßgeschneiderten Services für Studium, Forschung und Lehre. osmikon ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bayerischen Staatsbibliothek als Trägerin des FID Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa und mittlerweile fünf weiteren einschlägigen Institutionen: den bereits erwähnten Forschungsinstituten GWZO und IOS in Leipzig bzw. Regensburg, dem Collegium Carolinum (CC) in München, dem Marburger Herder Institut für historische Ostmitteleuropaforschung (HI) und der Österreichischen Nationalbibliothek. Als fächerübergreifendes Regionalportal bündelt osmikon das breite Angebotsportfolio des FID für ein großes Spektrum der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung zur Region[25], weist aufgrund der weiteren Trägerinstitutionen jedoch durchaus einen inhaltlichen Schwerpunkt für die Osteuropäische Geschichte auf. Eine auf den Bedarf der Osteuropaforschung spezialisierte Rechercheinfrastruktur gehört zu den Kernangeboten des Portals: Mit osmikon.search steht Nutzer*innen ein inhaltlich wie auch funktional maßgeschneiderter Metakatalog zur Verfügung, in dem sich mittlerweile knapp vierzig für die Osteuropaforschung einschlägige Bibliothekskataloge, Bibliografien, Spezialdatenbanken, Repositorien und andere Datenquellen parallel durchsuchen lassen. Nutzer*innen haben hier die Möglichkeit, mit nur einer Suchanfrage auf über zwanzig Millionen Titel aus nationalen und internationalen Beständen zuzugreifen, häufig direkt in elektronischer Form.[27] Neben gängigen Filtermöglichkeiten und einer integrierten Volltextsuche erleichtern eigens für den Bedarf der Osteuropaforschung entwickelte Tools die Recherche in dem großen und heterogenen Datenpool. So steht etwa ein Transliterationstool für die parallele Eingabe kyrillischer und transliterierter Suchbegriffe zur Verfügung; für einen wachsenden Teil der recherchierbaren Daten erfolgt die Transliteration gar automatisiert über eine entsprechende Expansion des Suchindex.

Ist ein historisches Thema geografisch an der Schnittstelle zu Nachbarregionen des östlichen Europa angesiedelt, so kann die ergänzende Nutzung weiterer Fach- oder Regionalportale sinnvoll sein. Zu nennen sind hier insbesondere die vifanord für den skandinavischen Raum, historicum.net für die Geschichte des deutschsprachigen Raums, Menalib für den Vorderen Orient und CrossAsia für den asiatischen Raum. Insbesondere für die Geschichte der Deutschen im östlichen Europa bietet zudem der Verbundkatalog östliches Europa einen übergeordneten Einstieg zu den Beständen von über dreißig kleineren Spezialbibliotheken und Kulturinstitutionen.

Für eine großflächige internationale Literaturrecherche eignen sich schließlich auch die gängigen Meta-Suchmaschinen. Internationale Bibliotheksbestände zur Geschichte Belarus‘, Russlands und der Ukraine lassen sich im Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK), in der Europeana und im WorldCat recherchieren. Die Bielefeld Academic Search Engine (BASE) bietet zentralen Zugriff auf die digitalen Inhalte wissenschaftlicher Dokumentenserver weltweit und zählt unter ihren Datenlieferanten auch eine beachtliche Zahl an belarusischen, russischen und ukrainischen Repositorien und Institutionen.[37] Technische Unterstützung für die parallele Suche in lateinischer und kyrillischer Schrift ist in allen vier Fällen jedoch nicht gegeben.[38]

Vertieft recherchieren: Bibliothekskataloge und Spezialdatenbanken

Je nach Rechercheziel bietet es sich an, ergänzend zu Regional- oder Fachportalen mit Metakatalogen auch gezielt einzelne Bibliothekskataloge und Spezialdatenbanken mit Osteuropa-Schwerpunkt für die wissenschaftliche Recherche zu nutzen. Das gilt vor allem für Angebote, die (noch) nicht über Metakataloge erreichbar sind. Eine zusätzliche Recherche in einzelnen Datenbanken kann aber auch deshalb sinnvoll sein, weil diese häufig eine gezielt für sie optimierte Suchumgebung anbieten. Während der Vorteil von Metakatalogen also vor allem in der Größe des recherchierbaren Datenpools liegt, bieten Einzelkataloge oft den Bonus der besten Recherchebedingungen für ihre individuellen Inhalte.

Der im deutschsprachigen Raum umfangreichste Bibliothekskatalog zur Geschichte des östlichen Osteuropa ist der OPAC der BSB (BSB DISCOVER!), die nicht nur über reiche Altbestände verfügt, sondern seit der Nachkriegszeit als Referenzbibliothek für das gesamte östliche Europa fungiert. Im Rahmen der bis 2015 von der DFG geförderten Sondersammelgebiete und des jetzigen FID Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa erwirbt die BSB in großem Umfang weltweit Forschungsliteratur unter anderem zur Geschichte Belarus‘, Russlands und der Ukraine. Darüber hinaus stehen rund 80.000 Bände der Osteuropasammlung der BSB mittlerweile digitalisiert im Open Access zur Verfügung, davon 60.000 als durchsuchbare Volltexte. Für alle Neuzugänge zur Osteuropäischen Geschichte bietet der Katalog seit 2006 digitalisierte Inhaltsverzeichnisse und Abstracts; seit 2014 auch Literaturverzeichnisse, Personen- und Sachregister.[40]

Vor allem wegen des reichen Altbestandes der Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) ist für die Geschichtsforschung zu Belarus, Russland und der Ukraine auch die Nutzung des StabiKat zu empfehlen.[42]

Mit Blick auf Spezialbestände bieten sich zudem die Kataloge des Wissenschaftszentrums Ost- und Südosteuropa Regensburg (unter anderem Geschichte des Ostrechts), der FSO (Bibliothek bzw. Archiv, unter anderem Selbstverlagserzeugnisse sowjetischer Dissidenten) und der SUB Göttingen (Sibirica) an. Für intensive Recherchen sollten zusätzlich die Kataloge der jeweiligen Nationalbibliotheken, Akademiebibliotheken oder historischer Fachbibliotheken[47] des betreffenden Landes genutzt werden, die nur zum Teil in die zuvor genannten Metakataloge (osmikon.search, KVK, The European Library, WorldCat) integriert sind.

Einen guten Überblick über Spezialdatenbanken zum östlichen Europa bietet der Materialien-Guide im Forschungsportal osmikon. Elektronische Fachbibliografien, wie sie vor allem in den 1990er- und 2000er-Jahren entstanden, haben zuletzt an Bedeutung verloren und werden häufig nicht mehr aktualisiert.[49] Stattdessen wächst das Angebot an Datenbanken, die sich in Inhalt und Suchfunktionalitäten auf eine bestimmte Medienart fokussieren. Ein nennenswertes Beispiel ist das Kartenportal GeoPortOst des IOS, das digitalen Zugriff auf mehr als 3.000 „versteckte“, meist thematische Karten – entnommen aus Publikationen zu Ost- und Südosteuropa – bietet und sie mit ihren Geodaten und ihrem Quellkontext zu einem System für historische Rauminformation verbindet. Für die Suche nach Aufsätzen zum östlichen Europa entsteht seit 2016 im Verbund einschlägiger Forschungsbibliotheken die Aufsatzdatenbank ARTOS, die fortlaufend die unselbständigen Publikationen aus mehreren hundert Fachzeitschriften – größtenteils zur Geschichte der Länder – verzeichnet. Der angeschlossene ARTOS AboService bietet die Möglichkeit, sich regelmäßig per E-Mail über neue Aufsätze und Rezensionen zu einem definierten Interessensgebiet oder auf Basis einer bestimmten Zeitschriftenauswahl informieren zu lassen.

Recherchemöglichkeiten finden: Suchmaschinen, Webressourcen-Kataloge und mehr

Mit der wachsenden Zahl an digitalen Angeboten für Studium, Forschung und Lehre spielt nicht zuletzt die Suche nach geeigneten Datenbanken für ein bestimmtes Rechercheziel eine immer wichtigere Rolle. Auch das Recherchieren nach Websites als Quelle der historischen Forschung gewinnt an Bedeutung. In beiden Fällen sind Google und vergleichbare Suchmaschinen oft die erste Wahl vieler Nutzer*innen. Für den osteuropäischen Raum spielt zudem die russische Suchmaschine Yandex.ru eine führende Rolle, insbesondere in Russland und Belarus, zuletzt sehr viel weniger in der Ukraine. Für Recherchen in kyrillischer Schrift bietet Yandex durchaus einen Qualitätsvorsprung gegenüber den westlichen Alternativen. Analog ist Google Scholar als Suchmaschine für westliche Publikationen der Osteuropaforschung gut ausgebaut, wohingegen osteuropäische Publikationen nach wie vor relativ schwach vertreten sind. Tools zur automatischen Transliteration, die Suchen in kyrillischer Schrift und transliterierter Form zeitgleich ermöglichen würden, gibt es bislang nicht.

