Amtliche Publikationen und Statistiken

1. Amtliche Veröffentlichungen und Statistiken als Quelle für die historische Forschung

1.1 Einleitung: Regierungsdokumente als Fundgrube für die Geschichtswissenschaft

Dieser Clio-Guide liefert einen Wegweiser durch die Online-Landschaften der amtlichen Dokumente, Parlamentsschriften und Statistiken des In- und Auslands. Amtliche Dokumente sind für historische Fragestellungen wichtige, aber auch spezielle Informationsquellen: Studien, Gutachten, Statistiken, Jahresberichte sowie die Drucksachen und Protokolle der Parlamente spiegeln das gesamte Spektrum des staatlichen und kulturellen Handelns wider. Heute nutzen die herausgebenden Stellen die Möglichkeiten des elektronischen Publizierens, so dass die aktuellen Publikationen frei im Netz verfügbar sind. Die Veröffentlichungen sind anders strukturiert als wissenschaftliche Texte und stellen eine Fundgrube dar, die es sich genauer zu betrachten lohnt.

1.2 Definition: Was sind amtliche Publikationen?

Alle Ämter, nationalen Regierungen oder internationalen Organisationen erzeugen Amtsdruckschriften; die englischen Begriffe sind Official Publications oder Government Information. Als amtliche Veröffentlichung gelten Verträge, Gesetze, Verordnungen, Haushaltspläne und Statistiken. Bei den Publikationen staatlicher Forschungseinrichtungen findet man auch grundlegende wissenschaftliche Studien und Daten und Fakten zu Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Dokumente und Publikationen sind für die Forschung wichtige Primärliteratur, sie sind Ausdruck der verschiedenen Handlungsformen der Institutionen und dokumentieren das politische Geschehen. Rechtsakte, Aktionsprogramme, Stellungnahmen, Berichte und Rechtsvorschriften erfordern eine formelle Veröffentlichung (Publikation); auch Dokumente von hohem öffentlichem Interesse werden formell veröffentlicht. Andere Handlungsformen, die eher informativen oder vorläufigen Charakter haben, werden nur als Dokumente (interne Arbeitspapiere) geführt; dazu gehören insbesondere die Vorarbeiten für Rechtsvorschriften. Eine besondere Quellenart bilden die Parlamentsschriften, also die Sitzungsberichte, Drucksachen und Handbücher. Die Aufzeichnungen der parlamentarischen Reden und Debatten bestehen aus den gesammelten Protokollen der verbalen Äußerungen sowie besonders wichtiger nonverbaler Handlungen aller Parlamentssitzungen einer Wahlperiode. Parlamentaria weisen eine eigene interne Struktur auf und sind nach Wahlperiode gezählt.[2]

1.3 Forschungsstand und Forschungsgegenstand: Die Bedeutung amtlicher Quellen für die historische Forschung

Durch den Föderalismus gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Behörden und öffentlichen Einrichtungen mit reger Publikationstätigkeit.

In jüngster Zeit sorgte die Veröffentlichung von geheimen US-Regierungsdokumenten durch die Plattform Wikileaks für Aufsehen. Ebenso brachte der rasante Aufstieg der Piratenpartei Transparenz und Offenlegung des staatlichen Handelns auf die Agenda politischer Forderungen. Die Anschläge am 11. September 2001 hingegen führten in den USA zu einer Beschränkung im Angebot der Regierungsdokumente.[3] Dies sind außerordentlich prominente Beispiele für die Relevanz der Fragen um die Einsicht in Regierungsdokumente.

Amtliche Veröffentlichungen sind im seltensten Fall selbst Forschungsgegenstand. Als einschlägige Ressourcen sind sie in der historischen Parlamentarismusforschung präsent.[4] Die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien gibt beispielsweise eine eigene Quellenedition heraus. Einen Überblick über die internationale Forschung bietet das European Information and Research Network on Parliamentary History. Mit einer stärker juristischen Perspektive widmet sich das Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte den amtlichen Dokumenten als Quellen. In den USA wird das Thema Government Information unter HistorikerInnen aktiv diskutiert, vor allem aus Sorge um die Möglichkeiten nachhaltiger Verfügbarkeit der amtlichen Informationen im digitalen Zeitalter.[8]

Die Informations- und Bibliothekswissenschaft erörtert amtliche Publikationen, wenn sie den Inhalt neuer Oberflächen, Datenbanken oder Digitalisierungsprojekte darstellen.[9] Überwiegend in den USA sind regelmäßig richtungsweisende Beiträge zum Thema nachzulesen.[10]

1.4 Institutionelle Infrastruktur: Zugänglichkeit von amtlichen Veröffentlichungen

Rechtliche Grundlagen für die Verbreitung amtlicher Dokumente: Abgabeerlasse, Freiexemplare, Schriftentausch, Depotprogramme

Amtsdruckschriften erscheinen in der Regel im Selbstverlag, werden nicht über den Buchhandel vertrieben und sind in der Beschaffung aufwändig. Die publizierenden Stellen – insbesondere in Deutschland – sind keine Publikationsprofis und gehen jeweils individuell vor. Jedes Ministerium hat eigene Formen der Öffentlichkeitsarbeit und seine eigene Website. Forscherinnen und Forscher sind auf Bibliotheken und Archive angewiesen, da die Herausgeber oftmals keine eigene, zumindest keine öffentlich zugängliche Archivierung ihrer Publikationen gewährleisten.

