Japan

1. Geschichtswissenschaft und digitale Medien zu Japan

1.1 Einführung

Eine Studie aus dem Jahr 2008 (nur auf Japanisch) zur Einstellung japanischer HistorikerInnen zu digitalen Medien und deren Nutzung hat unter anderem ergeben, dass die relativ schwache Nutzung digitaler Medien daran liegt, dass das vorrangig benötigte Forschungsmaterial (Primär- und Sekundärliteratur) nicht digital verfügbar sei oder der Zugang zu diesen Medien nicht bekannt war. Aufgrund der teilweise rapiden Ausweitung des Angebotes ist davon auszugehen, dass die Nutzung in den vergangenen Jahren zumindest leicht angestiegen ist. Anders als für in Japan ansässige ForscherInnen, die leichter auf Originale und Kopien aus den dortigen Beständen zugreifen können, ist das digitale Angebot für JapanhistorikerInnen außerhalb Japans von herausragender Bedeutung. Sehr erfreulich ist es für diese Gruppe deshalb, dass die Zahl der digitalisierten Quellen und anderer digitalisierter Medien schnell zunimmt und eine Vielzahl dieser Quellen und Medien entweder allen Interessierten offensteht oder zumindest WissenschaftlerInnen mit Anbindung an Lehr- oder Forschungseinrichtungen in der Regel frei zugänglich ist. Eine wichtige Rolle bei der schnellen und zuverlässigen Versorgung in Deutschland ansässiger ForscherInnen mit japanischsprachigem Material spielt die von der Staatsbibliothek zu Berlin betriebene virtuelle Fachbibliothek CrossAsia (siehe 2.1).

1.2 Institutionelle Infrastrukturen in Japan

Von großer Bedeutung für die Versorgung mit digitalen Quellen und digitaler wissenschaftlicher Literatur ist insbesondere die Parlamentsbibliothek National Diet Library NDL. Sie betreibt eine eigene Plattform für digitalisierte Medien (National Diet Library Digital Collections)[3], von denen Teilbestände online zugänglich sind, während andere nur vor Ort in der NDL (oder in dazu zugelassenen Bibliotheken in Japan) eingesehen werden können. Die Sammlung umfasst unter anderem offizielle Gazetten (ab 1883), Materialien zur neueren politischen Geschichte Japans (Korrespondenzen, Manuskripte, Tagebücher, Fotos etc.) aus dem Besitz japanischer Politiker, Materialien aus und zur Besatzungszeit (1945–52), die sogenannte Gordon W. Prange Collection (japanische Zeitungen, Zeitschriften, Bücher) mit Beständen der amerikanischen Zensurbehörden in Japan, eine Sammlung akustischer Aufnahmen (50.000 Musik- und Sprachaufnahmen, 1900–1950), wissenschaftliche Filme (1950er–1990er-Jahre) und eine Transkriptionssammlung (27.000 Fernseh- und Radiotranskriptionen, vor 1980). Seit Mai 2016 ist auch die Sammlung Digital Library from the Meiji Era, die vor allem Bücher seit der Meiji-Ära (ab 1868) digitalisiert bereitstellt, in die NDL Digital Collections integriert. Die NDL stellt darüber hinaus auch einen wichtigen Online-Katalog (auch auf Englisch) zur Verfügung (siehe unten).

Darüber hinaus unterhalten Archive, Museen und Bibliotheken Onlinesammlungen, die für die historische Forschung relevante Materialien digitalisiert bereit stellen (siehe unten). Am bedeutendsten für die historische Forschung sind hierbei die Sammlungen JACAR (Japan Archive for Asian Historical Records) mit Materialien zur Geschichte der Beziehungen Japans zu Asien aus dem Nationalarchiv Japans, dem Diplomatic Records Office des japanischen Außenministeriums und dem National Institute for Defense Studies des japanischen Verteidigungsministeriums.

