DDR

1. Geschichtswissenschaft und digitale Medien zur DDR-Geschichte

1.1 DDR-Geschichte als Forschungsfeld

Die Geschichte der DDR[1] ist ein geografisch wie zeitlich klar einzugrenzendes Forschungsgebiet. Es befasst sich mit der Geschichte des ostdeutschen Teilstaates, der von 1949 bis 1990 existierte. Hinzugezogen wird in der Regel die Geschichte der sowjetischen Besatzungszone (1945–1949) als Vorgeschichte der DDR. Trotz dieser klaren Eingrenzbarkeit sind einige Weiterungen unerlässlich, die auch für die hier interessierenden digitalen Ressourcen Bedeutung haben. So ist die DDR-Geschichte einerseits, diachron, nur im Zusammenhang mit der Entwicklung der kommunistischen Bewegung im Deutschland des 20. Jahrhunderts zu verstehen, synchron ist sie in die Geschichte der sozialistischen Staaten im sowjetischen Herrschaftsbereich einzuordnen und schließlich ist sie stets bezogen auf den westdeutschen Teilstaat, die Bundesrepublik, und somit als Teil der deutsch-deutschen Teilungs- und Verflechtungsgeschichte zu betrachten.[2]

Die Geschichte der DDR hat sich innerhalb der deutschen Geschichtswissenschaft bis heute nicht ganz aus einer gewissen Sonderstellung befreien können.[3] So lange die DDR existierte befassten sich in der Bundesrepublik aus wissenschaftlicher Perspektive neben HistorikerInnen vor allem PolitologInnen und SoziologInnen mit dem ostdeutschen Teilstaat. Eine Anbindung an die etablierte universitäre Geschichtswissenschaft bestand kaum und es bildete sich eine eigene DDR-ForscherInnen-Szene heraus, die recht isoliert blieb; zudem bestand das Problem des mangelnden Zugangs zu Archivquellen.[4] Die ostdeutsche Forschung zur DDR hatte überwiegend affirmativen und herrschaftslegitimierenden Charakter, was zu ideologisch einseitigen Interpretationen führte. Mit der Öffnung der Staats- und Parteiarchive im Zuge von friedlicher Revolution und Wiedervereinigung eröffneten sich HistorikerInnen in West und Ost neue Möglichkeiten und es setzte ein regelrechter DDR-Geschichtsboom ein, der sich sowohl in der Zahl der Publikationen als auch in vielfältigen neu entstandenen außeruniversitären Forschungseinrichtungen widerspiegelte, während die DDR-Geschichte an den Universitäten bis heute vergleichsweise gering verankert ist. Parallel dazu entwickelte sich eine vielfältige Aufarbeitungslandschaft aus Gedenkstätten, Museen und Stiftungen, begleitet von (geschichts-)politischen Auseinandersetzungen um Deutungshoheit, denen sich auch die Fachwissenschaft nicht vollständig entziehen konnte.

1.2 Institutionen der DDR-Geschichtsforschung

Ergebnis dieser Entwicklung ist, dass es heute eine große Vielzahl von Institutionen und Organisationen gibt, die sich mit der DDR-Zeit beschäftigen. Dabei verschwimmen zum Teil die Grenzen zwischen historischer Forschung, Geschichtsvermittlung, historisch-politischer Bildungsarbeit und Gedenken. Diese Unübersichtlichkeit spiegelt sich auch in den digitalen Angeboten zur DDR-Geschichte wieder, die von den unterschiedlichsten Institutionen getragen werden und ganz verschiedene Zielgruppen ansprechen.

Führende außeruniversitäre Forschungsinstitutionen mit einem Schwerpunkt auf der DDR-Geschichte sind die Berliner Abteilung des Instituts für Zeitgeschichte und das Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam; hinzu kommen die Forschungsabteilung in der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen sowie das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden. Zu nennen sind darüber hinaus Institutionen, die sich nicht primär der Forschung widmen, in denen aber auch geforscht wird bzw. Forschungen zur DDR-Geschichte gefördert werden: Museen, Gedenkstätten, Stiftungen und Vereine. Diese spielen zudem für die Vermittlung von DDR-Geschichte an ein breiteres, nicht nur fachwissenschaftliches Publikum über Ausstellungen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, Lehrerfortbildungen und Schülerarbeit eine wichtige Rolle. Genannt seien hier das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig als Dependance des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, die Stiftung Berliner Mauer, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Robert-Havemann-Gesellschaft sowie zahlreiche Gedenkstätten, insbesondere in Berlin und in Ostdeutschland, die am „authentischen Ort“, häufig in ehemaligen Haftanstalten, DDR-Geschichte erforschen, dokumentieren und vermitteln. Es sind diese Institutionen, die zugleich Träger der wichtigsten digitalen Portale, Medien und Infrastrukturen sind.

1.3 Zentrale Institutionen der Digitalisierung

Die für die DDR-Geschichte wichtigsten digitalen Institutionen sind nicht ausschließlich dieser Epoche bzw. Region gewidmet, sondern der Geschichtswissenschaft oder der Zeitgeschichte allgemein.[5] Zu nennen ist hier an erster Stelle das 1996 am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin eingerichtete Fachportal H-Soz-Kult, das inzwischen führende digitale Medium für die Geschichtswissenschaft in Deutschland überhaupt. In den sowohl als Newsletter zu beziehenden als auch dauerhaft Online zur Verfügung stehenden Beiträgen dieses Portals finden sich Rezensionen zu Büchern, Ausstellungen und Websites, Call for Papers, Tagungsankündigungen und Konferenzberichte, Stellenausschreibungen und Stipendien sowie Zeitschrifteninhaltsverzeichnisse, seltener auch eigenständige wissenschaftliche Beiträge sowie Diskussionsforen zu aktuellen Themen für alle Bereiche der Geschichtswissenschaft und verwandter Disziplinen.

Das von dem gleichnamigen Verein getragene und von über 50 verschiedenen Institutionen (darunter Forschungsinstitute, Universitäten, Bibliotheken, Stiftungen und Verlage) institutionell geförderte Portal Clio-online nahm im Jahr 2002 seine Arbeit auf und versteht sich als „zentraler Einstiegspunkt in das Internet“ für die Geschichtswissenschaften. Es fungiert als eine Art Metasuchmaschine für unterschiedlichste Online-Ressourcen und Hilfsmittel im Bereich Geschichte: Rezensionen, Bibliografien, Institutionen, Quellen, Kataloge, Datenbanken, aber auch einzelne ForscherInnen, Stellenangebote, Praktika und Stipendien können hier recherchiert werden. Unter dem Stichwort „DDR“ findet man hier jeweils eine große Zahl von Einträgen. Der umfassende Anspruch und die schiere Zahl der Einträge bringt indes auch Probleme mit sich: So ist die Zuordnung zu den einzelnen Rubriken nicht immer nachvollziehbar, es hapert an der Aktualisierung und die Sortierwerkzeuge funktionieren nicht überall korrekt. Ein Relaunch des Portals ist in Vorbereitung, für einige Rubriken steht bereits eine Beta-Version davon zur Verfügung.

Einen ähnlich breiten Ansatz wie Clio-online verfolgt die etwa zur gleichen Zeit etablierte Plattform historicum.net, getragen von der Bayerischen Staatsbibliothek, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Ludwig-Maximilian-Universität München und zahlreichen weiteren Institutionen. Der epochale Schwerpunkt liegt zwar auf der Frühen Neuzeit, doch findet sich unter diesem Dach auch das 2001 etablierte Online-Rezensionsportal sehepunkte.de, dessen zeitgeschichtlicher Bereich vom Institut für Zeitgeschichte (IfZ) redaktionell betreut wird und in dem sich ein breites Spektrum von Rezensionen zur DDR-Geschichte findet.