Auch für die Suche nach Webangeboten ist es deshalb zu empfehlen, bibliothekarische Rechercheinstrumente heranzuziehen. Eine wichtige Anlaufstelle bietet das Datenbank-Infosystem (DBIS), das für alle Wissenschaftsdisziplinen speziell solche Datenbanken verzeichnet, deren Inhalte über eine Suchfunktionalität durchsucht werden können. Osteuropahistoriker*innen werden unter den knapp 3.000 für die Geschichtswissenschaft verzeichneten Datenbanken am schnellsten fündig, wenn sie die fachliche Auswahl mit entsprechenden geografischen Schlagwörtern kombinieren.

Mit OstNet steht Osteuropaforschenden darüber hinaus ein eigener Katalog für wissenschaftsrelevante Internetressourcen zur Verfügung. Hier lassen sich neben Datenbanken zum Beispiel auch institutionelle Websites, Blogs oder Digital-Humanities-Projekte zu einem bestimmten Thema oder Land recherchieren. Von den rund 22.000 in OstNet verzeichneten Webangeboten betreffen knapp 4.000 allein die Geschichte Belarus‘, Russlands und der Ukraine. Ein Browsing-Einstieg ermöglicht ein einfaches Stöbern. Websites, für die eine Genehmigung vorliegt, werden in regelmäßigen Abständen (Zeitschnitten) langzeitarchiviert und über den OPAC der BSB als „Archiv von: …“ bereitgestellt. Dank der erfassten Zeitschnitte bieten sich derartige Webarchive besonders der historischen Osteuropaforschung als Quellenmaterial an.

2.2 Quellen

Wie andernorts werden auch in Belarus, Russland und der Ukraine digitalisierte und genuin digitale Quellen von den einschlägigen Gedächtnisinstitutionen für Forschende bereitgestellt, erfreulicherweise zumeist im freien Zugriff (Open Access), und in wachsender Zahl. Im Folgenden werden solche digital zugänglichen Quellen vorgestellt, die von staatlichen Einrichtungen wie Archiven, Bibliotheken und Museen in den drei Ländern bereitgestellt werden, sowie von lokalen Nichtregierungsorganisationen oder (westlichen) Forschungseinrichtungen und Verlagen. Als Quellen werden dabei Archivalien staatlicher und nichtstaatlicher Provenienz, retrodigitalisierte Buch- und Zeitschriftenbestände, Forschungsdaten sowie speziellere Materialien wie Statistiken oder Ego-Dokumente verstanden.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass in Russland und der Ukraine weitaus mehr Quellen digital vorliegen als dies in Belarus der Fall ist. Für alle ukrainischen Angebote ist zudem anzumerken, dass diese zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Guides im Frühjahr 2023 aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine und auch deren zivile Infrastruktur oft nur schlecht über das Internet zu erreichen waren.

Belarus

In Belarus bietet das Nationalarchiv lediglich einige digitalisierte Findbücher zum Download an (etwa zu Beständen der Kommunistischen Partei von Belarus) sowie eine Suchanwendung für Archivbestände in ganz Belarus, nicht jedoch digitalisierte Quellen selbst. Auch die Bestände belarusischer Museen wurden bislang kaum digitalisiert, sodass deren Exponate und Dokumente weiterhin nur vor Ort zugänglich sind. In umfangreicherem Maße werden digitalisierte Materialien lediglich von den bedeutenden belarusischen Bibliotheken angeboten. Vor allem die Belarusische Nationalbibliothek verfügt über retrodigitalisierte Bestände, insbesondere aus dem 14. bis 18. Jahrhundert, hinzu kommen Sammlungen neueren Datums wie Belarusian literary heritage. Journals 1919–1939. Daneben bietet die Nationalbibliothek eine Reihe von Datenbanken mit Informationen zu Geschichte, Kultur und Persönlichkeiten des Landes an, die Quellencharakter haben. Auch die Wissenschaftliche Zentralbibliothek Yakub Kolas der Belarusischen Akademie der Wissenschaften betreibt ein Repositorium, welches einige digitalisierte Handschriften, Inkunabeln und seltene Drucke enthält. Hinzu kommt die Belarusische Präsidentenbibliothek, die ebenfalls eine überschaubare Zahl an Buchtiteln retrodigitalisiert hat. Darüber hinaus bietet der US-amerikanische Informationsspezialist EastView eine Reihe digitaler Quellensammlungen zu Belarus, die in Deutschland über DBIS als Nationallizenz zugänglich sind, etwa zum antifaschistischen Widerstand im Zweiten Weltkrieg sowie mit Ephemera zu Präsidentschafts- und Parlamentswahlen seit 2010.

Russland

Forschende, die sich mit Russland beschäftigen, können verglichen mit Belarus von einer Vielzahl online frei zugänglicher Quellen profitieren.[62] Das Portal Archivy Rossii bietet einen gut nutzbaren Einstieg in die Archivlandschaft des Landes. Die Föderale Agentur für Archive hat in den vergangenen Jahren eine Reihe thematisch definierter Digitalisierungsprojekte durchgeführt, etwa zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, zur Krim, zum Zweiten Weltkrieg selbst oder mit Dokumenten der „sowjetischen Epoche“. Es ist unschwer zu erkennen, dass mit dem inhaltlichen Fokus der digital einfach erreichbaren Quellen auch eine bestimmte, politisch gewollte Sichtweise auf die russische Geschichte gefördert werden soll. Die größeren staatlichen Archive wie das Staatliche Archiv der Russischen Föderation (GARF) oder das Russische Staatliche Archiv für Neuere Geschichte (RGANI) stellen Fondbeschreibungen und Findbücher online. Archivalien wurden dort bislang jedoch nur für ausgewählte Bestände digitalisiert und öffentlich zur Verfügung gestellt, etwa vom GARF zur Geschichte der Romanovs oder zum 100. Jubiläum der Revolution von 1917 in Russland.

Nichtstaatliche Archive und Einrichtungen haben es in Russland zunehmend schwer, wie die erzwungene Auflösung von Memorial International im Jahr 2022 zeigt. Die Organisation hatte insbesondere zur sowjetischen Geschichte und zum Großen Terror unter Stalin viele Dokumente zusammengetragen und online zugänglich gemacht – diese Tätigkeit wurde aufgrund der Schließung durch den russischen Staat beendet. Bei den bislang veröffentlichten Daten und digitalisierten Quellen etwa zum Gulag-System ist es daher offen, wie lange diese noch erreichbar sein werden.

Ansonsten spielen gerade in Russland gedruckte Quelleneditionen in Buchform weiterhin eine große Rolle.

Von den großen nationalen Museen bieten mittlerweile viele digitale Kopien ihrer Exponate und weiteren Bestände online an, etwa das Staatliche Museum für Geschichte, das Russische Ethnographische Museum oder das Staatliche Geschichtsmuseum St. Petersburg. Kleinere Museen in den Metropolen und den russischen Regionen haben zwar zum Teil ebenfalls Materialien digitalisiert, etwa das Moskauer Stadtmuseum mit interessanten Quellen zum 2. Weltkrieg. Die Qualität der technischen Bereitstellung entspricht jedoch nicht dem mittlerweile etablierten Stand der Wissenschaft und Technik, so fehlen etwa oft beschreibende Metadaten oder sinnvolle Suchfunktionen. Das russische Kulturministerium arbeitet derzeit an einem Onlinekatalog für alle staatlichen Museumssammlungen, der bereits zugänglich ist und 2026 fertiggestellt sein soll. Mit der Website Museums of Russia existiert zudem ein weiteres übergreifendes Portal, das Informationen und Inhalte wie historische Fotografien russischer Museen aggregiert und durchaus interessantes Material bieten kann. Ebenfalls Zugang zu einer Vielzahl digitalisierter historischer Fotografien bieten die Websites PastVu und Geschichte Russlands in Fotografien.