Auch die Bedeutung digitalisierter Sekundärliteratur ist in den vergangenen Jahren gestiegen, was zur Gründung eines Konsortiums japanischer Bibliotheken zum Ausbau einer digitalen Infrastruktur für wissenschaftliche Informationen geführt hat. Dieses Konsortium (JUSTICE, Japan Alliance of University Library Consortia for E-Resources) wurde 2011 gegründet und umfasst über 500 Institutionen.

2. Digitale Informationsressourcen und Medien zu JAPAN

2.1 Recherche

Portale

Ein allgemeines wissenschaftliches Einstiegsportal zur Geschichte Japans (und Asiens), das umfangreiches Material digital aufbereitet bietet, ist das vom ostasiatischen Institut der Columbia University zusammengestellte Asia for Educators. Es richtet sich an LehrerInnen und StudentInnen und bietet zum Teil sehr detaillierte Informationen zu Ost- und Südostasien mit genauen Zeitachsen für China, Japan, Korea, Vietnam und Südasien. Dazu bietet die Seite auch Unterrichtspläne, Zugang zu diversen Primärquellen (in Übersetzung) sowie andere multimediale Inhalte. Die Seiten sind sehr übersichtlich gestaltet und ermöglichen den einfachen Wechsel zwischen verschiedenen geografischen Regionen.

Das wichtigste Fachportal zur Recherche digitaler Informationen zu Ostasien ist die bereits kurz erwähnte, von der Staatsbibliothek zu Berlin betriebene virtuelle Fachbibliothek CrossAsia (xAsia). Es bündelt Zugänge zu Datenbanken in verschiedenen Sprachen (vor allem Englisch, Deutsch, Japanisch, Chinesisch, Koreanisch), die für die Identifizierung von Primär- und Sekundärliteratur sowie darüber hinaus für die Forschung zu Ostasien bedeutsam sind. Für registrierte Nutzer bietet sie einen zentralen und kostenfreien Zugang zu digitalen Quellen und Datenbanken für Ost- und Südostasienwissenschaften in westlichen und in ostasiatischen Sprachen. Die Datenbanksuche im Bereich Lizenzierte Datenbanken verlinkt zu über 100 Datenbanken zum Thema Asien und über 20 speziell zu Japan. Die Datenbanken können nach Sprache, Region, Fachgebiet und Quellentyp ausgewählt werden und bieten eine inhaltliche Kurzbeschreibung. Neben Zeitungsarchiven und Enzyklopädien umfasst CrossAsia auch den Zugriff auf WhoPlus (eine Datenbank mit biografischen Daten zu 330.000 japanischen und internationalen Persönlichkeiten), Brill Asian Studies E-Books online (seit 2003 veröffentlichte Publikationen sind vollständig verfügbar, aber auch alle früher veröffentlichten Bücher können durchsucht werden) und weitere Archive verschiedener Zeitungen und Zeitschriften wie der Okinawa Times, des Japan Chronicle oder der Japan Times. Während die virtuelle Forschungsumgebung CrossAsia Campus und das CrossAsia Forum nach erfolgter Registrierung allen NutzerInnen weltweit zur Verfügung stehen, können die Datenbanken nur von Einzelpersonen genutzt werden, die einem am Blauen Leihverkehr beteiligten Institut aus Deutschland angehören (zum Beispiel Forschende, Lehrende, Studierende etc.). Der Umfang der auf CrossAsia verlinkten Informationen geht weit über den Bereich der Geschichtswissenschaft hinaus, ist aber insbesondere für diese unverzichtbar. Leider nur in japanischer Sprache steht durch die NDL eine Forschungsnavigation (Research Navi) zur Geschichtswissenschaft zur Verfügung, die die Suche und den Zugang zu geschichtswissenschaftlich relevanten Informationen erklärt. Es sind dort unter anderem bibliographische Datenbanken, Zeitschriften und Bücher verlinkt. Ein ausführliches Online-Angebot auf Englisch und Japanisch stellt das International Research Center for Japanese Studies in Kyoto bereit. Es umfasst unter anderem kommentierte Links zu Datenbanken und einen hervorragenden OPAC.