Jüngst hat das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam seine verschiedenen Online-Angebote in dem Portal zeitgeschichte-digital.de gebündelt. Für die DDR-Geschichte besonders relevant ist darunter das Angebot zeitgeschichte-online, das sich der Zeitgeschichte nach 1945 widmet.[11] In fünf Rubriken (Kommentar, Thema, Interview, Film & TV, Geschichtskultur) werden in loser Folge kürzere, größtenteils eher essayistisch als streng wissenschaftlich angelegte Beiträge veröffentlicht. Darüber hinaus bietet das Portal eine Presseschau sowie eine Tag-Cloud als Zugriffsmöglichkeit. Die in der Rubrik „web“ zu findende Linkliste verweist indes nur auf die zum Teil veralteten Listen von Clio-Online.

2. Digitale Informationsressourcen und Medien zur Geschichte der DDR

2.1 Recherche-Portale

Allgemeine Portale

Ein zentrales Recherche-Portal für Forschungen zur DDR-Geschichte existiert nicht. Der erste Zugriff muss daher entweder über die unter 1.3 genannten allgemeinen Portale zur Geschichte bzw. zur Zeitgeschichte erfolgen oder über die Homepages von Institutionen, die sich mit der DDR-Geschichte befassen: Forschungseinrichtungen, Stiftungen und Gedenkstätten. An erster Stelle ist hier die Homepage der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zu nennen. Diese bietet neben Informationen über eigene Produkte und Angebote Linklisten zu Archiven, Gedenkstätten, wissenschaftlichen Einrichtungen, Aufarbeitungsinstitutionen sowie zu weiteren Online-Portalen. Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet ein Themendossier „Deutsche Teilung – Deutsche Einheit“ an, das knappe wissenschaftliche Artikel, zumeist übernahmen bereits publizierter Beiträge, Zeitzeugeninterviews, Fotos, Audio-Slideshows usw. bietet. Auch Verweise auf weitere Angebote sind hier vorhanden. Ein weiteres Portal der Bundeszentrale befasst sich mit der Geschichte des Ministeriums für Staatssicherheit. Die großen politischen Stiftungen bieten ebenfalls eigene Portale zur DDR-Geschichte mit jeweils eigenen Schwerpunkten an. So stellt etwa die Konrad-Adenauer-Stiftung unter der Überschrift „DDR – Mythos und Wirklichkeit“ auf einer Homepage Texte, Videos, Bilder und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, die Friedrich-Ebert-Stiftung bietet Ähnliches. Diese allgemeinen Angebote zur DDR-Geschichte sind indes zum Teil in Inhalt und grafischer Aufmachung veraltet, zudem haftet ihnen häufig das Problem der mangelnden Übersichtlichkeit und Systematik an: Nicht selten findet man sich nach ein paar Klicks am Ausgangspunkt wieder, hinter einem mit „Zeitleiste“ betiteltem Link im Themendossier „Deutsche Teilung – Deutsche Einheit“ findet man nicht etwa ein Chronologie der deutschen Teilungsgeschichte, sondern eine „Chronik der Mauer“ für die Jahre 1989/90. Andere Links verweisen auf veraltete Angebote oder auf nicht mehr existierende Seiten.

Portale wie diese sind hauptsächlich als Einstiegsseiten und Anlaufstellen für die erste, rasche Information dienlich. Sie richten sich nicht ausschließlich oder auch nur vorrangig an Wissenschaftler, sondern auch an Lehrer, Schüler und Geschichtsinteressierte allgemein. Für eine ernsthafte wissenschaftliche Auseinandersetzung muss daher auf andere Informationsressourcen zurückgegriffen werden.

Spezielle Portale

Groß ist die Zahl von thematisch spezifischen Portalen, die für die DDR-Geschichte von Bedeutung sind. Angesichts der Vielzahl der Angebote und der zahlreichen thematischen Überschneidungen ist dieses Feld recht unübersichtlich. Im Folgenden werden daher nur einige wichtige Beispiele herausgegriffen. Zur Geschichte der Berliner Mauer ist einschlägig die Homepage chronik-der-mauer.de, ein Kooperationsprojekt der Bundeszentrale für politische Bildung, des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und des Deutschlandradios, das neben der eigentlichen Chronik Informationen über gelungene und misslungene Fluchtversuche sowie die Todesopfer an der Mauer enthält. Darüber hinaus werden zahlreiche Dokumente, Fotos, Video- und Audioquellen sowie interaktive Karten und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt. Ähnlich angelegt, wenn auch älteren Datums und weniger vielseitig, ist das vom Rundfunk Berlin-Brandenburg herausgegebene Projekt Chronik der Wende, das den Zeitraum von Oktober 1989 bis März 1990 abdeckt. Weitere Angebote von Rundfunksendern sind die des MDR sowie der ARD. Überhaupt ist die friedliche Revolution der Hauptschwerpunkt von Online-Angeboten zur DDR-Geschichte. Einen größeren Zeitraum, nämlich von Anfang 1989 bis Ende 1990, deckt das von der Bundesstiftung Aufarbeitung verantwortete Portal zur Deutschen Einheit ab, das zudem Angebote in leichter sowie in Gebärdensprache zur Verfügung stellt. Auch die Bundesregierung bietet ein – knapperes – Angebot zu diesem Thema an. Ein Angebot mit regionalem Schwerpunkt hält der Freistaat Sachsen bereit. Umfassende Informationen zur letzten DDR-Volkskammer, darunter Kurzbiografien der Abgeordneten, Videos der einzelnen Sitzungen sowie diverse Verzeichnisse bietet der Deutsche Bundestag auf seiner Homepage an.

Eine gute Informationsressource zu einem etwas spezielleren Thema ist die von der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der Robert-Havemann-Gesellschaft entwickelte multimediale Homepage jugendopposition.de. Die Seite bietet, ausgehend von 24 Biografien von oppositionellen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Interviews, Dokumente, Fotos und audiovisuelle Quellen zum Thema an. Informationen zur Geschichte der DDR mit besonderem Schwerpunkt auf das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit sind auf der Homepage des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) zu finden. Geografisch weiter aus greift das jüngst etablierte Portal kommunismusgeschichte.de der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, das allerdings in erster Linie bereits vorhandene Online-Angebote bündelt.

2.2 Digitale Nachschlagewerke

Ein allgemeines, wissenschaftlich gestütztes digitales Lexikon zur DDR-Geschichte fehlt[28] – ebenso wie eine aktuelle Offline-Version. Nach wie vor ist das 1985 in dritter Auflage erschienene DDR-Handbuch in Detailliertheit und Zuverlässigkeit unübertroffen.[29] Das Online-Recherchewerkzeug erster Wahl wird daher auch für die DDR-Geschichte in der Regel die Enzyklopädie Wikipedia sein, die bei allen – berechtigten – Vorbehalten eine unverzichtbare Informationsressource ist und bleibt. Eine Prüfung der für die jeweiligen Artikel verwendeten Quellen sowie ein Blick in die Rubriken „Versionsgeschichte“ und „Diskussion“ erlauben es zudem, die Qualität und Zuverlässigkeit der jeweiligen Artikel recht gut einzuschätzen.

Speziellere Nachschlagewerke zur DDR-Geschichte liegen dagegen inzwischen online vor. Zu nennen ist hier das FDGB-Lexikon, das auf der Homepage der Friedrich-Ebert-Stiftung gehostet wird und das eine breitere Vielfalt an Begriffen zur Politik- und Sozialgeschichte der DDR erläutert, als der Titel vermuten lässt.[31] Neben Sachartikeln enthält es auch biografische Beiträge. Auch das von der Forschungsabteilung beim BStU erstmals 2011 herausgegebene MfS-Lexikon, das ebenfalls Sach- und Personenartikel enthält, liegt inzwischen als Online-Version vor.[33]

Insgesamt besser sieht die Situation im Hinblick auf biografische Nachschlagewerke aus. So steht auf der Homepage der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur seit einigen Jahren das wichtigste biografische Nachschlagewerk für die DDR-Geschichte, Wer war wer in der DDR, zur Verfügung.[34] Das erstmals 1992 im Ch. Links Verlag gedruckt erschienene Werk hat inzwischen die 5. Auflage erreicht (2010) und umfasst nahezu 4.000 Biografien. Gemeinsam mit dem im Jahr 2008 in zweiter Auflage erschienenen Nachlagewerk Deutsche Kommunisten. Biografisches Handbuch 1918 bis 1945[35] ist Wer war wer in der DDR über eine Datenbank recherchierbar. Bei den namentlich gekennzeichneten Beiträgen handelt es sich nicht um ausführliche Biografien, sondern um stichpunktartige Biogramme, die vor allem Mitgliedschaften, Ämter und Funktionen auflisten; am Ende stehen weiterführende Literaturhinweise. Die Biografien werden über das Jahr 1990 hinaus fortgeführt; eine laufende Aktualisierung erfolgt, abgesehen von der Ergänzung von Sterbedaten, jedoch nicht.