In Deutschland sichern Abgabeerlasse auf Bundes- und Landesebene die Sammlung von amtlichen Publikationen in Bibliotheken. Vier nationale Sammelstellen erhalten auf Basis dieser rechtlichen Regelung ein Freiexemplar von den Publikationen aller Behörden: Die Staatsbibliothek zu Berlin, die Deutsche Nationalbibliothek, die Bayerische Staatsbibliothek und die Bibliothek des Deutschen Bundestages.[11]

Amtliche Publikationen aus dem Ausland sind dank der Bemühungen um einen vollständigen Schriftentausch mit bestimmten Herausgebern oder Partnerbibliotheken in deutschen Bibliotheken vorhanden. Die Staatsbibliothek zu Berlin ist die nationale Tauschzentrale für den internationalen amtlichen Schriftentausch und erhält auf der Basis von Regierungsabkommen oder freien Vereinbarungen die Dokumente aus aller Welt. Tauschpartner sind in der Regel Nationalbibliotheken.

Der Zugang zu Publikationen der Europäischen Union, der Vereinten Nationen und weiterer internationaler Organisation ist über Depotprogramme in Absprache mit Bibliotheken in den Mitgliedsstaaten geregelt. Die Staatsbibliothek zu Berlin ist Depotbibliothek für eine Vielzahl internationaler Organisationen.

Spezialbibliotheken und spezielle Sammlungen

In Deutschland sammeln vor allem die Staatsbibliothek zu Berlin und die Bayerische Staatsbibliothek amtliche Publikationen; die historisch tiefen und thematisch breiten Bestände dieser beiden Universalbibliotheken stehen allen Interessierten offen.

Amtliche Publikationen gibt es auch in Parlaments- und Behördenbibliotheken. Diese Bibliotheken sind allerdings auf ihre Institutsangehörigen ausgerichtet und für die Öffentlichkeit eingeschränkt zugänglich. Die Bundestagsbibliothek zum Beispiel, sammelt und erschließt für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages kontinuierlich Regierungsquellen und lässt externe Wissenschaftler/innen nur auf Antrag zu.

Weiterhin sind die Landesbibliotheken in den einzelnen Bundesländern eine Anlaufstelle für aktuelle und historische amtliche Quellen der jeweiligen Region. Mithilfe einer Metasuchmaschine, der Virtuellen Deutschen Landesbibliographie, ist es möglich, in allen deutschen Landesbibliographien gleichzeitig zu recherchieren. Die Landesbibliographien erscheinen inzwischen online, für die Suche nach älterer landesgeschichtlicher Literatur muss man jedoch die gedruckten Bände zu Rate ziehen.

Darüber hinaus beschaffen Spezialbibliotheken amtliche Quellen und Statistiken. Hier einige Beispiele: Die Zentralbibliothek für Wirtschaft in Kiel ist auf ökonomische Quellen spezialisiert. Die Staats- und Landesbibliothek Hamburg pflegt eine exzellente politikwissenschaftliche Sammlung, die auch „graues Material“ und Regierungsdokumente umfasst. Die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin unterstützt mit dem Dokumentationszentrum UN-EU die Forschung zur europäischen Integration und zur internationalen Politik mit Primärquellen.

Die Sammlung Amtlicher Publikationen an der Staatsbibliothek zu Berlin

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist offizielle Sammelstelle für amtliche Publikationen des In- und Auslandes. Das Erwerben von Amtsdruckschriften hat in der Staatsbibliothek zu Berlin eine lange Tradition. Die Geschichte dieser Sammlung reicht bis ins 18. Jahrhundert. Das Material überstand die kriegsbedingte Verlagerung der Bestände ohne größere Verluste.

Die Sammlungsdichte der Amtsdruckschriften an der Staatsbibliothek zu Berlin orientiert sich inhaltlich am wissenschaftlichen Charakter der Publikationen und formal an der Stellung der jeweiligen Institution innerhalb der staatlichen Hierarchie. Wegen des Archivauftrags der Bibliothek begründet die Online-Verfügbarkeit bisher in Einzelfällen den Verzicht auf das Papierexemplar.

Innerhalb der Sammlung ist der Bestand an in- und ausländischen Parlamentsschriften herausragend. Die Parlamentariasammlung der Staatsbibliothek zu Berlin spiegelt die gesamte Entwicklung der Parlamente und des Parlamentarismus wider. Sie birgt unschätzbares Quellenmaterial zur Geschichte der Innen- und Außenpolitik aller in ihr vertretenen Länder.

Insbesondere für die US-Regierungsdokumente verfügt die Staatsbibliothek zu Berlin aus jahrzehntelangen Tauschbeziehungen über eine einzigartig dichte und historisch weit reichende Sammlung. Die Rezeption der schwer zugänglichen Sammlung an gedruckten Bänden und Mikrofiches durch die Forschung konnte in den vergangenen Jahren durch Digitalisierungsprojekte deutlich erleichtert werden. Die Staatsbibliothek zu Berlin ist zurzeit die einzige Bibliothek in Deutschland, die diese Inhalte von Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart elektronisch recherchierbar macht.

1.5 Digitaler Zugang zu amtlichen Quellen

Besonderheiten der Erschließung und des Nachweises

Zuerst gilt es festzuhalten: der zentrale Sucheinstieg für amtliche Veröffentlichungen ist immer die herausgebende Körperschaft.[19] Dies verhindert die Recherche nach thematisch zusammengehörigen Inhalten, selbst wenn eine Volltextsuche für einzelne Kollektionen möglich ist.

Der bibliographische Nachweis in den Katalogen erfolgt nach dem Zeitschriftentitel, zum Beispiel „Statistische Berichte“ oder „Drucksachen“. Die herausgebenden Stellen arbeiten mit Klassifikationsnummern und zitieren spezifische Inhalte nach diesen Nummern. In der Presse werden amtliche Publikationen unter einem Zitiertitel populär, der sich nicht in den Katalogen wiederfindet. Als erschwerend für die Recherche erweisen sich die häufigen Änderungen der Titelfassungen von periodisch erscheinenden amtlichen Publikationen, die starke Ähnlichkeit der Titel und die vielfältigen und dynamischen Herausgeber.