Die Kernaufgabe der Präsidentenbibliothek Boris Jelzin, Russlands dritter Nationalbibliothek, ist die Digitalisierung historischer Medien, neben Monografien, Sammelwerken und Zeitschriften auch Archivalien. Sie ist damit ein guter Anlaufpunkt für digital vorliegende Quellen. Auch die beiden anderen Nationalbibliotheken Russlands, die Russische Nationalbibliothek in St. Petersburg und die Russische Staatsbibliothek in Moskau machen große Teile ihrer Buchbestände online verfügbar. Die Russische Nationalbibliothek betreibt zudem die Nationale Elektronische Bibliothek, in welcher die digitalen Bestände einer Vielzahl russischer Bibliotheken und Museen aggregiert werden. Zusätzlich gibt es eine Reihe von elektronischen bzw. virtuellen Bibliotheken wie Lib.Ru: Maxim Moschkows Bibliothek oder die Russische Virtuelle Bibliothek, die sich mit den veröffentlichten fiktionalen und non-fiktionalen Inhalten zwar zuvorderst an Literaturwissenschaftler*innen richten, aber auch für Historiker*innen wichtige Materialien enthalten können.

Neben den großen Einrichtungen in Russland gibt es auch kleinere Projekte, die Quellen digital zur Verfügung stellen, etwa das Projekt Prozhito, das mehrere tausend Ego-Dokumenten, vor allem Tagebücher, zugänglich macht, oder das Electronic Repository of Russian Historical Statistics (RiStat) mit Wirtschaftsdaten vom 18. bis 21. Jahrhundert.

In den 1990er und 2000er Jahren wurden zudem durch die damalige Stiftung für Geisteswissenschaften kleinere Digitalisierungsprojekte wie die Audiokollektion russischer Folklore in Karelien umgesetzt. Von besonderem Interesse können Digitalisierungsprojekte wie Prozhito sein, da diese nicht von der Föderalen Agentur für Archive gesteuert werden und somit auch Materialien enthalten können, die nicht der staatlich vorgegebenen Geschichts- und Erinnerungspolitik entsprechen. Prozhito etwa enthält – noch – Tagebücher ukrainischer und belarusischer Provenienz.

Viele weitere online zugängliche Quellen finden sich in Datenbanken kommerzieller Anbieter, insbesondere der Firmen Brill und EastView. Diese haben mit ihren Angeboten wie Dokumenty Sovetskoj Épochi / Komintern, zu den bekannten sowjetischen Zeitschriften Gudok, Krokodil und Ogonek oder mit Ephemera zu russischen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen seit 1993 historisch bedeutsame Quellen und Printmaterialien digitalisiert. In der Übergangssituation der 1990er Jahre hatten russische Archive und Bibliotheken ein Interesse daran, ihre Bestände einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und arbeiteten dafür mit ressourcenstarken Verlagen insbesondere aus den USA, Großbritannien und den Niederlanden zusammen – eine Praxis, die heute nicht mehr denkbar ist.[89] Ebenso zu nennen ist in diesem Zusammenhang das Stalin Digital Archive von Yale University Press. Viele dieser kommerziellen Angebote sind durch den FID Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa für Deutschland lizenziert und können über das Nationallizenz-System genutzt werden.

Anzumerken ist, dass es vor dem Hintergrund des wiederholt schwierigen Zugangs zu osteuropäischen Archiven für ausländische Forschende von Vorteil sein wird, dass viele Archivalien auf Sekundärformen wie etwa auf Mikrofilm vorhanden sind. Beispielsweise besitzen die BSB, die Staatsbibliothek zu Berlin oder die SUB Göttingen umfangreiche mikroverfilmte Archivbestände aus osteuropäischen, amerikanischen und britischen Archiven zur Geschichte der drei Länder im 20. Jahrhundert.

Ukraine

Der Staatliche Archivservice der Ukraine betreibt ein Portal, auf dem ausgewählte und für die ukrainische Geschichte besonders bedeutende Dokumente digital verfügbar sind, wie auch Informationen zur Archivlandschaft des Landes samt Links zu den entsprechenden Einrichtungen. Insbesondere das Zentrale Staatliche Historische Archiv in Kyiv hat eine substanzielle Zahl an Archivdokumenten retrodigitalisiert, meist solche aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Die regionalen staatlichen Archive der Ukraine stellen ihrerseits Findbücher digital bereit und arbeiten an der Digitalisierung ausgewählter Fonds von großem öffentlichem Interesse, etwa zur Geschichte der Sowjetunion, hierbei ist insbesondere das Staatliche Archiv der Kyiver Region (DAKO) hervorzuheben. In der Ukraine gibt es zudem viele Archive und Institutionen außerhalb der staatlichen Archivverwaltung, die retrodigitalisierte Quellen zur Verfügung stellen. Diese Sammlungen sind thematisch im weitesten Sinne mit dem Streben der Ukraine nach nationaler Selbstständigkeit und deren Verteidigung verknüpft, sie unterstreichen diese Bemühungen durch die Bereitstellung entsprechender Bestände wie das Beispiel des Digital Archive of Ukrainian Liberation Movement oder unterschiedliche Angebote zum Holodomor zeigen. Auch mehrere Oral History-Sammlungen, unter anderem zur Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, sind vorhanden.

Im ukrainischen Museumsbereich finden sich erst wenige digitalisierte Objekte und Dokumente, wie am Beispiel des Nationalen Geschichtsmuseums ersichtlich wird, am ehesten finden sich noch retrodigitalisierte Fotografien.[95] Für Historiker*innen interessant sind zudem die Ukrainica Digital Library und die Digital Library of Historical and Cultural Heritage der Ukrainischen Nationalbibliothek Vernads‘kyj. Einen guten Zugriff auf digitalisierte ukrainische Zeitschriften bietet zudem Libraria. Ukrainian online periodicals archive.

Wie auch zu Russland gibt es zur und über die Ukraine eine Reihe von digitalen Quellensammlungen, die von Verlagen als kommerzielle Angebote verfügbar gemacht werden und durch den Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa lizenziert sind. Hierzu gehören wiederum eine Sammlung von Ephemera zu Wahlen in der Ukraine des Anbieters EastView, die Datenbanken World of Children zum Pionierlager Artek auf der Krim oder die Chernobyl Files zum Reaktorunfall im Jahr 1986.

Bei allen ukrainischen digitalen Angeboten besteht aufgrund des russischen Angriffs auf das Land die Gefahr, dass die zugrundeliegende Serverinfrastruktur zerstört wird und die Inhalte somit nicht mehr erreichbar sind oder bei fehlenden Backups sogar für immer verloren gehen. Zumindest einen Teil des digitalen kulturellen Erbes der Ukraine konnte das internationale Freiwilligenprojekt Saving Ukraine Cultural Heritage Online (SUCHO) im Jahr 2022 webarchivieren. Auch im US-amerikanischen Internet Archive wurden und werden viele ukrainische Websites fortlaufend gesichert.

Angebote mit Inhalten zu allen drei Ländern

Die genannten Angebote aus Belarus, Russland und der Ukraine enthalten vor allem Materialien, die durch eine starke nationalstaatliche Perspektive konturiert sind. Daneben existieren aber auch digitalisierte Quellen, die jenseits dieser nationalstaatlichen Logik Materialien zu der gesamten Region anbieten. Es handelt sich dabei meist um Projekte und Institutionen aus dem Ausland, insbesondere den USA, Großbritannien oder Deutschland, die ihre umfangreichen Quellenbestände, insbesondere zur Geschichte des Russischen Reichs und der Sowjetunion schrittweise digitalisieren. Zu nennen sind hier zuvorderst die Hoover Institutions und das Wilson Center in den USA, aber auch eine Reihe der dortigen Eliteuniversitäten wie etwa die Harvard University, die beispielsweise das Great Famine Project zum Holodomor betreibt. In Deutschland sind das Archiv Zwangsarbeit 1939–1945. Erinnerungen und Geschichte, der Forschungsdatendienst Oral History.digital, die 1(0)00 Schlüsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte oder die verschiedenen Projekte des Deutschen Historischen Instituts Moskau (DHI Moskau) zu nennen. Manche kommerziellen Angebote mit digitalisierten Quellen wie das Visual History Archive, Cold War Intelligence oder First World War beinhalten zudem auch relevante Bestände aus bzw. zu Belarus, Russland sowie der Ukraine. Die meisten dieser, im Rahmen von Forschungsprojekten in westlichen Staaten und durch Verlage entstandenen, digitalen Quellensammlungen lassen sich über das Datenbank-Informationssystem (DBIS) recherchieren. Informationen zu historischen und kulturhistorischen Museen in den drei Staaten sowie im Ausland lassen sich gut mit Hilfe von OstNet ermitteln.

Daneben wurden mittlerweile große Teile der urheberrechtsfreien Bestände von westlichen Bibliotheken mit einschlägigen Osteuropasammlungen digitalisiert und sind frei im Internet verfügbar. Neben den genannten Staatsbibliotheken in Berlin und München sind hier unter anderem die British Library und die Österreichische Nationalbibliothek zu nennen.