Für ausführlichere Biografien müssen speziellere Nachschlagewerke herangezogen werden. Hilfreich ist das ebenfalls unter der Federführung der Bundesstiftung Aufarbeitung herausgegebene Biografische Lexikon Widerstand und Opposition im Kommunismus 1945–1991, das für die DDR bisher 30 ausführliche Artikel zu Dissidenten, Oppositionellen und Widerstandskämpfern enthält. Durch den sich auf ganz Osteuropa erstreckenden Fokus des Lexikons lassen sich auch transnationale Bezüge in der Oppositionsgeschichte verfolgen. Das Lexikon liegt in deutscher, englischer, russischer, polnischer und tschechischer Sprache vor. Tabellarische Kurzbiografien zu etwa 300 bedeutsamen DDR-Oppositionellen finden sich zudem auf der gemeinsam von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft verantworteten Seite jugendopposition.de. Biografien von für die friedliche Revolution und die Umbruchszeit von 1989/90 bedeutenden Persönlichkeiten bietet die Website chronik-der-wende. Speziell für die Geschichte des Ministeriums für Staatssicherheit ist darüber hinaus das als Teil des MfS-Handbuch konzipierte und zuletzt 2012 aktualisierte Nachschlagewerk Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit zu konsultieren, das online allerdings nur als PDF-Dokument zur Verfügung steht.[41] Ein Großteil der darin enthaltenen Biografien hat auch Eingang gefunden in das erwähnte online verfügbare MfS-Lexikon.

Über diese speziell auf die DDR- und die Kommunismusgeschichte zugeschnittenen Lexika hinaus sind selbstverständlich auch allgemeine Nachschlagewerke zur deutschen Geschichte bzw. zur Zeitgeschichte heranzuziehen.[43]

2.3 Fachbibliografien und Bibliothekskataloge

Der unverzichtbare Einstieg für die wissenschaftliche Recherche bleibt das klassische Bibliografieren, das durch die mittlerweile fast flächendeckende online-Stellung von Bibliothekskatalogen erheblich komfortabler geworden ist. Eine eigene Online-Bibliografie speziell zur Geschichte der DDR existiert nicht. Erster bibliografischer Zugriff sind daher nach wie vor die Jahresberichte für deutsche Geschichte. Diese von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften erarbeitete Bibliografie umfasst wissenschaftliche Veröffentlichungen zur gesamten deutschen Geschichte, für die Epoche „Deutsche Demokratische Republik 1949–1990“ finden sich knapp 28.000 Einträge. Eine systematische Aufnahme von Titeln erfolgte jedoch erst ab dem Erscheinungsjahr 1990, weshalb die Bibliografie für ältere Titel nur begrenzt von Nutzen ist; so wurde etwa die einschlägige Zeitschrift Deutschland Archiv in diesem Zeitraum nicht ausgewertet. Das verdienstvolle Projekt wurde leider Ende 2015 eingestellt, die als Nachfolgeprojekt geplante Deutsche Historische Bibliografie ist noch nicht angelaufen.[46] Einschlägig ist darüber hinaus die vom Institut für Zeitgeschichte herausgegebene Bibliografie für Zeitgeschichte, die nach Einstellung der gedruckten Version im Jahr 2012 nun als Bibliografischer Informationsdienst weitergeführt wird, der monatlich erscheint und als Newsletter abonniert werden kann; ältere Ausgaben sind als PDF-Dokumente in einem Online-Archiv abrufbar. Über den im Informationsdienst verlinkten OPAC des IfZ ist auch eine systematische Recherche möglich. Wie bei den im Folgenden genannten Bibliografien ist jedoch zu beachten, dass sie auf den Bestand der hauseigenen Bibliothek bezogen ist – ein Indiz für das allmähliche Verschmelzen von Bibliografien und Bibliothekskatalogen. Von Bedeutung ist auch die von der Bibliothek des BStU verantwortete Bibliografie zum Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Sie ist systematisch gegliedert und über ein Autorenregister erschlossen. Die jährlich aktualisierte Bibliografie hat inzwischen knapp 6.000 Einträge und ist als PDF-Datei online abrufbar. Ebenfalls von Nutzen ist die bis heute fortgeführte Bibliografie zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung der Friedrich-Ebert-Stiftung, die zum Stichwort „DDR“ über 24.000 Einträge enthält. Von der zeitlich und geografisch umfassend angelegten Historischen Bibliografie sind die Berichtsjahre ab 1990 online abrufbar. Hier finden sich zur Epoche „Deutsche Demokratische Republik“ gut 5.000 Titel. Zusätzlich sind hier auch laufende Projekte aus dem Jahrbuch der historischen Forschung zu finden. Die vom Oldenbourg Wissenschaftsverlag und der Arbeitsgemeinschaft historischer Forschungseinrichtungen herausgegebene Bibliografie ist jedoch wenig aktuell: Stand Februar 2018 waren Veröffentlichungen nur bis zum Berichtsjahr 2013 recherchierbar, in den letzten drei Monaten wurden keine Titel neu aufgenommen.

Bibliografisch zu nutzen sind auch die Bibliothekskataloge einschlägiger Institutionen, die mittlerweile – überwiegend – nicht nur selbständige Publikationen, sondern auch Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden erschließen. Die umfangreichste ist mit 1,7 Millionen Bänden die Bibliothek der Stiftung der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) im Bundesarchiv, Außenstelle Berlin-Lichterfelde. Von besonderem Interesse sind hier der große Anteil von „grauer Literatur“ aus den Parteien und Organisationen der DDR sowie die Belegexemplare unveröffentlichter wissenschaftlicher Arbeiten, die unter Nutzung der Archivbestände der SAPMO bzw. des Bundesarchivs geschrieben wurden. Die Bibliothek ist über den gemeinsamen Online-Katalog aller Standorte des Bundesarchivs erschlossen. Sie veröffentlicht darüber hinaus vierteljährlich eine Bibliografie zur Geschichte der DDR, die vom Jahr 2015 an als PDF-Datei zur Verfügung steht; ergänzend werden in unregelmäßigen Abständen themenbezogene Bibliografien als Bibliotheksbriefe herausgegeben. Weiter zu nennen sind hier neben der bereits erwähnten Bibliothek des Instituts für Zeitgeschichte der OPAC des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam mit 80.000 Medieneinheiten, wobei unselbstständige Veröffentlichungen hier bisher nur in geringem Maße erschlossen sind. Die Bibliothek der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur umfasst rund 45.000 Medieneinheiten mit besonderem Schwerpunkt auf die Geschichte von Opposition, Widerstand und Repression sowie den revolutionären Umbruch von 1989/90. Anlässlich von historischen Jubiläen gibt die Bibliothek zudem von Zeit zu Zeit thematische Bestandsverzeichnisse heraus. Die Bibliothek des BStU umfasst über 70.000 Bände zur DDR und hat einen Schwerpunkt auf Literatur zu Nachrichtendiensten und Geheimpolizeien. Zu erwähnen ist als Spezialbibliothek noch die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung, in der die Pädagogische Zentralbibliothek der DDR aufgegangen ist. Über den Online-Katalog ist auch ein großer Umfang an grauer Literatur recherchierbar, darunter eine vollständige Sammlung der Lehrpläne aus der DDR.