Wenn HistorikerInnen nach geeigneten Quellen für ihre Forschung suchen, ist ihnen nicht bewusst, ob sie dabei vor allem in amtlichen Veröffentlichungen fündig werden. Die gezielte Recherche bei den herausgebenden Stellen – beispielsweise bei den statistischen Landesämtern oder bei einer Generaldirektion der Europäischen Kommission – kann daher zu deutlich besseren Ergebnissen führen als die Recherche in fachübergreifen Katalogen oder über Suchmaschinen.

E-Government und digitalisierte Quellensammlungen

Aktuelle Gesetze und Dokumente sind heute in der Regel kostenfrei im Internet zugänglich. Der Umschwung vom Verteilen von Druckschriften hin zum elektronischen Publizieren im Rahmen des E-Government fand seit Ende der 1990er Jahre statt. Seitdem veröffentlichen Regierungsstellen ihre Dokumente direkt als digitalen Content im Web. Die aktuellen Parlamentsschriften vieler Länder sind ebenfalls online verfügbar, oftmals ohne gedrucktes Äquivalent, allerdings meist auch ohne bibliothekarische Standards. Für die historische Forschung hat der dauerhafte und sichere Zugriff auf die Dokumente und der Nachweis der relevanten Informationen an zentraler Stelle höchste Priorität.

Neben den aktuell gültigen Dokumenten stehen Quellensammlungen zur Gründungsgeschichte der einzelnen Nationen teilweise als frei verfügbare Quellenkorpora zur Verfügung. Die historischen Daten sind je nach Land und Herausgeber in unterschiedlicher Tiefe und Qualität zugänglich. Die Recherche erfordert Fachkenntnisse über die inhaltliche Struktur der Daten. Teilweise haben Bibliothek und andere Gedächtniseinrichtungen diese Quellen digitalisiert, teilweise haben die Institutionen oder ihre Nachfolger die Materialien eingepflegt und online publiziert.

2. Digitale Informationsressourcen zu amtlichen Veröffentlichungen und Statistiken

2.1 Recherche: Portale, Bibliographien, Bibliothekskataloge

Portale

Für amtliche Veröffentlichungen werden in Deutschland einige Linksammlungen und Portale angeboten. Die DBIS-Sammlungen „Amtliche Veröffentlichungen“ und „Parlamentsschriften“ der Staatsbibliothek zu Berlin weisen frei zugängliche und kostenpflichtige Datenbanken nach. Der Parlamentsspiegel wird vom Landtag Nordrhein-Westfalen betreut und gibt Einblicke in die deutschen Landesparlamente.

In den USA betreiben viele Universitätsbibliotheken einen LibGuide Government Information mit Annotationen zu US-Regierungsdokumenten.[23] Wer nach einem Ersteinstieg zu Rechtsdokumenten aus der ganzen Welt sucht, findet dazu auf der Homepage des World Legal Information Institute Informationen. Die Website der Weltbank enthält umfassende Information zu amtlichen Dokumenten und Volltextinformationen zu vielen Ländern.

Weiterhin sind amtliche Quellen in thematischen und regionalen Portalen enthalten, zum Beispiel über die Virtuelle Fachbibliothek Recht oder bei der Fachinformation für die Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft und Kommunalwissenschaft. Das Fachportal IREON widmet sich den internationalen Beziehungen und der Länderkunde und erlaubt ebenfalls die Suche nach Studien, amtlichen Veröffentlichungen und internationalen Abkommen. Empfehlenswert für eine tiefere Recherche ist immer der Einstieg über die herausgebenden Institutionen oder deren Archive.

Digitale Nachweise in Nationalbibliographien, Spezialbibliographien oder weiteren Katalogen

Die wichtigsten amtlichen Veröffentlichungen der höchsten staatlichen Ebene sind über die Kataloge der Nationalbibliotheken nachgewiesen. Amtliche Publikationen aus Deutschland sind in großer Vollständigkeit im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek nachgewiesen. In den USA und in Großbritannien sind die Kataloge des „Government Printing Office“ und des „The Stationary Office“ zentrale Fundstellen für die Official Publications auf nationaler Ebene. Die internationalen Organisationen weisen ihre Veröffentlichungen in ihren eigenen Datenbanken vollständig nach.

Thematische Spezialbibliographien bot beispielsweise die Staatsbibliothek zu Berlin bis ins Jahr 2004 unter dem Titel „Das besondere Thema“ an. Hierbei handelte es sich um Auswahlverzeichnisse der erworbenen amtlichen Publikationen. Auch die Bibliothek des deutschen Bundestags erarbeitet umfangreiche Bibliographien zu wichtigen politischen Themen. Spezialbibliographien für historische amtliche Veröffentlichungen liegen in gedruckter Form vor und sind inhaltlich nach dem Staatsaufbau sortiert.[34]

Als eine wichtige Ressource für zeitgeschichtliche kommunalwissenschaftliche Fragen sei noch die Datenbank Urbadoc genannt. Der Berichtszeitraum beginnt 1970, zunehmend gehören neben Abstracts auch Volltexte dazu. In der Datenbank sind Zeitschriftenaufsätze, Bücher, Dissertationen, Konferenz- und Forschungsberichte sowie sonstige graue Literatur wie Gutachten, Pläne und Karten enthalten.

2.2 Kommunikation

Die passenden Kommunikationsplattformen zu geschichtswissenschaftlichen Perspektiven auf amtliche Veröffentlichungen sind entweder beim jeweils gewählten Thema oder bei der jeweils zugehörigen Institution zu finden. Innerhalb des etablierten Netzes H-Net gibt es Netzwerke, die amtliche Quellen für ihre Forschungsinhalte nutzen und thematisieren.[36] Auf internationaler Ebene bietet das Center for Research Libraries ein Forum für die Diskussion von amtlichen Veröffentlichungen an, das auch geschichtswissenschaftliche Anforderungen berücksichtigt.[37]

Einschlägige politische Institutionen präsentieren sich darüber hinaus für ihre Kundschaft in allen Kanälen der sozialen Netzwerke.[38]

2.3 Digitale Quellensammlungen für amtliche Publikationen

Deutschland

Für Deutschland liegen amtliche Veröffentlichungen in digitaler Form vor. Neben Datenbanken zur aktuellen Situation gibt es auch historische Quellensammlungen zur Bundes- und Landespolitik.