Einen umfassenden Zugang zu digital frei verfügbaren Quellen auch zu Belarus, Russland und der Ukraine bieten Plattformen wie die Europeana, die openlibrary.org des Internet Archives oder Hathi Trust, die Materialien aus verschiedensten Kultureinrichtungen weltweit aggregieren.

Forschungsdaten

Für Historiker*innen relevante Forschungsdaten, wie sie hierzulande in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen haben – im engeren Sinne also Daten, die auf Grundlage wissenschaftlicher Methoden neu gesammelt, erzeugt, entwickelt, beschrieben und/oder ausgewertet sowie angemessen dokumentiert werden[115] – liegen in Belarus, Russland und der Ukraine erst in sehr geringer Zahl vor. In den drei Staaten selbst werden keine für die Geschichtswissenschaften einschlägigen Forschungsdateninfrastrukturen betrieben und Forschungsdaten sind, wenn überhaupt, lediglich im Rahmen von Open-Access-Repositorien einzelner Universitäten veröffentlicht worden. Umfangreichere Forschungsdatenbestände zu den drei Staaten befinden sich im Dataverse der Harvard University, daneben sind an US-amerikanischen und europäischen Forschungseinrichtungen eine Reihe von Repositorien vorhanden, die Daten insbesondere sozialwissenschaftlicher Prägung zu den drei Ländern vorhalten und die teilweise auch für die historische Forschung von Interesse sein können. In Deutschland gibt es mit dem Forschungsdatendienst OstData ein Angebot, das sich dezidiert an Osteuropahistoriker*innen (und andere Osteuropaforschende) wendet. Auch die bereits erwähnten Dienste Oral History.digital und Discuss Data enthalten Forschungsdaten mit Bezug zu den drei Staaten, allerdings vor allem sozial- und kulturwissenschaftlicher Provenienz.

2.3 Digitales Publizieren

Der Bereich des Digitalen bzw. Elektronischen Publizierens, also des „öffentlich Machens“ mit Mitteln der digitalen Informationstechnik,[120] hat zuletzt weltweit in den Osteuropastudien einen deutlichen Zuwachs erlebt. Entgegen einer zunächst verbreiteten Skepsis gegenüber der wissenschaftlichen Qualität von E-Publikationen wächst mit der Anzahl an Digital-Humanities-Projekten beständig auch die Akzeptanz, wissenschaftliche Inhalte auf elektronischem Wege zu vermitteln. Die Vorteile liegen auf der Hand: Digitale Veröffentlichungen können weniger aufwendig und rascher publiziert werden als Druckwerke. Sie bieten bessere Nutzungsmöglichkeiten (z.B. durchsuchbare Volltexte, Links) und vielfach aufgrund direkter, zeit- und ortsunabhängiger Zugriffsmöglichkeiten auch eine größere weltweite Sichtbarkeit der Forschenden im Kontext ihrer Arbeit. Das elektronische Publizieren im Bereich der Osteuropäischen Geschichte unterscheidet sich da kaum von dem in anderen textbasierten Geisteswissenschaften, nimmt man einmal die klassischen disziplinspezifischen Anforderungen wie etwa den Umgang mit einschlägigen Schriftsystemen (z.B. kyrillisches, griechisches oder hebräisches Alphabet), Transliterations- bzw. Transkriptionssystemen, Sonderzeichen etc. aus.

Wer elektronisch publizieren will, sieht sich vielen grundsätzlichen Fragen gegenüber, die zwar nicht komplizierter sind als im Printbereich, aber dennoch vielfältig: Wird das Werk kostenpflichtig oder im weltweit über das Internet freien Zugriff (Open Access) angeboten – und sei es erst nach Ablauf einer Embargofrist (Moving Wall)?[121] Handelt es sich um eine ausschließlich elektronische Publikation (e-only) oder wird das Werk parallel auch gedruckt (hybrid)? Wer darf, abhängig vom Verbleib der Verwertungsrechte, darüber entscheiden, wie die Ressource zugänglich sein wird?[122] Wie sollen mit Blick auf potentielle Leser*innen gegebenenfalls Nutzungsbedingungen – beispielsweise der Ausschluss einer kommerziellen Verwendung durch Dritte – definiert werden?[123] Hilfestellung bei derlei teils komplexen Fragen geben inzwischen zahlreiche allgemeine Informationsangebote zum elektronischen Publizieren; im Fachkontext der Osteuropastudien unterstützt der Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa.[124]

Für die Literaturrezeption in den deutschen Osteuropastudien gilt, was die DFG allgemein für die Geisteswissenschaften konstatiert hat: Ungeachtet einer „ausgeprägten […] Zeitschriftenkultur“ kommt „der klassischen Monographie […] nach wie vor eine herausragende Rolle“ zu.[125] Hier unterscheiden sich mindestens im Anspruch an das Medium die digital verfügbaren Werke nicht von den gedruckten. Ungeachtet dessen ist das über das Internet verfügbare Ressourcenangebot inzwischen sehr groß, spiegelt den Printbereich in der digitalen Welt und geht mit innovativen Publikationsformen wie Themendossiers, Podcasts, multimedialen Formaten usw. sogar weit darüber hinaus.[126] Die Zahl der Plattformen, die elektronische Publikationen zu Belarus, Russland und der Ukraine anbieten, ist heute kaum mehr zu überschauen; die bereitstellenden Akteur*innen sind so mannigfaltig wie die Rahmenbedingungen.

Nicht zuletzt das Verlagswesen, einst glühender Gegner des digitalen Publizierens, hat sich im letzten Jahrzehnt dem neuen Verkaufssegment E-Book weit geöffnet. In westlichen Ländern bieten inzwischen zahlreiche größere Verlagshäuser wie Routledge, BRILL (u.a. mit Vandenhoeck & Ruprecht, Böhlau) oder De Gruyter mit Osteuropa-Titeln im Rahmen ihres gesamten Verlagsangebots oder über eigene e-Libraries Veröffentlichungen an, die e-only oder zusätzlich als Druck entstanden sind. Neben kostenpflichtigen Werken, die gekauft oder von Bibliotheken, Fachinformationsdiensten oder Konsortien lizenziert werden können, finden sich hier auch einzelne Open-Access-Monografien. Der freie Zugriff durch beliebige Interessierte wird dabei in der Regel über eine Publikationsgebühr ermöglicht, die der Verlag vorab anstelle des späteren Kauf-/Lizenzpreises erhält.[127]

Auch die Mehrzahl einschlägiger Forschungsinstitute informiert inzwischen auf ihren jeweiligen Websites über eigene kommerzielle digitale Reihen, die über den Buchhandel erhältlich und entsprechend verlinkt sind. Zusätzlich bieten viele Einrichtungen auch direkt elektronische Parallelversionen zum gedruckten Band im Open Access an; teils handelt es sich um gänzlich außerhalb des Verlagswesens entstandene digitale Titel der „Grauen Literatur“.[128] Kleinschrifttum, Projektberichte oder Serien wie die Länder-Analysen zu Belarus, Russland oder der Ukraine werden besonders häufig auf diesem Wege publik gemacht, den auch einzelne Wissenschaftler*innen auf ihren privaten Homepages nutzen. Der Vorteil liegt darin, dass die Werke frei von externen Vorgaben für jede und jeden frei nutzbar veröffentlicht werden können. Nachteilig ist dagegen, dass die Medien in der Regel nicht in Katalogen erfasst sind. Die thematische Recherche ist dann oft abhängig vom Zufallsfund. Auch sind die Werke in der Regel kaum gegen Verlust geschützt.

Vor allem an Hochschulen, weniger an einschlägigen Forschungsinstituten, sind daher weltweit in den letzten Jahren zahlreiche „Institutionelle Repositorien“ als professionelle Infrastruktur für das elektronische Publizieren entstanden.[129] Das Angebot dieser Dokumentenserver beschränkt sich auf die im Kontext der Einrichtung entstandenen wissenschaftlichen Arbeiten, die verfügbar gehalten werden. Dabei handelt es sich um Open-Access-Erstveröffentlichungen (goldener Weg) oder -Zweitpublikationen nach Erscheinen einer Printfassung (grüner Weg). Der Sucheinstieg orientiert sich meist an den größeren, an der Einrichtung vertretenen Disziplinen wie z.B. der Geschichtswissenschaft allgemein. Obwohl die Publikationen über umfangreiche Beschreibungsdaten verfügen, sind Werke zu Regionen wie dem östlichen Osteuropa daher teils nur schwer aufzufinden. An diesem Manko setzt das Fachrepositorium Osteuropa-Dokumente online (kurz: OstDok) an, das inzwischen mehr als zwölf Jahre Erfahrung im elektronischen Publizieren aufweist.