Zahlreiche kleinere Bibliotheken können für spezielle Recherchen hilfreich sein. Die Bibliotheken von gut 50 Gedenkstätten zur NS- und zur DDR-Geschichte haben sich in der ArbeitsGemeinschaft der GedenkstättenBibliotheken zusammengeschlossen und einen gemeinsamen Internet-Katalog eingerichtet. Zwar liegt dessen Schwerpunkt auf der Geschichte des Nationalsozialismus, doch findet man über die Liste der Mitglieder auch die Bibliotheken der Einrichtungen mit Fokus auf der Geschichte der DDR, viele davon mit einem Online-Katalog. Für regional- und lokalgeschichtliche Forschungen zur DDR-Geschichte sind auch die Landesbibliografien der fünf neuen Bundesländer sowie von Berlin von Nutzen. Diese haben häufig eine größere Erschließungstiefe als thematische Bibliografien; so lassen sich teilweise auch einschlägige Artikel in Tageszeitungen und Publikumszeitschriften recherchieren. Einen Überblick über Regionalbibliografien im deutschsprachigen Raum bietet die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, die KIT-Bibliothek Karlsruhe hat zudem gemeinsam mit der AG Regionalbibliografie eine Virtuelle Deutsche Landesbibliografie entwickelt, die als Meta-Katalog zum Nachweis landeskundlicher Literatur in Deutschland dient und länderübergreifende Literaturrecherchen ermöglicht. Von der gleichen Bibliothek bereitgestellt wird der Karlsruher Virtuelle Katalog, eine Meta-Suchmaschine, mit Hilfe derer weltweit Bibliothekskataloge mit insgesamt mehreren hundert Millionen Medien durchsucht werden können. Zuletzt sei noch die federführend von der Staatsbibliothek zu Berlin betreute Zeitschriftendatenbank erwähnt, die deutschlandweit die in Bibliotheken verfügbaren Jahrgänge und Ausgaben von über 1,5 Millionen Periodika nachweist.

2.4 Archive

Das Spektrum der für die Erforschung der DDR-Geschichte relevanten Archive ist sehr groß und reicht von staatlichen Archiven auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene über Kirchenarchive bis hin zu privaten und Wirtschaftsarchiven. Im Hinblick auf das, was sie online zur Verfügung stellen, unterscheiden sich die Archive erheblich. In diesem Beitrag erfolgt eine Konzentration auf die Nationalarchive sowie auf spezielle Archive für die Geschichte der DDR. Für einen umfassenden Überblick sei auf das Archivportal der Archivschule Marburg verwiesen. Ebenfalls hilfreich als Einstieg ist die Linkliste zu Archiven mit kurzen Beschreibungen der online verfügbaren Recherchemittel auf der Seite der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Dort findet sich als PDF-Dokument auch ein – trotz seines Alters (2002) – nach wie vor nützlicher englischsprachiger Guide zu DDR-bezogenen Quellen in deutschen Archiven.

Von zentraler Bedeutung für die DDR-Geschichte ist das Bundesarchiv und die darin eingegliederte Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO). Das Bundesarchiv verwahrt die Bestände sämtlicher Ministerien[69] und zentraler staatlicher Einrichtungen der DDR. In der SAPMO finden sich das frühere Parteiarchiv der SED, die Bestände von Gewerkschaften und Organisationen, darunter die Freie Deutsche Jugend (FDJ), der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD) und die Gesellschaft für Deutsch-sowjetische Freundschaft (DSF) sowie Nachlässe führender Politiker. Über das Portal ARGUS sind die Findbücher zu diesen Beständen online recherchierbar. Nach und nach werden seit einigen Jahren auch die Findhilfsmittel des Archivs des BStU in das ARGUS-Portal integriert. Das Portal ermöglicht sowohl eine systematische Recherche in den einzelnen Beständen als auch eine übergreifende Volltextrecherche. Eine zusätzliche Übersicht über die Findmittel des BStU-Archivs findet sich auf der Homepage der Behörde.

Für das Schriftgut der Länder der SBZ/DDR (1945–1952) und der Bezirke (1952–1990) sowie der entsprechenden SED-Landes- bzw. ‑Bezirks- sowie ‑Kreisleitungen sind die jeweiligen Landesarchive zuständig. Diese stellen Findmittel in unterschiedlichem Umfang auch online zur Verfügung. Die Landesarchive von Brandenburg und Sachsen-Anhalt ermöglichen eine systematische Suche in der Tektonik des Archives und eine Volltextrecherche, jeweils bis hinunter zur einzelnen Akte.[74] Ähnlich komfortabel ist die Recherche in der Datenbank des für die Bezirke Schwerin und Neubrandenburg zuständigen Landeshauptarchivs Schwerin. Online-Recherchen in dem für den Bezirk Rostock zuständigen Landesarchiv Greifswald sind hingegen nur in einzelnen DDR-bezogenen Beständen möglich, und zwar über das Archivportal des Landes Mecklenburg-Vorpommern Ariadne.[77] Über landesweite Archivportale verfügen auch die Länder Thüringen und Sachsen. Dies ist hier besonders sinnvoll, da in Thüringen die für die DDR relevanten staatlichen Bestände auf sechs Standorte, in Sachsen auf vier Standorte verstreut sind. Das Archivportal Thüringen ermöglicht übergreifende Recherchen in den Staatsarchiven sowie zahlreichen kommunalen, kirchlichen, privaten und weiteren Archiven. Selbstverständlich finden sich nicht sämtliche Findbücher dieser Archive online, doch bietet das Portal mindestens Informationen zu den Beständen und zu den zur Verfügung stehenden Findmitteln. Das Archivportal des Landes Sachsen hingegen enthält lediglich Informationen und Findmittel zu den vier Standorten des Sächsischen Staatsarchivs in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Freiberg. Die Zahl der kirchlichen Archive im ostdeutschen Raum ist aufgrund der komplizierten Struktur insbesondere der evangelischen Kirche groß. Hier sei daher lediglich auf die Datenbank des Kirchlichen Archivzentrums Berlin verwiesen, in der die Bestände des Evangelischen Zentralarchivs, des Evangelischen Landeskirchlichen Archivs Berlin sowie der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz zusammengefasst sind. Ähnlich wie bei den entsprechenden Datenbanken der Archive von Sachsen-Anhalt und von Brandenburg ist hier sowohl eine Volltextrecherche als auch eine systematische Recherche in der Tektonik der Archive möglich.

Die Bestände der DDR-Blockparteien CDU und LDP finden sich in den Archiven ihrer westdeutschen Schwesterparteien: dem Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP) in St. Augustin bzw. dem Archiv des (deutschen) Liberalismus (ADL) in Gummersbach. Das ACDP stellt die Findbücher zu den Beständen sämtlicher Landes-, Bezirks- und Kreisverbände der Ost-CDU als PDF-Dokumente zur Verfügung; ebenfalls verfügbar ist das Findbuch der Exil-CDU einschließlich des Ostbüros der CDU.[84] Parallel dazu liegt eine Datenbank vor, die sowohl eine systematische Recherche über einen Inhaltsbaum als auch eine Volltextrecherche im Gesamtbestand ermöglicht. Die Navigation auf der Seite ist allerdings etwas umständlich und gewöhnungsbedürftig. Auch das ADL verfügt über eine Recherchedatenbank, die systematische und Volltextrecherchen allerdings nur in Deposita und Nachlässen möglich macht; zur LDPD und zum Ostbüro der FDP steht online lediglich eine Bestandsübersicht zur Verfügung. Die Recherchedatenbank des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, in der unter anderem Material des Ostbüros der SPD sowie der 1989 gegründeten Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP) lagert, erreicht ebenfalls nur Bestandsübersichten, nicht aber Findbücher.

Für die Geschichte von Opposition und Widerstand in der DDR von zentraler Bedeutung sind die von der Robert-Havemann-Gesellschaft betreuten Archivbestände. Sie enthalten knapp 100 Nachlässe bzw. persönliche Archivbestände von Protagonisten der DDR-Opposition und weitere Bestände aus der Zeit vor 1989 sowie der Bürgerbewegung und Aufarbeitung nach 1989. Für fast alle der größeren Bestände des Archivs sind auf der übersichtlichen Homepage des Vereins Findbücher im PDF-Format zum Download bereit gestellt. Lediglich das Bildarchiv sowie einige Sammlungen, darunter eine Presseausschnittsammlung sind (noch) nicht online recherchierbar; für letztere steht im Internet aber ein Personen- und Sachregister zur Verfügung. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung sammelt ebenfalls Material zur Geschichte der DDR-Opposition, unter anderem das Archiv unterdrückter Literatur in der DDR, die Überlieferung der beiden Bundestags-Enquete-Kommissionen zur DDR-Geschichte aus den 1990er-Jahren, ein Zeitzeugenarchiv, einige Vor- und Nachlässe, eine Plakatsammlung und ein Bildarchiv. Online bietet die Stiftung jedoch lediglich ein Bestandsverzeichnis, mit einer Ausnahme aber keine Findbücher.