Für den Bereich der Legislative auf bundesstaatlicher Ebene ist das Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentarische Vorgänge (DIP) des Deutschen Bundestages und Bundesrates interessant. Im DIP sind Drucksachen- und Protokolle ab 1976 nach parlamentarischen Vorgängen, nach dem Stand der Gesetzgebung oder nach Aktivitäten von Abgeordneten durchsuchbar.

Als Drucksachen werden alle Vorlagen bezeichnet, die im Bundestag verhandelt werden (Gesetzentwürfe, Anträge von Fraktionen, Beschlussempfehlungen und Berichte aus den Ausschüssen, Änderungs- und Entschließungsanträge, große und kleine Anfragen aus dem Parlament an die Bundesregierung, Berichte und Unterrichtungen sowie Fragen für die Fragestunde im Plenum). Die für die Recherche wichtige Drucksachennummer setzt sich aus der Nummer der Wahlperiode und der laufenden Nummer der Vorlage zusammen (zum Beispiel 16/728). Davon zu unterscheiden sind die Plenarprotokolle. Diese werden auch stenografische Berichte genannt und sind die wörtlichen Protokolle jeder Sitzung des Deutschen Bundestages. Bestandteil sind sogar Zwischenrufe, Bemerkungen der Abgeordneten und Beifallsbekundungen. Die Nummer der Plenarprotokolle ist ebenfalls aus der Wahlperiode und der fortlaufenden Nummer der Sitzung zusammengesetzt (zum Beispiel 17/92).[40]

Für die Recherche nach weiteren Dokumentationen der parlamentarischen Vorgänge steht das Parlamentsarchiv zur Verfügung, aber nur bei Vorliegen eines berechtigten Interesses und auf schriftlichen Antrag. Als historische Ergänzung bietet der Bundestag die Drucksachen und Protokolle von 1949 bis 2005 in einem separaten Archiv an.

Die Bayerische Staatsbibliothek hat wichtige Bestände zur neueren deutschen Geschichte digitalisiert, darunter die Verhandlungen des Deutschen Reichstags und seiner Vorläufer. Hier gibt es die stenografischen Berichte 1867 bis 1939/1942. Enthalten sind auch die Sprechregister für die Suche nach originalen Redebeiträgen oder die amtlichen Handbücher mit Mitgliederverzeichnissen und Kurzbiografien.

Zur preußischen Geschichte findet man zum Beispiel auf der Website der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft die Protokolle der rund 5200 Staatsministerialsitzungen von 1810 bis 1938 des Preußischen Staatsministeriums, die eine Hauptquelle zur preußischen und deutschen Politik-, Verfassungs-, Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte darstellen.

Oder man erkundet bei der Staatsbibliothek zu Berlin die Amtspresse Preußens und die umfassende Zusammenstellung preußischer Gesetze von 1298 bis 1810 als Quelle rechtshistorischer Forschung.

Für die Deutsche Demokratische Republik gibt es ebenfalls digitalisierte Angebote. Die Webpräsenz des Projektes Die Sitzungsprotokolle des NVR der DDR von 1960–1989 bietet Informationen zur Bestandsüberlieferung und -geschichte der beim Bundesarchiv verfügbaren Protokolle des Nationalen Verteidigungsrates der DDR. Neben allgemeinen Darstellungen zur Geschichte des NVR sowie entsprechender Pendants in anderen Staaten des Warschauer Paktes werden knappe Informationen zur archivalischen Überlieferung, Forschungsliteratur und Bilder bereitgestellt.

Für amtliche Quellen auf Landesebene ist die Angebotspalette ähnlich breit und disparat. Empfehlenswert ist der Rechercheeinstieg über das jeweilige Landesparlament oder die zugehörige Landesbibliothek, um an die reichhaltigen Textkorpora heranzukommen. Exemplarisch genannt seien hier die Badischen Landtagsprotokolle von den Anfängen des Landtags 1819 bis zu seiner Auflösung 1933. Ebenfalls erwähnt seien hier die historischen Protokolle des Sächsischen Landtags. Die Überlieferung in Sachsen spannt einen Bogen von den Versammlungen der Landstände des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit über die Verhandlungen des Zweikammerparlaments im Königreich Sachsen bis zu den Landtagen des Freistaates Sachsen in der Weimarer Republik sowie des Landes Sachsen in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR.

Hilfreich für die Suche nach Gesetzen ist die lizenzpflichtige Datenbank Recht für Deutschland von Makrolog, die das Bundesgesetzblatt ab dem Jahrgang 1949, das Bundessteuerblatt sowie ausgewählte Landesgesetzblätter anbietet. Zusätzlich sind das Reichsgesetzblatt und das Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik integriert. Den weiter zurückliegenden Zeitraum decken die historischen Entscheidungssammlungen des Reichsgerichts in Zivilsachen (RGZ) von 1880 bis 1945 und des Reichsgerichts in Strafsachen (RGSt) von 1880 bis 1944 ab. RGZ und RGSt stehen für den wissenschaftlichen Gebrauch in Deutschland als DFG-Nationallizenz zur Verfügung.

USA und Großbritannien

In den Vereinigten Staaten von Amerika existiert ein gut ausgebautes Depotprogramm für die Verteilung der Regierungsinformationen, ebenfalls gibt es eine zentrale Publikationsstelle für amtliche Veröffentlichungen. Das Federal Digital System (FDsys) des US Government Printing Office ist die zentrale Einstiegsstelle für alle frei zugänglichen Dokumente der zeitgenössischen US-Regierung (Legislative, Exekutive und Justiz). Seit 1994 werden alle Regierungsdokumente hier im Volltext eingestellt, teilweise gehen die Daten auch weiter zurück.