OstDok ist die zentrale Recherche- und Publikationsplattform für elektronische Volltexte der deutschen Osteuropastudien. Mit ihrem inhaltlichen Profil in Kombination mit fachspezifischen Werkzeugen (z.B. virtuelle Tastatur für osteuropäische Sprachen, Transliterations-Hilfe) kann sie weltweit als einzigartig gelten. Die enthaltenen Titel lassen sich allesamt im Open Access nutzen und im Text durchsuchen. Die Plattform bietet allein rund 20.000 e-Publikationen zur belarusischen, russischen und ukrainischen Geschichte (über 60.000 Titel insgesamt), darunter Monografien, monografische Reihen, Sammel- oder Zeitschriftenbände. Dass das Repositorium neben Quellen und neuerer auch umfangreich ältere Sekundärliteratur bereithält, die ihrerseits Quellencharakter hat, garantiert eine insgesamt sehr gute Nutzung. Autor*innen, Herausgeber*innen, Institute, Verlage und andere Rechteinhaber*innen können so wiederum von einer sehr guten Rezeption ihres eingebrachten Beitrags ausgehen.[131]

Erstpublikationen erscheinen auf OstDok nach entsprechender positiver Begutachtung (Peer-Review) in Digitalen Reihen. Bände der Reihe DigiOst erscheinen dabei parallel gedruckt. Reihen oder Sammlungen von Forschungsinstituten werden dagegen im Kontext der jeweiligen Einrichtung als Zweitpublikationen präsentiert.[132] Vielfach handelt es sich dabei um „Graue Literatur“, die der Fachwelt erstmals systematisch zugänglich gemacht wird, weil die Titel nach bibliothekarischen Standards thematisch recherchierbar gemacht und zudem langfristig archiviert werden. Darüber hinaus unterstützt der Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa gezielt die Transformation von Printzeitschriften in elektronische Form. Dieser Trend – der Umstieg von gedruckten Osteuropa-Fachzeitschriften auf eine hybride Kombination aus Print- und elektronischer Open-Access-Ausgabe nach Ablauf einer Moving Wall – lässt sich inzwischen verstärkt feststellen. Das zeigen etwa die Beispiele der Jahrbücher für Geschichte Osteuropas oder der Zeitschrift Osteuropa. Neu gegründete Zeitschriften entstehen vielfach aber auch direkt e-only und frei zugänglich.

In Belarus, Russland und der Ukraine hat das Digitale Publizieren eine Tradition, die letztlich weiter zurückreicht als in vielen westlichen Staaten.[133] In allen drei Ländern ist durch umfangreiche Digitalisierungsaktivitäten ein enormer Bestand an Quellen und Forschungsliteratur entstanden, zugänglich zumeist über die Repositorien großer Bibliotheken. In Russland wurde 2007 mit der Präsidentenbibliothek Boris Jelzin gar eine rein digitale Nationalbibliothek gegründet, deren Kernaufgabe das Digitalisieren und Anbieten historischer Medien ist. Mit größerer Systematik als im westlichen Europa werden Graduierungsschriften, Handbücher oder Lexika wie die vielbändige Encyklopedija sučasnoï Ukraïny (parallel) digital publiziert.[135] Die Repositorien der Nationalakademien oder Hochschulen weisen heute vielfach überaus beachtliche Bestandsgrößen an Erst- und Zweitpublikationen auf, die für die jeweils nationale Geschichtsschreibung relevant sind. So umfasst das Repositorium der Belarusischen Staatsuniversität Minsk allein für die (überwiegend belarusische) Geschichte rund 10.000 frei zugängliche Publikationen verschiedenster Art.[136] Eine bedeutende Rolle kommt auch den E-Zeitschriften im östlichen Osteuropa zu.[137] In den vergangenen Jahren ist eine Vielzahl an Periodika von der Druckversion auf Open Access umgestellt oder digital neu gegründet worden.[138] Im wissenschaftlichen Verlagswesen spielen E-Books dagegen noch eine eher nachgeordnete Rolle im Vergleich mit gedruckten Monographien.[139]

In jüngerer Zeit rückt hinsichtlich des digitalen Publikationswesens im östlichen Osteuropa – getrieben durch Zensurtendenzen und den Ukrainekrieg – aber die Frage nach der dauerhaften Verfügbarkeit von e-Versionen sehr stark in den Fokus. Mit Blick auf Zensurvorgaben, aber auch auf kriegsbedingte, technische oder allgemein organisatorische Mängel wird man künftig stärker fragen müssen, welche einmal frei zugänglichen Medien warum der internationalen Wissensgemeinschaft wieder entzogen wurden.[140] Das lehrt auch das prominente Beispiel der letzten unabhängigen russischen Tageszeitung Novaja Gazeta, einer wichtigen auch historischen Quelle; ihr wurde inzwischen vom russischen Staat die Druck- und Webseitenlizenz entzogen. Wie lässt sich dem Informationsverlust vorbeugen?[141] Und, freilich zugespitzt: Wo können politisch unliebsame Manuskripte alternative Publikationswege beispielsweise im Ausland finden?

2.4 Lehre – E-Learning

E-Learning-Formate wie Online-Kurse oder Tutorials haben im Zuge der COVID-19-Pandemie insgesamt einen großen Aufschwung erfahren, sich jedoch in vielen Disziplinen nicht langfristig als Alternative zur universitären Lehre vor Ort etabliert. In der deutschen Osteuropaforschung sind sie weit weniger verbreitet als dies etwa in den allgemeinen Digital Humanities oder der Informatik der Fall ist.[142] Auf Online-Learning-Plattformen für Massive Open Online Courses (MOOCs) wie Coursera finden sich bislang nur wenige Kurse zur Einführung in die russische oder ukrainische Geschichte, meist englischsprachig von US-amerikanischen Historiker*innen.[143] Einige Museen wie das Museum Berlin-Karlshorst bieten Online-Guides zum E-Learning über die deutsch-russische Geschichte an.[144] Doch abgesehen davon gibt es bislang nur wenige thematisch explizit auf die Osteuropäische Geschichte ausgerichtete und nachhaltig betriebene E-Learning-Angebote. Ausgelöst durch den russischen Angriff auf die Ukraine lässt sich ein neuer Trend hin zu mehr Online-Formaten erkennen, mit denen Osteuropa-Expert*innen die Absicht verbinden, die Aufmerksamkeit eines breiteren öffentlichen Publikums zu gewinnen. So entstehen vor allem zur ukrainischen Geschichte zuletzt vermehrt Online-Vorlesungen und Podcasts – jedoch eher punktuell in Eigeninitiative einzelner Lehrender denn systematisch von der Fachcommunity oder einzelnen Institutionen vorangetrieben.[145] Der im April 2023 auf copernico.eu veröffentlichte E-Learning-Kurs „Die Ukraine. Geschichte und Gegenwart eines europäischen Staates“ führt erstmals in diesem Bereich die Kompetenz von wichtigen Einrichtungen der Osteuropaforschung wie dem GWZO, dem IOS und dem HI zusammen und kann als nachahmenswertes Beispiel für die gesamte Disziplin gelten.

Als Einstieg und Weiterbildung im Bereich der Informationskompetenz bietet der Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa seit 2020 eine Reihe von Tutorials an, die Hintergrundwissen zur Bibliotheksinfrastruktur und vertiefende Informationen für die wissenschaftliche Recherche vermitteln sowie wichtige Services für die Osteuropastudien vorstellen.[148]

2.5 Kommunikation

Mailinglisten, Blogs und Social-Media-Formate nehmen in der Osteuropaforschung eine wichtige Stellung ein, sowohl für die wissenschaftliche Diskussion und Publikation als auch als Informationsquelle. Letzteres gilt insbesondere für Länder mit eingeschränkter Pressefreiheit. Die seit längerem etablierten Mailinglisten haben ihre Bedeutung für die fachliche Diskussion zunehmend zugunsten von Social-Media-Anwendungen verloren und übernehmen mittlerweile eher die Rolle von Newslettern. Wichtige Listen sind seit vielen Jahren die H-Net-Angebote wie H-Russia, H-EarlySlavic, H-Soyuz oder H-Ukraine. Auch einige thematische H-Net-Listen sind für Osteuropahistoriker*innen von Interesse, so zum Beispiel H-Nationalism. Die H-Net-Listen sind von amerikanischen Wissenschaftler*innen dominiert, weisen teils eine nicht geringe osteuropäische Beteiligung auf, die westeuropäische Rezeption dagegen ist eher passiv. Für den deutschsprachigen Raum ist die regional weit gefasste Mailingliste H-Soz-Kult auch für die Geschichte des östlichen Europas die wichtigste. Die Mailingliste der Jungen Osteuropa-Expert*innen (JOE-List) hat einen spezifisch regionalen Fokus, versteht sich als fachliches Netzwerk mit immer noch 12.000 Abonnent*innen und wird von der DGO unterstützt.