Abschließend sei noch auf das Großprojekt Archives Portal Europe verwiesen, einer europaweiten Metasuchmaschine für Archivbestände. Knapp 7.000 Archive haben dort bisher ihre Bestandsverzeichnisse und Findhilfsmittel eingepflegt. Auch hier ist sowohl eine Volltextrecherche als auch eine systematische Recherche nach Land, Region, Archiv und Bestand möglich. Das Portal eignet sich insbesondere als Einstieg für das Auffinden von relevanten Beständen zur DDR-Geschichte aus nicht-deutschen Archiven.

2.5 Digitale Quellen

Die Digitalisierung von Quellen und ihre Bereitstellung im Netz gehört zu den wichtigsten Aufgaben im Internetzeitalter. Die DDR-Geschichte hinkt hier – wie die Zeitgeschichte insgesamt – anderen Epochen hinterher. Der Grund dafür liegt in der schieren Fülle der Quellen, die eine Auswahl schwierig macht. Doch auch die bereits begonnenen großen zeithistorischen Editionen, die bereits seit Jahrzehnten laufen, stehen überwiegend noch nicht online zur Verfügung.

Archivquellen

Grundsätzlich steht jede Institution, die Archivquellen online verfügbar machen möchte, vor der Frage, ob sie lediglich Dokumente einscannen und ins Netz stellen will, oder ob einer kritischen kommentierten Quellenedition der Vorzug gegeben wird. Erstere Variante, die naturgemäß erheblich schneller geht, wird vor allem von den Archiven als Verwahrern der Quellen bevorzugt. Hier spielt auch der konservatorische Aspekt der Schonung der Originale eine Rolle. Das Bundesarchiv etwa hat in den vergangenen Jahren einige für die DDR-Geschichte zentrale Bestände digitalisiert, darunter die Unterlagen des zentralen runden Tisches und der letzten Volkskammer der DDR, die Protokolle der Sitzungen des Ministerrates, die Protokolle des Nationalen Verteidigungsrates sowie die Protokolle des Politbüros und die des Zentralsekretariats des Zentralkomitees der SED. Diese stehen ebenso im ARGUS-Portal zur Verfügung wie einige Dokumente aus dem Bestand des BStU. Hier handelt es sich neben den Richtlinien und Dienstanweisungen aus der Dokumentensammlung der Dokumentenstelle im Büro der Leitung des MfS vor allem um Tonaufzeichnungen.[99] Die Benutzung dieser Dokumente ist allerdings etwas umständlich, da jedes Blatt nur einzeln aufgerufen und heruntergeladen werden kann und eine Volltextsuche mangels OCR nicht möglich ist.

Die im Auftrag des Auswärtigen Amtes vom IfZ herausgegebenen Akten zur deutschen Auswärtigen Politik (ADAP), die jahrgangsweise jeweils nach Ablauf der 30-jährigen Sperrfrist herausgegeben werden,[101] stehen jeweils vier Jahre nach Erstveröffentlichung kostenfrei über die Verlagshomepage im Open Access zur Verfügung. Sie können abschnittsweise als PDF-Dateien heruntergeladen werden, die eine Volltextrecherche ermöglichen. Bislang kann auf die Jahrgänge 1949–1953 und 1963–1982 zugegriffen werden. Ebenfalls zum Download stehen Zusatzdokumente zu der zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit vorgelegten Edition Die Einheit. Das Auswärtige Amt, das DDR-Außenministerium und der Zwei-plus-Vier-Prozess bereit, allerdings nicht in einer edierten Fassung, sondern als faksimilierte Originaldokumente. Von der anderen großen Langzeitedition, die für die DDR-Geschichte von Relevanz ist, den Dokumenten zur Deutschlandpolitik, stehen online nach wie vor lediglich die Inhaltsverzeichnisse sowie zu einzelnen Schwerpunkten Galerien mit Dokumenten und Bildern zur Verfügung.

Die einzige größere genuine Quellenedition zur DDR-Geschichte, die von vornherein als Online-Edition angelegt ist, ist die im Auftrag des BStU herausgegebene Edition Die DDR im Blick der Stasi – die geheimen Berichte an die SED-Führung. Hier werden die jährlich in dreistelliger Zahl erstellten Berichte, mit denen das MfS die Staats- und Parteiführung der DDR über die Lage im Innern informiert hat, vollständig ediert. Es handelt sich um eine kommentierte Edition, die Personen, Begriffe, Institutionen und Zusammenhänge erläutert und über Überlieferung, Verteiler und weitere quellenkritisch relevante Aspekte Auskunft gibt. Die Berichte werden jahrgangsweise in hybrider Form herausgegeben: Die ausführliche Einleitung sowie eine Auswahl der Dokumente erscheinen als gedrucktes Buch, der komplette Jahrgang steht in einer Datenbank online zur Verfügung; jeweils ein Jahr nach Veröffentlichung wird der jeweilige Jahrgang frei zugänglich gemacht. Die Datenbank ermöglicht somit eine jahrgangsübergreifende Volltextrecherche mit zahlreichen Suchmöglichkeiten. Darüber hinaus ist sie als kostenlose App für Tablets und Smartphones verfügbar.[105] Bisher sind neun Jahrgänge der Edition erschienen.[106]

Neben dieser Edition stellt die BStU umfangreiche Dokumentensammlungen zu weiteren Themen als Digitalisate online zur Verfügung, darunter Grundsatzdokumente zur Geschichte des Ministeriums für Staatssicherheit, Dokumente zum Komplex Flucht und Grenze sowie Dokumente zum Verhältnis von MfS und KGB. Weitere, kleinere Dokumentensammlungen sowie Fotos und audiovisuelle Quellen zu spezielleren Themen finden sich in der Mediathek des BStU. Diese sind knapp kommentiert, ohne den Anspruch einer wissenschaftlichen Edition zu erheben. Die Dokumente sind sowohl als (virtuelles) Faksimile als auch als leichter lesbares Transkript verfügbar.

Selbstverständlich finden sich weitere schriftliche Archivquellen zur DDR-Geschichte auch an anderen Stellen, etwa in allgemeinen Quellensammlungen wie „100(0) Schlüsseldokumente zur Deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert“ (10 Treffer), diversen themenspezifischen Portalen – wie etwa die Dokumentensammlung auf der Homepage des DHI Washington oder die Download-Angebote des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung – oder in großen Online-Sammlungen wie den europeana-collections oder in dem Portal eurodocs. Eine systematische Recherche, wie sie für wissenschaftliche Zwecke notwendig ist, ist mit diesen Sammlungen jedoch kaum möglich; die Ergebnisse von Recherchen sind von einer gewissen Beliebigkeit gekennzeichnet.