Die Quellen zur Gründungsgeschichte der Vereinigten Staaten sind ebenfalls frei zugänglich. Unter dem Dach American Memory digitalisierte die Library of Congress das kulturelle Gedächtnis der USA. Hier findet man die US Congressional Documents and Debates für die Jahre 1774 bis 1873 oder die American State Papers 1789 bis 1838. Die Dokumente liegen teils als durchsuchbare Volltexte vor, teils als digitale Faksimiles. Die Website fasst mehrere Digitalisierungsprojekte zusammen, weshalb eine einheitliche Suchoberfläche fehlt.

Eine für die historische Forschung sehr ergiebige Quelle ist das digitalisierte United States Congressional Serial Set für den Zeitraum 1817 bis 1980, das als DFG-geförderte Nationallizenz deutschlandweit nach einer Registrierung zugänglich ist. Das Angebot enthält die wichtigsten Publikationen aus den Gremien und Arbeitsgruppen des Repräsentantenhauses und des Senats des 15. bis 96. US-Kongresses. Die American State Papers (1789–1838) sind hier ebenfalls integriert, so dass die US-Parlamentsschriften bis 1980 über eine Oberfläche recherchierbar sind. Darüber hinaus sind auch Karten enthalten. Dies sind die einzelnen Bestandteile des US Serial Sets:

House & Senate Reports: Berichte über Beschlussvorlagen für die Gesetzgebung und Ergebnisse zu Aussprachen;

Senate Executive Reports: Berichte für den Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten über Vorlagen für Staatsverträge

Senate Executive Documents & Senate Treaty Documents: Vorlagen für internationale Staatsverträge zur Ratifizierung durch den Präsidenten

House & Senate Documents: Dokumente, die Repräsentantenhaus oder Senat anfordern, zum Beispiel Berichte der Regierungsbehörden oder Materialien aus Ausschüssen und Arbeitsgruppen.

Ergänzend dazu hat die Staatsbibliothek zu Berlin den Zugriff auf ProQuest Congressional mit Quellen zum US-Kongress erworben. Die Staatsbibliothek zu Berlin ist bisher die einzige Bibliothek in Deutschland, die diese Inhalte von Anfang des 19. Jahrhunderts bis 2003 elektronisch recherchierbar macht. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Datenbanken: Das ProQuest Congressional Serial Set (Part B: 1980–1989 / Part C: 1990–2003) bietet einen elektronischen Zugriff auf das Congressional Serial Set von 1980 bis 2003 und erweitert damit die DFG-Nationallizenz zum Serial Set (1817–1980). Die Publikationen stammen aus Gremien und Arbeitsgruppen des US-Kongresses sowie von Regierungsbehörden. Die Datenbank bietet damit eine Fülle an Materialien zu allen Bereichen der Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur der Vereinigten Staaten, aber vielfach auch darüber hinaus, sofern die Beziehungen zu anderen Ländern miteinbezogen sind. Die ProQuest Congressional Hearings Digital Collection (Part B: 1980–2003) enthält alle Hearings des US-Kongresses im Volltext und erweitert den Zugriff auf die Jahre 1824 bis 1979 um den Zeitraum 1980 bis 2003. Schließlich erlaubt die Sammlung mit den Congressional Research Reports & Prints Part A (1830–2003) den Volltextzugriff zu den Berichten des Congressional Research Service und zu den Publikationen der Congressional Committees.

Für rechtshistorische Fragestellungen ist die Datenbank-Kollektion HeinOnline mit Materialien zu den Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien und dem Commonwealth hilfreich, die an einigen Bibliotheken lizenziert ist. Hier sind alle Verträge und Abkommen der USA, die veröffentlichten U.S. Supreme Court Entscheidungen, das Federal Register (von 1936 bis heute) und viele andere Materialien enthalten.

Für Großbritannien ist das Quellenangebot ähnlich strukturiert wie für die USA, fällt aber weitaus restriktiver aus: Die aktuellen Dokumente sind über The Stationary Office zugänglich, allerdings teilweise kostenpflichtig. Zur Parlamentsgeschichte gibt es die in Nationallizenz von der DFG geförderte Quellensammlung 19th/20th Century House of Commons Parliamentary Papers (HCPP) mit dem Berichtszeitraum 1688 bis 2004. HCPP enthält mit ca. 11 Millionen Seiten annähernd jedes offiziell publizierte Dokument des britischen Parlaments über den Zeitraum von drei Jahrhunderten.

Weitere Länder

Ein umfangreiches Angebot für Österreich ist das Rechtsinformationssystem (RIS) des österreichischen Bundeskanzleramtes. Die einzelnen Datenbankteile und Suchmöglichkeiten sind einfach und übersichtlich gestaltet. Komplementär ist das Angebot ALEX, herausgegeben von der Österreichischen Nationalbibliothek, zu sehen. In der Datenbank ALEX sind historische österreichische Rechts- und Gesetzestexte für den Zeitraum 1780 bis 1954 frei recherchierbar, allerdings noch nicht durchgängig mit Volltextangeboten.

Für die Gesetzgebung der Schweiz bieten die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft eine Systematische Sammlung des Bundesrechts (SR) im Internet an. Dabei handelt es sich um eine in den drei Amtssprachen der Schweiz geführte und nach Sachgebieten geordnete Sammlung der in der Amtlichen Sammlung veröffentlichten und noch geltenden Erlasse, völkerrechtlichen Verträge, internationalen Beschlüsse, Verträge zwischen Bund und Kantonen sowie Kantonsverfassungen. Weiterhin bietet die Schweiz eine Quellensammlung an, die für historische Forschung zur Außenpolitik relevant ist, die Diplomatic Documents of Switzerland 1945–1972, herausgegeben von der Schweizerischen Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Datenbank enthält umfassende Informationen – meist als Volltextdigitalisate – zu Dokumenten, Personen, Organisationen und geografischen Bezeichnungen.