Blogs haben sich auch in der deutschen Osteuropaforschung als Teil der Wissenschaftskommunikation etabliert, vor allem mit einem berichtenden Charakter. Wissenschaftliche Institutionen nutzen sie, um zu aktuellen Themen ihres Forschungsgebiets fundiert Stellung zu nehmen. Ein gutes Beispiel dafür, ist der ostBLOG des Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS). Auch verschiedene Forschungsgruppen und Forschungsprojekte nutzen Blogs, um über ihre Themen und Forschungszwischenergebnisse zu berichten. Viele dieser Blogs sind unter dem Dach der geisteswissenschaftlichen Blog-Plattform hypotheses.org vereint. Das gilt beispielsweise auch für TrafoBlog for Transnational Research, der zwar regional einen weiter gefassten Fokus hat, aber auch ein monatliches Online-Seminar unter dem Titel „Rethinking East European Studies in Times of Upheaval“ anbietet.

Twitter wird in der Osteuropaforschung in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, insbesondere den angelsächsischen, mittlerweile sehr viel genutzt; neben Forschenden haben auch nahezu alle relevanten Fachverbände, Universitäten, Forschungsinstitute und Publikationsorgane einen Account. Auch der Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa twittert seit 2021, wird breit rezipiert und bietet mit seinen kuratierten Listen die Möglichkeit, schnell relevanten Personen und Institutionen im Bereich der Osteuropaforschung zu folgen. Mit dem Besitzerwechsel des Unternehmens Twitter im Jahr 2022 nimmt die Bedeutung der alternativen Plattform Mastodon zu, auch dort ist beispielsweise der Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa mittlerweile vertreten.

Vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie hat die Zahl der von Osteuropaforschenden produzierten Podcasts rasch zugenommen und durch den Krieg in der Ukraine noch einmal einen Schub erhalten. Beispiele für solche breit rezipierten Formate der Wissenschaftskommunikation sind etwa der Podcast „2historyków1mikrofon“ der beiden polnischen Historiker Krzysztof Ruchniewicz und Przemysław Wiszewski[149] oder das Programm „Ostausschuss“[150]. Neben den von Forschenden produzierten Podcasts gibt es auch solche von Institutionen, insbesondere das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) ist hier mit dem Roundtable Osteuropa zu nennen. Daneben gibt es auch von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und vom Zentrum für Zeithistorische Forschung regelmäßig Podcast-Folgen, die sich mit Belarus, Russland und der Ukraine beschäftigen und einen allgemein zugänglichen Einblick in aktuelle Forschungsthemen und Wissenschaftsdiskussionen geben.

3. Resümee und Ausblick

In den vergangenen zehn Jahren ist ein breiter digitaler Datenbestand im und zum östlichen Osteuropa entstanden, der Forschenden – teils mehr, teils weniger frei zugänglich – als Grundlage für das wissenschaftliche Arbeiten dienen kann. Die Angebote sind überaus heterogen. Sie umfassen digitale Quellen und Literatur, aber auch eine Vielzahl sehr verschiedener Services, darunter Recherche- oder Publikationsdienste, Datenbanken oder fachspezifische Tools, um nur einige Facetten zu nennen. Nach Jahren des fruchtbaren Zusammenwirkens von Ost und West in den Osteuropastudien und beim Aufbereiten der informationswissenschaftlichen Grundlagen stellen die politischen Ereignisse der Jahre 2014 und vor allem 2020/22 in Belarus, Russland und der Ukraine aktuell auch in diesen Bereichen eine Zäsur dar.

Die viel beschworene politische „Zeitenwende“ im Umgang westlicher Demokratien mit den kriegführenden oder -unterstützenden Staaten Russland und Belarus einerseits und der überfallenen Ukraine andererseits zeitigt Auswirkungen auch im Zugang zu und den Austausch von Informationen sowie dem Wissen über diese Länder. Die Anzeichen sind nicht zu übersehen: Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Zensurmaßnahmen, kriegsbedingte Zerstörung von Infrastruktur, gekappte Zugänge zu Informationsressourcen, Boykott und Protest – dies alles prägt aktuell auch das wissenschaftliche Miteinander.

Mit Blick auf Russland stellt sich beispielsweise die brennende Frage, ob bislang frei zugängliche Materialien weiterhin uneingeschränkt erreichbar sein werden oder ob sich die Verlautbarungen und Pläne von russischer Seite bewahrheiten, das russische Internet (RuNet) stärker vom globalen Netz abzukoppeln.[151] Zum Teil scheint dies bereits jetzt der Fall zu sein, wenn etwa Websites wie die der Russischen Nationalbibliothek aus manchen deutschen wissenschaftlichen Einrichtungen heraus nicht mehr erreichbar sind.[152] Bei Belarus, das im Vergleich mit Russland und der Ukraine bei der Bereitstellung von digitalen Materialien weniger gut aufgestellt ist, bleibt abzuwarten, inwieweit Digitalisierung, Bereitstellung und Austausch von Ressourcen vorangetrieben werden. Dies hängt sicher auch von der weiteren politischen Entwicklung ab, die sich an der Wegscheide in Richtung Demokratisierung oder weiterer politischer Annäherung an die Russische Föderation bewegt. Im Gegensatz dazu werden in der Ukraine Bestrebungen zur Digitalisierung von Kulturerbe nun noch energischer vorangetrieben – akut als Sicherungsmaßnahme für Kulturgüter in Form von digitalen, im Ausland gehosteten Kopien und perspektivisch als fortschreitender Prozess hin zu einer demokratischen und offenen Wissenschaftslandschaft im Sinne von Open Science. Die Aussichten bezüglich des östlichen Osteuropas sind im Jahr 2023 damit düster und hoffnungsvoll zugleich. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sie sich bewahrheiten.

Literaturhinweise

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Zernack, Klaus, Osteuropa. Eine Einführung in seine Geschichte, München 1977.