Retrodigitalisierte Quellen

Neben Archivquellen können auch online zur Verfügung gestellte retrodigitalisierte gedruckte Quellen von großem Nutzen sein. Ein herausragendes Beispiel ist das von der Staatsbibliothek Berlin in Kooperation mit dem ZZF Potsdam und drei Zeitungsverlagen entwickelte Projekt DDR-Presse online. In diesem Projekt wurden die drei DDR-Tageszeitungen Neues Deutschland, Berliner Zeitung und Neue Zeit für den Zeitraum von 1945/46 bis zu den frühen 1990er-Jahren vollständig digitalisiert und im Volltext erschlossen. Eine Recherche ist sowohl über Suchbegriffe als auch systematisch nach Ausgabe und Seitenzahl möglich. Mit der parallelen Anzeige von Faksimile und OCR-Text, den vielfältigen Suchoptionen und den verlinkten weiterführenden Informationen zu Begriffen, Personen und Themen ist die Benutzerfreundlichkeit dieses Projektes vorbildlich. Der Zugriff ist für Inhaber eines Bibliotheksausweis der Staatsbibliothek kostenlos, die meisten anderen Bibliotheken und wissenschaftlichen Institutionen ermöglichen ihren Nutzern ebenfalls einen kostenlosen Zugang. Das Vorhaben des Bundesarchivs, das Gesetzblatt digital zur Verfügung zu stellen, ist dagegen leider in Ansätzen stecken geblieben: Nur die Jahrgänge 1949 und 1950 stehen zur Verfügung. Vollständig einsehbar ist das Gesetzblatt nur über einen kommerziellen Anbieter, allerdings ist über zahlreiche Universitäts- und Bibliotheksnetzwerke ein kostenloser Zugriff möglich. Dagegen finden sich die DDR-Verfassung sowie zahlreiche weitere zentrale Rechtsvorschriften zur DDR-Geschichte samt Veränderungen im zeitlichen Verlauf in dem Portal verfassungen.ch, wobei dessen Zitierfähigkeit mangels aussagekräftigen Impressums begrenzt ist. Erwähnt sei noch das Projekt Scripta Paedagogica Online der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, das zahlreiche bildungshistorische Quellen in retrodigitalisierter Form anbietet, darunter diverse Lehrpläne und amtliche Mitteilungen aus der DDR.

Fotos und audiovisuelle Quellen

Besser als für schriftliche Quellen sehen das digitale Angebot und die Recherchemöglichkeiten für Bildquellen aus. Zahlreiche öffentliche Archive und Museen haben mittlerweile große Teile ihrer Bildbestände digitalisiert und ermöglichen komfortable Online-Recherchen. Zu den für die DDR-Geschichte bedeutendsten zählt die digitale Bilddatenbank des Bundesarchivs, in der sich ein „repräsentativer Querschnitt“ von über 200.000 Bildern aus dem eigenen Bestand sowie aus dem des Bundespresseamt online recherchieren lässt,[119] darunter eine große Anzahl mit DDR-Bezug. Fündig wird der Nutzer auch in den Objektdatenbanken des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sowie des Deutschen Historischen Museums in Berlin, in denen jeweils gezielt nach Fotos, Plakaten sowie Postkarten zur Geschichte der DDR recherchiert werden kann. Die Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte (ehemals Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz), bietet ebenfalls zahlreiche für die DDR-Geschichte relevante Bestände und fotografische Nachlässe, in denen online recherchiert werden kann. Eine Recherche ist in diesen Portalen zumeist kostenlos und ohne Anmeldung möglich, für einen hochaufgelösten Download sowie für die Nutzung werden hingegen in der Regel Gebühren fällig. Gleiches gilt für kommerzielle Anbieter von Fotos wie ullstein-bild oder für die Online-Plattform picture-alliance, der sechs große Bildagenturen, darunter die der dpa, angehören und die über 50.000 Fotos zur DDR-Geschichte enthält.

Ein besonderer Bestand ist das Pressebildarchiv des SED-Zentralorgans Neues Deutschland aus der Zeit von 1963 bis 1994, das etwa eine Millionen offizielle Pressefotos umfasst. Ergänzt um verschiedene Sammlungen von DDR-Fotografen ist es unter ddrbildarchiv.de online abrufbar. Zu erwähnen ist noch ein nützliches übergreifendes Recherche-Tool: das von einer Gruppe von Institutionen und Vereinen getragene Portal fotoerbe, auf dem Informationen zu einer Vielzahl von Bildarchiven und Fotobeständen zusammengetragen sind und das eine thematische Suche erlaubt (zum Stichwort „DDR“ finden sich allein 115 Bestände).

Das filmische Erbe der DDR wird von der 1998 gegründeten DEFA-Stiftung verwaltet. Auf der Homepage der Stiftung finden sich Informationen zu den von der DEFA produzierten Filmen, darunter auch die Ausgaben der DDR-Wochenschau Der Augenzeuge. Die Filme der DEFA werden nach und nach digitalisiert; eine Liste der bereits digitalisierten Titel findet sich ebenfalls auf der Homepage.

2.6 Digitale Medien

Der Stand des digitalen Publizierens ist in der DDR-Geschichte – wie in der Geschichtswissenschaft insgesamt – noch nicht sehr weit fortgeschritten. Prognosen aus den 1990er-Jahren, denen zufolge in absehbarer Zeit beispielsweise Dissertationen allein mangels Finanzierbarkeit nicht mehr gedruckt werden würden, haben sich nicht bewahrheitet. Zwar bieten mittlerweile nahezu alle Universitäten die Möglichkeit, Promotionsschriften auf den Servern der Universitätsbibliotheken zu veröffentlichen, doch kaum eine NachwuchshistorikerIn möchte nach jahrelanger mühevoller Arbeit darauf verzichten, seine bzw. ihre Dissertation in gedruckter Form in den Händen zu halten. Auch für eine substantielle Wahrnehmung durch die scientific community ist die Publikation einer monografischen Darstellung in einem Verlag in der Regel unerlässlich. Indes sind viele Verlage mittlerweile dazu übergegangen, Bücher parallel auch als E-Book herauszubringen, was jedoch keine freie Zugänglichkeit über das Internet bedeutet. Bei den Instituten ist das ZZF Vorreiter: Es hat jüngst eine große Zahl der in der Schriftenreihe Zeithistorische Studien erschienenen Monografien und Sammelbände, überwiegend zur DDR-Geschichte, als Volltexte auf einem e-Dok-Server öffentlich zugänglich gemacht.

Kürzere Beiträge wie Aufsätze eignen sich eher für eine digitale Publikationsform, doch stellt diese – zumindest als ausschließliche Variante – auch im Bereich der DDR-Geschichte weiterhin eine seltene Ausnahme dar: Aus Tagungen hervorgegangene Sammelbände, die in der Regel eine kürzere Halbwertszeit haben als Monografien und über deren Sinnhaftigkeit prinzipiell kritisch diskutiert wird, erscheinen nach wie vor fast ausschließlich in Buchform. Auch Zeitschriften werden weiterhin in den meisten Fällen gedruckt. Ein für die DDR-Geschichte wichtiges Pionierprojekt digitaler Publikation ist die vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam herausgegebene Zeitschrift Zeithistorische Forschungen, die seit 2004 parallel online und gedruckt erscheint. Die hybride Publikationsform bedingt, dass sich die Zeitschrift durch regelmäßige Erscheinungsweise und die Abwechslung von themenbezogenen und offenen Heften stark an der „klassischen“ Zeitschriftenpublikation orientiert. Demgegenüber ist es bezeichnend, dass die einzige ausschließlich digital erscheinende deutschsprachige geschichtswissenschaftliche Zeitschrift, die auf der erwähnten Plattform historicum.net angesiedelten zeitenblicke nach gut zehn Jahren offenkundig mangels Resonanz eingestellt wurde.

Einen anderen Weg ist das Deutschland Archiv gegangen, die einzige wissenschaftliche Zeitschrift, die sich dezidiert mit der DDR- und der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte befasst. Seit der Übernahme der Redaktion durch die Bundeszentrale für politische Bildung (2010) wurde nach und nach die Zahl der – zunächst parallel gedruckt und online erscheinenden – Ausgaben ausgedünnt. Im Jahr 2013 schließlich wurden die bisherigen Themenausgaben durch „dynamische Themenschwerpunkte“ abgelöst, die „fortlaufend erweitert werden“. An die Stelle eines klassischen Periodikums trat somit ein Portal. Auf eine gedruckte Ausgabe wollte man offenbar dennoch nicht vollständig verzichten, weshalb einmal im Jahr eine „Auswahl der wichtigsten Artikel“ in einer Art Jahrbuch erscheint. Die Vermischung von Beiträgen aus (älteren) chronologischen Ausgaben mit denen der Themenschwerpunkte sowie die vielen unterschiedlichen Formate der Beiträge tragen allerdings nicht zur Übersichtlichkeit des Portals bei. Die ebenfalls von der Bundeszentrale herausgegebene politikwissenschaftliche Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte mit sporadischen Beiträgen zu DDR-Themen erscheint als Hybrid-Ausgabe etwa zweiwöchentlich vollständig sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form.[134] Die älteste deutsche zeithistorische Zeitschrift, die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, erscheint hingegen nach wie vor nur gedruckt.[136]Ältere Ausgaben bis zum Jahrgang 2011 stehen aber retrodigitalisiert kostenlos zum Download zur Verfügung.[138] Ebenfalls retrodigitalisiert abrufbar sind die Ausgaben des von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebenen Archiv für Sozialgeschichte bis zum Jahrgang 2005.