Die Parlamente der Welt sind nahezu flächendeckend mit ihren aktuellen Informationen im Internet vertreten, exemplarisch seien hier das Informationssystem des dänischen Folketinget genannt, die Documents parlementaires der französischen Assemblee National oder die Documenti parlamentari der italienischen Camera dei Deputati. Zur Situation der Government Information in den afrikanischen Ländern liegt ein empfehlenswerter Guide vor.[67] Außerdem sei noch die Quellensammlung The Middle East Online genannt, die britische Regierungsdokumente mit Bezug zur Geschichte des Nahen Ostens im 20. Jahrhundert enthält. Diese und weitere Quellen sind außerdem in den DBIS-Sammlungen „Amtliche Veröffentlichungen“ und „Parlamentsschriften“ zusammengetragen.

Internationale Organisationen

Internationale Organisationen leisten sich heute in der Regel sehr gute Publikationsdatenbanken und organisieren die Digitalisierung ihres historischen Materials. Die Institutionen, Agenturen und Stiftungen der Europäischen Union publizieren zahlreiche Datenbanken und elektronische Dokumentenregister. Damit steht das gesamte europäische Primär- und Sekundärrecht nahezu vollständig frei online zur Verfügung. Zur Rechercheunterstützung gibt es in Deutschland und allen anderen EU-Mitgliedstaaten das Netz der Europäischen Dokumentationszentren (EDZ), die in der Regel zu Hochschulen oder Forschungseinrichtungen gehören und Informationen über die Europäische Union bereitstellen und vermitteln. Deshalb kann man für den Zugang zu den Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission auf sehr gute Einstiegshilfen zurückgreifen, die auf die Inhalte der einzelnen Angebote eingehen.[72]

Der EU-Bookshop ist die digitale Bibliothek des Amtes für Veröffentlichungen der Europäischen Union und bietet Zugriff auf Veröffentlichungen der EU-Institutionen, Organe und anderen Behörden, zusätzlich ist ein Archiv aller EU-Veröffentlichungen mit Texten seit 1950 enthalten. Zentraler Einstiegspunkt zum Recht der Europäischen Union ist das Portal Eur-Lex. Darin sind Verträge, internationale Abkommen, Vorarbeiten, Rechtsprechung und parlamentarische Anfragen nachgewiesen sowie die Amtsblätter der EU. Die ältesten der Dokumente stammen aus dem Jahre 1951. Darüber hinaus archivieren die Europäischen Dokumentationszentren EU-Online-Dokumente in EDZ-ArchiDoc, so dass auch graue Materialien langfristig recherchierbar sind.

Die Vereinten Nationen mit ihren zahlreichen Unterorganisationen publizieren ebenso rege wie wissenschaftlich interessant. Die komplexe Struktur der Vereinten Nationen spiegelt sich in ihren Dokumenten und Publikationen wieder.[77] Das Official Documents of the United Nations (ODS) veröffentlicht seit 1993 alle offiziellen Dokumente der Vereinten Nationen im Volltext und speist auch retrospektiv Inhalte ein. Außerdem beinhaltet die Datenbank die Resolutionen der Generalversammlung, des Sicherheitsrates, des Wirtschafts- und Sozialrates sowie des Treuhandrates seit 1946, Sitzungsdokumente und Arbeitspapiere der UN-Organe. Das UN Bibliographic Information System (UNBISnet) ist als bibliographischer Nachweis für Dokumente und Publikationen der Vereinten Nationen gedacht. Bei Primärliteratur wie Resolutionen, Abstimmungsergebnissen, Protokollen oder Sitzungsberichten besteht die Möglichkeit der Volltext-Suche und des Volltext-Zugriffs.

Als Depotbibliothek für zahlreiche internationale Organisationen bietet die Staatsbibliothek zu Berlin nicht nur Zugriff auf die Inhalte der einschlägigen Datenbanken wie Eur-Lex oder UNBISnet, sondern lizenziert ebenfalls den Zugriff auf wertvolle Datenbanken der UN-Sonderorganisationen und weiterer internationaler Organisationen. Dazu gehört zum Beispiel die Datenbank OECD iLibrary. Hier findet man unter einem Dach den gesamten Text- und Datenbestand der OECD und ihrer Sonderorganisationen verzeichnet.

2.4 Statistiken und weitere Primärdaten

Zwar fehlt in Deutschland eine zentrale Zugriffsmöglichkeit auf die amtlichen Dokumente der Bundes- oder Landesregierungen, positiv hervorzuheben ist jedoch der zentrale und gut referenzierbare Zugriff auf Statistiken.[81]

Die Datenbank GENESIS-Online ist ein gemeinsames Angebot der deutschen Statistikämter. Die Informationsfülle auf der Web-site von Destatis ist immens. Der Berichtszeitraum reicht für historische Forschungen meist nicht aus, da die online zugänglichen Daten nur bis in die 1990er Jahre zurückgehen. Für ältere Daten sind die in den Bibliotheken vorgehaltenen Statistischen Berichte zu konsultieren. Auch das Forschungsdatenzentrum von Destatis, welches Mikrodatenbestände der amtlichen Statistik für die Forschung bereitstellt, bietet Hilfestellungen an.

Eurostat ist das statistische Amt der Europäischen Union mit dem Auftrag, die aktuelle Versorgung mit europäischen Statistiken zu gewährleisten sowie Vergleiche zwischen den Mitgliedsstaaten und Regionen zu ermöglichen. Der Fokus liegt auf aktuellen Daten, es lassen sich aber auch Zeitreihen aufstellen.