Fußnoten

  1. [1] Dahlmann, Dittmar (Hrsg.), Hundert Jahre osteuropäische Geschichte. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Stuttgart 2005.
  2. [2] Stefan Troebst bezeichnet die Entwicklung der deutschen historischen Osteuropaforschung im internationalen Vergleich als einen „Sonderweg zur Geschichtsregion“. Vgl. Troebst, Stefan, Sonderweg zur Geschichtsregion. Die Teildisziplin Osteuropäische Geschichte, in: Osteuropa, 63 (2013) 2–3, S. 55–80; zur Geschichte des Faches siehe auch Kappeler, Andreas, Osteuropäische Geschichte, in: Maurer, Michael (Hrsg.), Aufriss der historischen Wissenschaften, Bd. 2, Räume, Stuttgart 2001, S. 198–265.
  3. [3] Zur Erforschung der Rolle von renommierten Vertretern des Faches siehe Troebst, Sonderweg, S. 59.
  4. [4] Vgl. die „Empfehlungen zu den Regionalstudien (area studies) in den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen“ des Wissenschaftsrates 2006, S. 11; http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/7381-06.pdf
  5. [5] Diese Diskussion wurde Ende der 1990er Jahre besonders intensiv in der Zeitschrift Osteuropa geführt, Anlass war ein provokant betitelter Aufsatz zum “Ende der Osteuropäischen Geschichte” von Jörg Baberowski, der zahlreiche Repliken von führenden Vertreter*innen des Faches nach sich zog. Nachzulesen ist die Debatte bei Creuzberger, Stefan u.a. (Hrsg.), Wohin steuert die Osteuropaforschung? Eine Diskussion, Köln 2000.
  6. [6] Als Studieneinführung vgl. Emeliantseva, Ekaterina; Malz, Arié; Ursprung, Daniel, Einführung in die Osteuropäische Geschichte, Zürich 2008; immer noch lesenswert auch Zernack, Klaus, Osteuropa. Eine Einführung in seine Geschichte, München 1977; eine Übersicht über Lehrstühle und Professuren im deutschsprachigen Raum findet sich auf den Seiten des Verbands der Osteuropahistorikerinnen und -historiker: https://www.osteuropa-historiker.de/links/lehrst%C3%BChle-und-professuren-f%C3%BCr-osteurop%C3%A4ische-geschichte-in-deutschsprachigen-l%C3%A4ndern/.
  7. [7] Troebst, Sonderweg, S. 63ff.
  8. [8] Zuletzt beim Basler Osteuropahistoriker Benjamin Schenk, zit. bei Troebst, Sonderweg, S. 71f; regionalgeschichtliche Forschungsansätze finden zunehmend auch auf internationaler Ebene Verbreitung, z.B. beim weltweit rezipierten Werk von Snyder, Timothy, Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin, München 2011.
  9. [9] Zur Entstehungsgeschichte des Begriffs Osteuropa vgl. Lemberg, Hans, Zur Entstehung des Osteuropabegriffs im 19. Jahrhundert. Vom „Norden“ zum „Osten“ Europas, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 33 (1985) 1, S. 48–91; zur Abgrenzung der historischen Regionen Ostmittel- und Südosteuropa vgl. die kurzen Einführungsartikel im Studienhandbuch Östliches Europa, Bohn, Thomas; Roth, Harald (Hrsg.), Studienhandbuch Östliches Europa, Bd. 1: Geschichte Ostmittel- und Südosteuropas, Köln 1999, S. 57–96; siehe auch Bohn, Thomas; Neutatz, Dietmar (Hrsg.), Studienhandbuch Östliches Europa, Bd. 2: Geschichte des russischen Reiches und der Sowjetunion, Köln 2002; siehe auch die Clio-Online Guides zu Südosteuropa (https://guides.clio-online.de/guides/regionen/suedosteuropa/2023) und Tschechien und Slowakei (https://guides.clio-online.de/guides/regionen/tschechien-und-slowakei/2023).
  10. [10] Deutscher Bundestag, Drucksache 20/4681, 29.11.2022.
  11. [11] VPN steht für Virtual Private Network, diese Technik ermöglicht es, beim Surfen statt der Original-IP-Adresse des eigenen Geräts auf den besuchten Webseiten die externe IP-Adresse des VPN-Servers sichtbar zu machen und somit das Blocken von Anfragen aus Deutschland/einer bestimmten Institution zu umgehen. Der Tor-Browser nutzt das Tor-Netzwerk, welches ebenfalls der Verschleierung der ursprünglichen Identität einer Anfrage dient.
  12. [12] Neben den nachfolgend beschriebenen Institutionen gibt es noch weitere einschlägige Einrichtungen für die Osteuropäische Geschichte, die jedoch andere regionale Schwerpunkte setzen, wie z.B. das Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung.
  13. [19] Martin Schulze Wessel bewertet dieses Projekt als Ausdruck des diskreditierten deutsch-russischen Bilateralismus, vgl. Schulze Wessel, Martin, Deutschlands verlorene Wette gegen die Geschichte, in: FAZ.NET, 11.8.2022.
  14. [20] Neben dem östlichen Osteuropa mit Belarus, Russland und der Ukraine liegt die Zuständigkeit des FID gleichermaßen auch auf den Ländern Ostmittel- und Südosteuropas sowie den baltischen Staaten.
  15. [23] Gritsenko, Daria; Wijermars, Marielle; Kopotev, Mikhail (Hrsg.), The Palgrave Handbook of Digital Russia Studies, Cham 2021, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-030-42855-6.
  16. [25] Neben der Geschichtswissenschaft bedient der FID Ost-, Ostmittel- und Südosteropa unter anderem auch die Politikwissenschaft und Soziologie, Bibliotheks- und Informationswissenschaften oder auch Religions- und Musikwissenschaft für den Bereich Osteuropa. Nicht enthalten sind die slawischen Sprachen und Literaturen, die in der Zuständigkeit des FID Slawistik an der Staatsbibliothek zu Berlin liegen. Vgl. zum Profil des FID: https://wikis.sub.uni-hamburg.de/webis/index.php/Ost-,_Ostmittel-,_Südosteuropa.
  17. [27] Online-Zugriff besteht derzeit bei rund einem Drittel der Treffer, für die teils eine Volltextindexierung vorliegt, teils extern ein digitaler Bestand (z.B. über die Elektronische Zeitschriftenbibliothek, den Verlag oder ein Repositorium) ermittelt werden kann. Sofern kein Open Access vorliegt, ist die tatsächliche Zugriffsmöglichkeit ggf. standortabhängig.
  18. [37] Im Februar 2023 verzeichnet BASE 32 belarusische, 212 russische und 368 ukrainische Datenlieferanten. (Stand: 2. Februar 2023) Diese Zahlen übersteigen teils bei weitem die Anzahl an Datenlieferanten westlicher Länder.
  19. [38] Speziell bei BASE lohnt sich deshalb der Zugriff über osmikon.search, wo der Datenbestand der Suchmaschine mit enthalten und an die dortigen Recherchetools angeschlossen ist.
  20. [40] Die angereicherten Materialien ermöglichen nicht nur den digitalen Blick ins Buch. Dank Volltextindexierung erweitern sie auch erheblich die Informationen im Suchraum und bieten gerade in der Osteuropaforschung wertvolle mehrsprachige Sucheinstiege.
  21. [42] Bei Neuzugängen im Bereich Osteuropa verzeichnet die Staatsbibliothek zu Berlin in ihrer Zuständigkeit für den FID Slawistik einen besonderen Schwerpunkt auf literarische Quellen und slawistische Fachliteratur.
  22. [47] In Russland beispielsweise die Staatliche Öffentliche Historische Bibliothek Russlands, die auch eine digitale Bibliothek bereitstellt. Vgl. http://elib.shpl.ru/ru/nodes/9347-elektronnaya-biblioteka-gpib.
  23. [49] Das gilt beispielsweise für die „European Bibliography of Slavic and East European Studies“ (EBSEES) oder auch die thematisch eng gefasste „Internationale Bibliographie zum vorpetrinischen Russland“.
  24. [62] Vgl. zur Entwicklung der Digitalisierung in russischen Archiven: Golubev, Alexey, Digitizing Archives in Russia: Epistemic Sovereignty and Its Challenges in the Digital Age, in: Gritsenko; Wijermars; Kopotev, The Palgrave Handbook of Digital Russia Studies, S. 353–369, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-030-42855-6_20.
  25. [89] Siehe dazu Golubev, Digitizing Archives in Russia, S. 359–360.
  26. [95] Aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine ist zu beobachten, dass Digitalisierungsprojekte vor allem in Form von Not- und Schutzdigitalisierungen durchgeführt werden, um somit kulturelles Erbe digital zu sichern.
  27. [115] Vgl. Frank, Ingo; König, Sandra; Körfer, Anna-Lena; Kroll, Benedikt; Kurzweil, Moritz; Skowronek; Štanzel, Arnošt, Valena, Peter, Forschungsdatendefinition, 2021, https://zenodo.org/record/6088524.
  28. [120] Riehm, Ulrich; Böhle, Knud; Wingert, Bernd: Elektronisches Publizieren, in: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation, Bd. 1: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis, Boston 2004, S. 549–559, hier: S. 549, DOI: https://doi.org/10.1515/9783110964110.
  29. [121] Die Moving Wall beträgt etwa für Monografien häufig zwei Jahre, in denen der Verlag Verkaufserlöse erzielen kann, ehe das Werk in den kostenfreien Open Access überführt wird. Die Embargofrist für Zeitschriftenartikel ist meist kürzer.
  30. [122] Während die sogenannten Urheberrechte (z. B. das Recht auf Unveränderlichkeit des Werks) an Publikationen stets bei den Urheber*innen verbleiben, können die Verwertungsrechte z.B. via Autor*innenvertrag abgetreten werden. Wer über die Verwertung bestimmt, kann festlegen, wie ein Werk angeboten werden darf (z.B. als kommerzieller oder als Open-Access-Titel).
  31. [123] Dies kann bei Open-Access-Titeln mittels einer Nutzungslizenz, z.B. einer Creative Commons Licence, erfolgen.
  32. [124] Einen guten, allgemein erklärenden Einstieg mit zahlreichen weiterführenden Informationen in das Feld des wissenschaftlichen e-Publizierens bietet die Plattform open access networks. Verlage informieren auf ihrem Webauftritt über die spezifischen kostenpflichtigen Rahmenbedingungen des jeweiligen Hauses. Zum Osteuropa-Fachkontext siehe https://www.osmikon.de/publizieren.
  33. [125] DFG-Positionspapier Elektronisches Publizieren, 2005, S. 9, https://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/pos_papier_elektron_publizieren_0504.pdf.
  34. [126] Vgl. z.B. den Blogbeitrag von Christian Streit: #WINTERKRIEG: Wladimir Putins „finnischer“ Krieg?, in: ostBLOG. Ost- und Südosteuropa im Fokus der Wissenschaft, 17.08.2022, https://ostblog.hypotheses.org/3550#more-3550. Anzuführen ist hier auch der jüngere Trend des elektronischen Veröffentlichens von Forschungsdaten; vgl. Kap. 2.2. Den in den Naturwissenschaften beliebten Preprints kommt in den Osteuropastudien hingegen keine nennenswerte Bedeutung zu.
  35. [127] Spezielle Förderprogramme z.B. der DFG stellen dabei die Finanzierung der Publikationskosten in Aussicht. Siehe beispielsweise https://www.hiersemann.de/open-access.
  36. [128] Einer der Tätigkeitsschwerpunkte der Central and Eastern European Online Library (CEEOL) ist es, Graue Literatur zu sammeln: https://www.ceeol.com/browse/browse-by-series.
  37. [129] In Deutschland verfügen die Forschungsinstitute zum östlichen Osteuropa bislang nicht über eigene Dokumentenserver-Infrastrukturen. Zum Teil erfolgt das Angebot eigener Open-Access-Arbeiten im Rahmen von Kooperationen. Beispielsweise publiziert das DHI Moskau seine Forschungsergebnisse über Perspectivia.net, die Publikationsplattform der Max Weber Stiftung.
  38. [131] Alle Werke können über eine Vielzahl weiterer nationaler und internationaler Rechercheplattformen und Kataloge recherchiert werden; zu nennen sind u.a. der OPAC der BSB, der Bayerische Verbundkatalog, BASE, die Deutsche Digitale Bibliothek oder der WorldCat.
  39. [132] Zu den Kooperationspartnern, die auf diesem Wege eigene Publikationen bereitstellen, zählt inzwischen das Gros der Forschungseinrichtungen der deutschen Osteuropastudien. Dabei können verschiedene Kooperationsmodelle greifen, zu denen verschiedene Musterrechteeinräumungen existieren. Vgl. https://www.osmikon.de/servicemenue/ueber-uns/ueber-ostdok.
  40. [133] Hintergrund ist die in diesen Ländern nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion lange andauernde Verlagskrise, die früh alternative Publikationswege beförderte.
  41. [135] Auch staatliche und Regierungsstellen publizierten Gesetze, Verordnungen etc. zumeist früher als im Westen unmittelbar online.
  42. [136] Die Daten vieler Repositorien im östlichen Osteuropa lassen sich bequem über BASE absuchen. Vgl. dazu Kapitel 2.1.
  43. [137] Vgl. Kopanjeva, Viktorija, Biblioteka jak centr zberežennja Informacijnych resursiv internetu, Kijiv 2009, S. 43.
  44. [138] Einen Eindruck davon vermittelt die beständig wachsende Anzahl der in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) verzeichneten Periodika. Leider existiert hier nur ein Fachausschnitt „Geschichte“, in dem mit ergänzenden Suchbegriffen (z.B. „Russian“) gesucht werden kann. Vgl. https://ezb.uni-regensburg.de/; siehe auch https://doaj.org/.
  45. [139] So etwa im Hinblick auf den Angebotsumfang. Vielfach mangelt es auch an Modellen für die Lizenzierung von E-Book-Paketen oder deren Überführung in den Open Access, sodass die Erwerbung der digitalen Titel etwa durch Bibliotheken noch auf erhebliche Schwierigkeiten stößt.
  46. [140] Zu denken ist hier beispielsweise an die zusätzlich verschärften Einschränkungen der öffentlichen Meinungsäußerung in der Folge der Proteste in Belarus nach 2020 oder in Russland in Bezug auf den Ukrainekrieg. Nur kurze Zeit nach dem russischen Überfall auf die Ukraine waren erste ukrainische Repositorien vermutlich als Folge der Kriegsereignisse nicht mehr zugänglich.
  47. [141] Im Kontext der kriegsbedingten Zerstörungen in der Ukraine 2022 hat die BSB beispielsweise rund 1.000 e-Publikationen (unter Creative Commons Licence) des Instituts für Ukrainische Geschichte der Ukrainischen Nationalakademie der Wissenschaften archiviert und stellt diese sukzessive über OstDok bereit.
  48. [142] Stellvertretend für die Digital Humanities kann hier auf das Projekt „Ranke.2 - Teaching platform on digital source criticism“ des Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History oder die unzähligen Angebote zum Erlernen von Programmiersprachen auf Youtube verwiesen werden.
  49. [143] Beispielsweise hat der Historiker Timothy Snyder breit rezipierte Vorlesungen zur Geschichte der Ukraine veröffentlicht: https://online.yale.edu/courses/making-modern-ukraine.
  50. [144] Museum Berlin-Karlshorst: “Unsere Guides Online” - Eine Reihe des Museums Berlin-Karlshorst, https://www.museum-karlshorst.de/museum/unsere-guides-online.
  51. [145] Zwischen April und Juli 2022 bot beispielsweise Franziska Davies am Historischen Seminar der LMU München eine Online-Ringvorlesung zur “Geschichte der Ukraine vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart” an, die im interdisziplinären Podcast für lebenslanges Lernen (PolL) der Universität des Saarlandes nachzuhören ist. Vgl. http://podcast-uni-saarland.de/poll/, mit den Episoden PolL025-029, PolL031-032, PolL034-035 und PolL038-039.
  52. [148] Die Tutorials sind über das Forschungsportal osmikon zugänglich: https://www.osmikon.de/services/schulungen.
  53. [149] Ruchniewicz, Krzysztof: 2historyków1mikrofon, in: http://www.2historykow1mikrofon.pl/.
  54. [150] Gressel, Gustav; Woidelko, Gabriele; Behrends, Jan Claas; Davies, Franziska: Ostausschuss (Salonkolumnisten), in: http://www.salonkolumnisten.com/ostausschuss/.
  55. [151] Vgl. Schmidt, Milto: RuNet – Russland will ein eigenes Internet, https://p.dw.com/p/49A1w.
  56. [152] So ist die Website der Russischen Staatsbibliothek aus der IP-Range der Bayerischen Staatsbibliothek nicht mehr zu erreichen und Zugriffe werden von russischer Seite aus blockiert.