Relativ etabliert sind hingegen digitale Publikationsformate für Rezensionen. Die beiden für die Zeitgeschichte wichtigsten sind das 2001 etablierte Online-Rezensionsportal sehepunkte.de, dessen zeithistorischer Bereich redaktionell vom Institut für Zeitgeschichte betreut wird, und das 1996 am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin eingerichtete Fachportal H-Soz-Kult. Während die sehepunkte als klassische digitale Zeitschrift mit monatlichen Ausgaben erscheinen, werden die Rezensionen von H-Soz-Kult – neben zahlreichen anderen Beiträgen – in Form eines Newsletters verschickt, bleiben aber dauerhaft über die Homepage abrufbar. Beide Projekte decken das gesamte Spektrum der Geschichtswissenschaft einschließlich verwandter Disziplinen ab; wer sie regelmäßig konsultiert, wird aktuell über einen großen Teil der wesentlichen Neuveröffentlichungen zur DDR-Geschichte informiert. Zu erwähnen sind darüber hinaus die digital publizierten Rezensionen des von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebenen Archiv für Sozialgeschichte, in denen ebenfalls zahlreiche Publikationen zur DDR-Geschichte besprochen werden und die sich über eine Datenbank systematisch recherchieren lassen. Übergreifende Recherchen in diesen drei sowie in weiteren Rezensionsorganen ermöglicht das Portal recensio.net.

3. Zusammenfassung, Desiderate und Ausblick

Die Digitalisierung und der Siegeszug des Internets haben die Recherchemöglichkeiten zur Geschichte der DDR innerhalb des letzten Vierteljahrhunderts erheblich verbessert und vereinfacht. Insbesondere gezielte Literaturrecherchen sind Dank Online-Katalogen und ‑Bibliografien mittlerweile bequem vom heimischen bzw. Instituts-Schreibtisch aus zu erledigen. Auch Archivbesuche lassen sich mithilfe von digitalen Findhilfsmitteln und Online-Bestellmöglichkeiten inzwischen erheblich besser vorbereiten. Der Gang in die Bibliothek bzw. ins Archiv selbst bleibt dem/der an DDR-Geschichte interessierten HistorikerIn indes nach wie vor nicht erspart, denn sowohl Quellen als auch Forschungsliteratur stehen nur in sehr geringem Umfang online zur Verfügung. Dies wird – und das gilt für die Zeitgeschichte insgesamt – auch auf absehbare Zeit so bleiben.

Erheblich verbessert haben sich auch die Möglichkeiten des digitalen Fachaustausches, der inzwischen weit überwiegend über das Internet erfolgt. Auch wenn es keine eigene Plattform für die DDR-Geschichte gibt: Wer H-Soz-Kult als Newsletter abonniert hat und zusätzlich regelmäßig die Rezensionen auf sehepunkte.de und im Archiv für Sozialgeschichte online konsultiert, kann sich sicher sein, über einen Großteil der wesentlichen Neuerscheinungen, Zeitschriften, Konferenzen, Call for Papers, Stellen- und Stipendienangebote im Bereich der DDR-Geschichte informiert zu sein.

Im Hinblick auf die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen scheint die digitale Entwicklung hingegen nur langsam vorwärts zu kommen. Von Tagungsberichten und Rezensionen sowie aktuellen Debattenbeiträgen abgesehen überwiegt weiterhin die gedruckte Form – egal ob es sich um Zeitschriftenaufsätze, Tagungsbände, Editionen oder Monografien handelt. Den Pionieren des digitalen Publizierens wie den Zeithistorischen Forschungen oder dem Deutschland Archiv ist kaum etwas gefolgt. Hier mögen Urheberrechtsfragen, kommerzielle Erwägungen von Verlagen sowie das Problem der digitalen Langzeitarchivierung eine Rolle spielen. Insgesamt ist das vielbeschworene Thema Open Access im Bereich der Zeitgeschichte in Deutschland noch nicht sehr weit gediehen.

Die Frage der digitalen Zurverfügungstellung von Primärquellen ist eine von Prioritäten und von Qualität. Bislang gibt es im Bereich der DDR-Geschichte hier nur wenige Leuchtturmprojekte wie die erwähnten DDR-Presse online und Die DDR im Blick der Stasi. Angesichts der großen Fülle und unterschiedlichen Medialität der zur Verfügung stehenden Quellen stellt sich auch die Frage nach dem Sinn der Digitalisierung. Ganze Bestände staatlicher Archive vollständig zu digitalisieren und online zur Verfügung zu stellen wird kaum praktikabel sein. Und einer wie auch immer getroffene Auswahl, sofern sie nicht, wie bei klassischen Editionen klar begründet und themenbezogen erfolgt, haftet immer ein Stück Zufälligkeit und Beliebigkeit an. Sie ersetzt daher nicht den Gang ins Archiv. Die Priorität der Archive sollte daher darauf liegen, Findhilfsmittel möglichst vollständig zugänglich zu machen, bevor mehr oder weniger willkürlich Dokumente eingescannt und online gestellt werden. Auf der anderen Seite gilt es, die bestehenden, qualitativ hochwertigen kommentierten Editionen wie etwa die Dokumente zur Deutschlandpolitik und die Akten zur deutschen Auswärtigen Politik möglichst rasch auch online zugänglich zu machen und zwar in einer Form, die die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, sinnvoll nutzt. Der Aufwand dafür wäre zwar nicht unerheblich, das Ergebnis aber weit besser nutzbar als das Einstellen von PDF-Dokumenten ohne OCR-Erkennung im Netz oder groß angelegte Portale wie die europeana, die in Inhalt, Form und Provenienz so unterschiedliche Dokumente und Fotos umfassen, das eine Recherche zumindest für wissenschaftliche Zwecke hier kaum sinnvoll ist.

Im Hinblick auf themenbezogene Portale kommt man angesichts der Fülle des Angebots mit Bezug auf die DDR-Geschichte klar zu dem Fazit: Weniger wäre mehr. Nur wenige Angebote erfüllen tatsächlich hohe Qualitätsmaßstäbe, vieles wird als temporäres Projekt in die Welt gesetzt und anschließend nicht nachhaltig gepflegt. Die Folge sind: Veraltete Informationen, fehlerhafte Links, mangelnde Kompatibilität mit neuen Browsern, altmodische Layouts und mangelnde Verknüpfung mit anderen Online-Ressourcen. Online-Informationsressourcen sind mittelfristig nur dann von Wert, wenn sie kontinuierlich gepflegt, aktualisiert und überarbeitet werden. Hier liegt noch einiges im Argen. Das Problem ist indes strukturell bedingt: Für neue Projekte gibt es häufig Fördermittel, mit denen diese auf den Weg gebracht werden können, doch zur dauerhaften Etablierung braucht es einer ebensolchen Finanzierung, die nur über institutionalisierte Etats, nicht über Projektmittel zu leisten ist. Stiftungen und andere Institutionen, die entsprechende Projekte initiieren oder fördern, sollten sich daher gut überlegen, ob sie, statt immer wieder neue Websites und Online-Portale zu etablieren, nicht lieber vorhandene Projekte dauerhaft unterstützen.