Internationale Organisationen, vor allem die Vereinten Nationen und ihre Sonderorganisationen übernehmen eine wichtige Rolle bei der Versorgung mit Statistiken. Das zentrale Statistikportal der Vereinten Nationen ist UNdata, eine Metasuche in Datensätzen der UN-Organisationen und weiteren internationalen Organisationen. Die Informationen beziehen sich sowohl auf historische Daten als auch auf Schätzungen und Prognosen. Für weitergehende Recherchen zu bestimmten thematischen Bereichen sind die jeweiligen UN-Sonderorganisationen der ideale Startpunkt, zum Beispiel zur sozioökonomischen Entwicklung: World DataBank der Weltbank und OECDiLibrary der OECD.

Aufbauend auf den Datensammlungen der Statistikämter und der internationalen Organisationen gibt es einige Anbieter, die das interaktive Zusammenfügen der Daten je nach eigener Fragestellung ermöglichen. Zum Beispiel aggregiert Nationmaster Statistiken zu sozioökonomischen Daten. Das Angebot wird durch historisches und aktuelles Kartenmaterial ergänzt. Auch das CIA World Factbook ist geeignet zum schnellen Nachschlagen und Exportieren von Daten auf Länderbasis und im Ländervergleich. Diese Angebote sind auf Fragestellungen zur Tagespolitik zugeschnitten; für historisch zurückreichende Themen kann man sich hier einen ersten Überblick mit ansprechenden Visualisierungsfunktionen einholen.

2.5 Zeitschriften

Folgende Fachzeitschriften sind Beispiele für E-Journals, die amtliche Veröffentlichungen und Regierungsquellen abhandeln. Sie geben einen guten Überblick über den Forschungsstand, vor allem in Bezug auf informationswissenschaftliche und rechtshistorische Ansätze:

Government information quarterly. An international journal of policies, resources, services and practices. Amsterdam 1984ff. (1984–2002 als DFG-Nationallizenz)

Parliamentary affairs. A journal of comparative politics, Hansard Society for Parliamentary Government (Hrsg.), London 1947ff. (DFG-Nationallizenz)

Parliaments, estates & representation, International Commission for the History of Representative & Parliamentary Institutions (Hrsg), Abingdon, 1981ff (lizenzierter Zugang an vielen Bibliotheken)

Rechtsgeschichte Rg. Legal history, Zeitschrift des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt 2002ff. – (Volltexte nach 3 Jahren frei verfügbar)

Zeitschrift für Parlamentsfragen. Zparl, hrsg. von der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen, Baden-Baden 1969ff. (DFG-Nationallizenz, Ausgaben ab 2007: Volltexte nach 3 Jahren frei verfügbar).

Bei der Suche nach Artikeln und Aufsätzen über Regierungsdokumente ist zu beachten, dass für die historische Forschung in der Regel das Thema und nicht die Quellenart an erster Stelle steht, weshalb gegebenenfalls in jeder historischen Zeitschrift amtliche Veröffentlichungen eine Rolle spielen. Einen zentralen Überblick über geschichtswissenschaftliche E-Journals bietet die Elektronische Zeitschriftenbibliothek.

3. Fazit

Amtliche Publikationen und Statistiken sind für die historische Forschung von hohem Wert und aufgrund ihrer komplexen formalen Struktur schwer zugänglich. Da der Sucheinstieg über die herausgebende Körperschaft erfolgt, ist die Recherche nach thematisch zusammengehörigen Inhalten aufwändig, selbst wenn eine Volltextsuche in Dokumenten möglich ist.

Durch die Hinwendung zum E-Government und zum elektronischen Publizieren sind aktuelle Inhalte seit den 1990er Jahren frei im Internet zugänglich. Durch die Digitalisierungsbemühungen der Gedächtniseinrichtungen und der Herausgeber stehen einzelne Quellenkorpora des 18. und 19. Jahrhundert online zur Volltextrecherche bereit. Relativ schlecht zugänglich sind amtliche Publikationen aus dem Zeitraum von 1920 bis 1990. Die Dokumente dieser Zeit kann man großenteils nur konventionell als Papierexemplare konsultieren. Die Druckschriften sind dank rechtlicher Grundlagen (Abgabeerlasse, Freiexemplare, Schriftentausch und Depotvereinbarungen) an einigen Spezial- und großen Universalbibliotheken zugänglich, so dass das Material für diesen Zeitraum zwar vorhanden ist, aber (noch) nicht digital.

Künftig werden folgende Aspekte in Bezug auf amtliche Veröffentlichungen für HistorikerInnen relevant sein: Die Anzahl ständig neu erzeugter digitaler Dokumente wird überwältigend sein, gleichzeitig werden diese Dokumente extrem unterschiedlich und technisch teilweise komplex sein. Die Publikation der Materialien wird dezentral erfolgen, das Datenmanagement wird ebenfalls dezentral – d.h. nicht standardisiert – organisiert sein. Die Anbieter werden keine Verlage und damit keine Publikationsexperten sein. Sowohl eine langfristige Verlinkungsmöglichkeit als auch die Organisation einer zentralen Speicherung der Dokumente wird deshalb meist fehlschlagen.

Diese knappe Analyse zeigt, dass es den Bibliotheken angesichts der genannten Punkte nicht leicht fällt, einen zentralen Zugang zu amtlichen Quellen zu eröffnen. Dabei kann man sich die Frage nach der Bibliothek als vermittelnder Institution für frei verfügbare amtliche Dokumente stellen. Lohnt es sich, vorhandene Bemühungen zur nachhaltigen Bereitstellung der Dokumente weiter zu betreiben und sogar neue Anstrengungen zu unternehmen, um von Bibliotheksseite die relevanten Informationen an zentraler Stelle nachzuweisen? Sind Online-Akteure wie WikiLeaks, Internet Archive oder Google langfristig dafür verantwortlich, die verteilten Inhalte zu speichern und zugänglich zu machen?