Auf Englisch bietet das North American Coordinating Council on Japanese Library Resources (NCC) einen Überblick über Ressourcen, der vor allem auf US-amerikanische Bibliotheken zugeschnitten ist, mit vielen weiterführenden Links. Stärker auf wissenschaftliche Endnutzer zugeschnitten ist der Harvard Research Guide for Japanese Studies mit vielen Hinweisen zu Werkzeugen und Datenbanken für Japanstudien. Umfangreiche Linklisten befinden sich in der Regel auf den Webseiten von Japanologien anderer Universitäten, in Deutschland seien zum Beispiel mit besonderem Fokus auf japanischer Geschichte die Freie Universität Berlin und die Ruhr-Universität Bochum genannt.

Die Webseiten des Verbundes National Institutes for the Humanities (NIHU), ein Zusammenschluss von sechs verschiedenen Institutionen (unter anderem National Museum of Japanese History, International Research Center for Japanese Studies), die auf den Gebieten der japanischen Geschichte und Kultur kollaborieren, bieten in verschiedenen Kategorien kommentierte Linklisten zu Onlineressourcen für die geisteswissenschaftliche Erforschung Japans. Dazu kommen mehrere von NIHU selbst betriebene Datenbanken, wie ein Namensindex historisch bedeutender Persönlichkeiten und das NIHU Integrated Retrieval System (nihuINT). Dies ist eine Datenbank, die die Bestände der sechs Institutionen vereint und nach verschiedenen Material- und Ressourcetypen (unter anderem Volltext, Bilder, Bibliotheken, Bibliographien) auf Englisch und Japanisch durchsuchbar ist.

Das Historiographische Institut der Universität Tokyo betreibt mehrere Datenbanken mit umfangreichen Informationen zu seinen Beständen, Quellen einschließlich deren Volltexte aus verschiedenen vormodernen Perioden, zu historischen Persönlichkeiten sowie Links zu Fachwörterbüchern für historische Begriffe.

Fachbibliographien

Zur Geschichte Japans stehen Fachbibliographien in verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Auf Deutsch bietet die von Maik Hendrik Sprotte betriebene Bibliographie zur historischen Japanforschung rund 1.400 Einträge zu deutschsprachiger Sekundärliteratur zur Geschichte Japans, die seit 2003 erschienen ist. Volltexte werden nicht verfügbar gemacht, allerdings wird bei online verfügbaren Quellen dorthin verlinkt.

Für Primärquellen in Übersetzung steht die Bibliographie Japanische Quellen in Übersetzung mit etwas über 300 Einträgen zur Verfügung. Sie verweist auf Übersetzungen von Quellen spezifisch zur japanischen Geschichte. Die Seite steht auch auf Englisch, Französisch und Japanisch bereit.

Die wichtigste Fachbibliographie zu Asienstudien, die Bibliography of Asian Studies (BAS), kann aufgrund ihres Umfangs auch als wichtigste Bibliographie zur japanischen Geschichte gelten. Sie umfasst bibliographische Angaben zu Artikeln und Buchkapiteln in westlichen Sprachen (vor allem Englisch), die nach 1971 veröffentlicht wurden und sich mit Ostasien, Südasien oder Südostasien beschäftigen. Ihr disziplinärer Schwerpunkt liegt auf den Geistes- und Sozialwissenschaften. Derzeit enthält die BAS über 860.000 Einträge, und die Sammlung wird in regelmäßigen Abständen erweitert. Neben einer Suche nach Stichworten und anderen Kriterien, kann man auch bestimmte Zeitschriften durchsuchen oder sich der von der BAS erstellten Liste der hundert wichtigsten Journals bedienen. Eine zahlungspflichtige Registrierung ist allerdings notwendig.