Die Geschichte der DDR als „abgeschlossenes“ und klar abzugrenzendes Forschungsgebiet böte eigentliche beste Voraussetzungen für ein zentrales Online-Portal, das alle wesentlichen Informationsressourcen zu diesem Themengebiet bündelt bzw. auf sie verweist. Das Fehlen eines solchen zentralen Portals mag man bedauern, es ist aber dem föderal und pluralistisch verfassten Staats- und Gesellschaftssystem der Bundesrepublik geschuldet. Zahlreiche öffentliche Institutionen konkurrieren auf dem Feld der DDR-Geschichte um Aufmerksamkeit und Ressourcen – und das ist auch gut so: Konkurrenz belebt das Geschäft. Im Zeitalter der Suchmaschinen ist der Wert von zentralen Anlaufstellen oder Linklisten ohnehin relativ, beginnen doch die meisten Internet-Recherchen ohnehin bei Google oder Wikipedia. Und die Mühe, die Qualität der auf diese Weise erzielten Ergebnisse zu prüfen, kann dem bzw. der einzelnen HistorikerIn letztlich niemand abnehmen – auch dieser Beitrag nicht.

Literaturhinweise

Bösch, Frank (Hrsg.), Geteilte Geschichte. Ost- und Westdeutschland 1970–2000, Göttingen 2015.
Engelmann, Roger u.a. (Hrsg.), Das MfS-Lexikon. Begriffe, Personen und Strukturen der Staatssicherheit der DDR, 3. aktualisierte Aufl., Berlin 2016.
Gieseke, Jens (Hrsg.), Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit, Berlin 2012.
Hoffmann, Dierk; Schwartz, Michael; Wentker, Hermann, Die DDR als Chance. Desiderate und Perspektiven künftiger Forschung, in: Mählert, Ulrich (Hrsg.), Die DDR als Chance. Neue Perspektiven auf ein altes Thema, Berlin 2016, S. 23–70.
Hüttmann, Jens, DDR-Geschichte und ihre Forscher. Akteure und Konjunkturen der bundesdeutschen DDR-Forschung, Berlin 2008.
Kleßmann, Christoph, Verflechtung und Abgrenzung. Aspekte der geteilten und zusammengehörigen deutschen Nachkriegsgeschichte, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (1993) 29–30, S. 30–41.
Kubina, Michael (Bearb.), FDGB-Lexikon. Funktion, Struktur, Kader und Entwicklung einer Massenorganisation der SED (1945–1990), hrsg. v. Dowe, Dieter; Kuba, Karlheinz; Wilke, Manfred, Berlin 2009.
Müller-Enbergs, Helmut u.a. (Hrsg.), Wer war wer in der DDR? Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, Berlin 2010^5 (1992).
Zimmermann, Hartmut, DDR-Handbuch, 2 Bde., Köln 1985.

Fußnoten

  1. [1] Für Hinweise und Anregungen zu diesem Beitrag danke ich meinen Kolleginnen Andrea Bahr, Tanja Ebers und Anita Krätzner-Ebert.
  2. [2] Vgl. u.a. Kleßmann, Christoph, Verflechtung und Abgrenzung. Aspekte der geteilten und zusammengehörigen deutschen Nachkriegsgeschichte, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (1993) 29–30, S. 30–41; Hoffmann, Dierk; Schwartz, Michael; Wentker, Hermann, Die DDR als Chance. Desiderate und Perspektiven künftiger Forschung, in: Mählert, Ulrich (Hrsg.), Die DDR als Chance. Neue Perspektiven auf ein altes Thema, Berlin 2016, S. 23–70; Bösch, Frank (Hrsg.), Geteilte Geschichte. Ost- und Westdeutschland 1970–2000, Göttingen 2015.
  3. [3] Diese Sonderstellung spiegelt sich auch in dem vorliegenden Online-Guide: Ist die DDR-Geschichte als „Epoche“ oder als „Region” einzustufen? Warum gibt es neben einem allgemeinen Beitrag zur „Zeitgeschichte nach 1945“ noch einen eigenen zur DDR, aber keinen zur Bundesrepublik?
  4. [4] Vgl. dazu Hüttmann, Jens, DDR-Geschichte und ihre Forscher. Akteure und Konjunkturen der bundesdeutschen DDR-Forschung, Berlin 2008.
  5. [5] Vgl. daher auch den Beitrag von Marcus Böick, Rüdiger Graf und Marcel Schmeer zu „Zeitgeschichte nach 1945“ in diesem Handbuch, https://guides.clio-online.de/guides/epochen/zeitgeschichte-nach-1945/2018.
  6. [11] Die weiteren Angebote sind die Plattform Visual History, die Enzyklopädie Docupedia-Zeitgeschichte, das Online-Angebot der Zeitschrift „Zeithistorische Forschungen“ sowie der e-Dok-Server des ZZF. Siehe dazu unter 2. „Digitale Medien“.
  7. [28] Die Nachschlagewerke www.ddr-lexikon.de und www.ddr-wissen.de können mangels Quellenangaben zu den Artikeln und mangels transparenten Impressums nicht als solche gelten.
  8. [29] Zimmermann, Hartmut (wiss. Leitung), DDR-Handbuch, 2 Bde., Köln 1985.
  9. [31] Kubina, Michael (Bearb.), FDGB-Lexikon. Funktion, Struktur, Kader und Entwicklung einer Massenorganisation der SED (1945–1990), hrsg. v. Dowe, Dieter; Kuba, Karlheinz; Wilke, Manfred, Berlin 2009.
  10. [33] Vgl. Engelmann, Roger u.a. (Hrsg.), Das MfS-Lexikon. Begriffe, Personen und Strukturen der Staatssicherheit der DDR, 3. aktualisierte Aufl., Berlin 2016.
  11. [34] Müller-Enbergs, Helmut u.a. (Hrsg.), Wer war wer in der DDR? Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, Berlin 2010^5 (1992).
  12. [35] Weber, Hermann; Herbst, Andreas, Deutsche Kommunisten, Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, 2., überarb. u. stark erw. Aufl. Berlin 2008.
  13. [41] Gieseke, Jens (Hrsg.), Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit, Berlin 2012.
  14. [43] Vgl. dazu den Beitrag „Zeitgeschichte nach 1945“ des Clio-Online-Guides. https://guides.clio-online.de/guides/epochen/zeitgeschichte-nach-1945/2018.
  15. [46] Zu dem Projekt fand im Oktober 2017 ein Workshop am Institut für Zeitgeschichte in München statt, vgl. https://www.bsb-muenchen.de/fileadmin/pdf/veranstaltungen/dhb_workshop_2017_programm_20170802.pdf.
  16. [69] Mit Ausnahme des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten, dessen Archivgut vom politischen Archiv des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland verwahrt wird.
  17. [74] Ersteres ist für die Bezirke Cottbus, Frankfurt an der Oder und Potsdam, letzteres für die Bezirke Halle und Magdeburg zuständig.
  18. [77] Auch einzelne Kreis-, Stadt- Universitäts- und Kirchenarchive sind an dem Portal beteiligt.
  19. [84] Eine online zur Verfügung stehende PDF-Version des Findbuchs zum zentralen Parteiapparat der Ost-CDU ist in Vorbereitung.
  20. [99] Eine Liste der digitalisierten Bestände findet sich unter https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Artikel/Finden/digitalisierte-bestaende.html.
  21. [101] Für alle anderen staatlichen Bestände zur DDR gilt diese 30-Jahres-Frist nicht.
  22. [105] Dies gilt bisher jedoch nur für Geräte mit Apple-Betriebssystem.
  23. [106] Es handelt sich um die Jahrgänge 1953, 1956, 1961, 1964, 1965, 1976, 1977, 1981 und 1988.
  24. [119] Das stellt nur einen kleinen Ausschnitt aus dem insgesamt rund elf Millionen Bilder umfassenden Bestand dar.
  25. [134] Dies gilt für die Ausgaben ab dem Jahrgang 2000.
  26. [136] Lediglich einzelne Beiträge werden über die Verlagshomepage kostenlos zum Download angeboten https://www.degruyter.com/view/j/vfzg.2017.65.issue-3/vfzg-2017-0022/vfzg-2017-0022.xml?format=INT
  27. [138] Ab 2012: kostenpflichtig; Volltextrecherche aber trotzdem möglich.

Zitation: Henrik Bispinck, DDR, in: Clio Guide – Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, Hrsg. von Laura Busse, Wilfried Enderle, Rüdiger Hohls, Thomas Meyer, Jens Prellwitz, Annette Schuhmann, 2. erw. und aktualisierte Aufl., Berlin 2018 (=Historisches Forum, Bd. 23), S. C.7-1 – C.7-34.