Literaturhinweise

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Bove, Heinz-Jürgen, Erfolgreich recherchieren Politik- und Sozialwissenschaft, Berlin 2012.
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Fußnoten

  1. [2] Vgl. Gärtner, Wolfgang, Parlamentsspiegel im Wandel. Die Entwicklung des Parlamentsdokumentationssystems von 1957 bis 2006, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 42 (2011), S. 384–397.
  2. [3] Vgl. Herman, E., A post-September 11th balancing act. Public access to U.S. government information versus protection of sensitive data, in: Journal of Government Information 30 (2004), S. 42–65.
  3. [4] Vgl. z.B. Schöne, Helmar; Blumenthal, Julia von (Hrsg.), Parlamentarismusforschung in Deutschland. Ergebnisse und Perspektiven 40 Jahre nach Erscheinen von Gerhard Loewenbergs Standardwerk zum Deutschen Bundestag (=Studien zum Parlamentarismus, Bd. 13), Baden-Baden 2009.
  4. [8] Vgl. z.B. Reilly, Bernard F., Governments and the Digital Record. The Historian's Perspective. Report on a Panel Discussion on Government Information and Societal Memory Convened by the American Historical Association, Chicago-Illinois 2014, http://www.crl.edu/sites/default/files/d6/attachments/pages/AHA%20Meeting%20of%20Historians_final3.pdf.
  5. [9] Vgl. z.B. Lynden, Irina, Best practices in government information. A Global perspective, München 2008; Nurcombe, Valerie J. (Hrsg.), Information sources in official publications, London 1997; Stanek, Ursula, Amtsdruckschriften in der Staatsbibliothek zu Berlin. Tradition und Zukunft, in: Bibliotheksmagazin 3 (2006), S. 20–23.
  6. [10] Vgl. z.B. Sowell, Steven L.; Boock, Michael H.; Landis, Lawrence A.; Nutefall, Jennifer E., Between a Rock and a Hard Place. Managing Government Document Collections in a Digital World, in: Collection Management 37 (2012), S. 98–109.
  7. [11] Vgl. Metz, Johannes, Die Abgabeerlasse des Bundes und der Länder für Amtsdruckschriften. Idee und Anwendung in der Staatsbibliothek zu Berlin, in: Mitteilungen SBB (PK) N.F. 7 (1998), S. 82–101.
  8. [19] Vgl. Bergenthum, Hartmut, Bibliografische und bibliothekarische Bedeutung von Amtlichen Publikationen, Unveröffentlichtes Referat an der Bayerischen Bibliotheksschule, München 2005, S. 18ff.
  9. [23] Vgl. z.B. Government Information Introduction der University of California: http://guides.lib.ucdavis.edu/gov
  10. [34] Für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichen zwei Publikationen der Library of Congress einen gewissen Überblick, vgl.: Childs, James B., German Democratic Republic Official publications. With Those of the Preceeding Zonal Period. 1945–1958. A survey, 4 Vols., Washington 1960–1961; Childs, James B., German Federal Republic Official publications. 1949–1957. With Inclusion of Preceeding Zonal Official Publications, 2 Vols., Washington 1958. – Bis 1944; Monatliches Verzeichnis der reichsdeutschen amtlichen Druckschriften. Bearb. von der Deutschen Bücherei, Jg. 1-17. Berlin 1928–1944. Für die Zeit vor 1928 dienen Bibliographien zur deutschen Geschichte als Ersatz.
  11. [36] Vgl. z.B. H-POL is dedicated to enhancing scholarly communication on the history of politics, with a special interest in the history of politics in the United States, https://networks.h-net.org/h-pol; H-Diplo is H-Net's network on Diplomatic History and International Affairs, https://networks.h-net.org/h-diplo; H-FedHist promotes the study and broad understanding of the history of the United States Federal Government, https://networks.h-net.org/h-fedhist.
  12. [37] Vgl. z.B. das im Jahr 2014 veranstaltete Forum „Leviathan: Libraries and Government Information in the Age of Big Data, a Global Resources Collections Forum”, http://www.crl.edu/events/leviathan-libraries-and-government-information-age-big-data-global-resources-collections. Vgl. auch Civil Society: Legal and Governmental Resources, Sonderheft der Zeitschrift FOCUS On Global Resources 32 (2012), Number 1. http://www.crl.edu/sites/default/files/d6/focus/pdf/FocusFall2012.pdf
  13. [38] Vgl. z.B. Die EU in den sozialen Netzwerken, http://europa.eu/contact/social-networks/index_de.htm.
  14. [40] Vgl. dazu Vogel, Ivo, Erfolgreich recherchieren Jura, Berlin 2012, S.36ff.
  15. [67] Vgl. Lourenço und Åkesson, Official publications.
  16. [72] Vgl. z.B. Europäisches Dokumentationszentrum Mannheim, Wo finde ich EU-Informationen? EU-Datenbanken im Überblick, EDZ Mannheim 2014, http://edz.bib.uni-mannheim.de/www-edz/pdf/EU_Datenbanken.pdf; Braune-Egloff, Dörte, Die Europäische Union. Einführung in das Arbeiten mit den amtlichen Publikationen und Dokumenten. Zur Lehrveranstaltung Informations-kompetenz – Fachinformation, Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin 2007, S. 77ff.
  17. [77] Vgl. Vogel, Erfolgreich recherchieren Jura, S. 90ff.
  18. [81] Zur Recherche nach Zahlen, Daten, Fakten vgl. Bove, Heinz-Jürgen, Erfolgreich recherchieren Politik- und Sozialwissenschaft, Berlin 2012, S. 78ff.

Zitation: Susanne Maier, Amtliche Publikationen und Statistiken, in: Clio Guide – Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, Hrsg. von Laura Busse, Wilfried Enderle, Rüdiger Hohls, Thomas Meyer, Jens Prellwitz, Annette Schuhmann, 2. erw. und aktualisierte Aufl., Berlin 2018 (=Historisches Forum, Bd. 23), S. B.8-1 – B.8-25.