Dr. Olivia Griese hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Tampere in Finnland Osteuropäische Geschichte mit Schwerpunkt Nordosteuropa studiert, war Assistentin am Lehrstuhl Hösch und Projektkoordinatorin der ViFaOst. Seit 2007 ist sie bei der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik als Wissenschaftliche Leiterin des Informationszentrums tätig.

Dr. Norbert Kunz ist Osteuropahistoriker und Stellvertretender Leiter der Osteuropaabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Dort koordiniert er unter anderem das Elektronische Publizieren zu Osteuropa sowie das Fachrepositorium „Osteuropa-Dokumente online“ (OstDok).

Dr. Arnošt Štanzel arbeitet in der Osteuropaabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Dort ist er unter anderem für die Themen Forschungsdatenmanagement und digitale Fachinformationen zuständig.

Sophie Straube ist Mitarbeiterin in der Osteuropaabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Dort ist sie unter anderem für die Weiterentwicklung der digitalen Rechercheinfrastrukturen im Bereich Osteuropa zuständig und koordiniert die Aufsatzdatenbank ARTOS.

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Für Clio-online verfasst von:

Olivia Griese / Norbert Kunz / Arnošt Štanzel / Sophie Straube

Dr. Olivia Griese hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Tampere in Finnland Osteuropäische Geschichte mit Schwerpunkt Nordosteuropa studiert, war Assistentin am Lehrstuhl Hösch und Projektkoordinatorin der ViFaOst. Seit 2007 ist sie bei der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik als Wissenschaftliche Leiterin des Informationszentrums tätig.

Dr. Norbert Kunz ist Osteuropahistoriker und Stellvertretender Leiter der Osteuropaabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Dort koordiniert er unter anderem das Elektronische Publizieren zu Osteuropa sowie das Fachrepositorium „Osteuropa-Dokumente online“ (OstDok).

Dr. Arnošt Štanzel arbeitet in der Osteuropaabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Dort ist er unter anderem für die Themen Forschungsdatenmanagement und digitale Fachinformationen zuständig.

Sophie Straube ist Mitarbeiterin in der Osteuropaabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Dort ist sie unter anderem für die Weiterentwicklung der digitalen Rechercheinfrastrukturen im Bereich Osteuropa zuständig und koordiniert die Aufsatzdatenbank ARTOS.