Zur japanischen Geschichte existiert darüber hinaus die Bibliography of Japanese History up to 1912. Hierbei handelt es sich um eine umfangreiche Datenbank zu Artikeln in englischer Sprache, die sich mit Japan einschließlich bis zum Ende der Meiji-Zeit (1868–1912) beschäftigen. Zusammengestellt und verwaltet von Peter Kornicki (Cambridge) ermöglicht sie nicht nur eine Stichwortsuche in allen Einträgen, sondern bietet auch Filter nach Zeitperioden und thematischen Kategorien.

Speziell für alte und vormoderne Literatur steht der Union Catalogue of Early Japanese Books bereit, der vom National Institute for Japanese Literature betrieben wird. Er verweist auf Bücher und Manuskripte, die vor der Meiji-Zeit veröffentlicht wurden und über öffentliche Archive und Bibliotheken zugänglich sind. Die Suchmachine kann auf Englisch aufgerufen werden, liefert Ergebnisse allerdings nur auf Japanisch. Ebenfalls nur auf Japanisch stehen auf der Seite des Nationalinstitutes mehr als zwei Dutzend weitere Datenbanken verlinkt zur Verfügung, die unter anderem auch auf visuelle Medien verweisen.

Die wichtigste bibliographische Datenbank zur Identifizierung in Zeitschriften veröffentlichter japanischsprachiger Primärliteratur seit der Meiji-Zeit ist die Bibliographie Zassaku Plus. Sie bietet für eine wachsende Zahl von Zeitschriften überwiegend komplette bibliographische Angaben. Zugang bietet unter anderem die virtuelle Fachbibliothek CrossAsia.

Für in Japan (und überwiegend auf Japanisch) publizierte Sekundärliteratur gilt der Datenbank-Service CiNii (Scholarly and Academic Information Navigator) als Standard-Werkzeug. Er umfasst bibliographische Daten zu in Japan publizierten akademischen Veröffentlichungen in Büchern (CiNii Books), Zeitschriften (CiNii Articles) und Dissertationen (CiNii Dissertations). Verlinkt sind auch einige Volltexte, allerdings liegt der Fokus auf der Bereitstellung bibliographischer Daten zu wissenschaftlichen Artikeln in japanischen Zeitschriften und in universitären Forschungsmitteilungsblättern. Sie sind daher nicht auf Materialien zur japanischen Geschichte beschränkt. Neben den Metadaten zu den Artikeln selber werden bei den Ergebnissen auch andere Artikel derselben Autoren und ähnliche Artikel anderer Autoren aufgeführt, was die Suche nach Informationen zu einem erweiterten Themenkomplex erleichtert. Es werden sowohl englischsprachige als auch japanischsprachige Artikel geführt und durch die Übersetzung vieler Titel ins Englische ist eine Durchsuchung der Datenbank teilweise auch in englischer Sprache möglich.

Bibliothekskataloge

National Diet Library (NDL)

Die oben bereits genannte National Diet Library bietet ein umfangreiches Onlineangebot. Die Navigation auf der Hauptseite kann auf Englisch aufgerufen werden, alle weiterführenden Links und Materialien sind dagegen auf Japanisch. Die Seite bietet außerdem eine Metasuchfunktion für bibliographische Daten (NDL search), Datenbanken zu den Parlamentssitzungen seit der Meiji-Zeit, einem Katalog für in der Bibliothek einsehbare Onlinezeitschriften und einem speziellen Katalog für Bücher über Japan in westlichen Sprachen. Auf der Hauptseite sind zahlreiche weiterführende Portale verlinkt, wie zum Beispiel das umfangreiche Onlineportal der NDL Digital Collections. Dieses Portal ermöglicht das Durchsuchen von Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Dissertationen und anderer Quellen. Die Ergebnisse können nach Onlineverfügbarkeit, Fachbereich und Publikationszeitraum gefiltert werden. Quellenmaterial beginnend mit der Meiji-Zeit steht zur Verfügung, die Suche kann auf Englisch oder Japanisch erfolgen (wobei das Eingeben von japanischen Stichwörtern wesentlich bessere Ergebnisse liefert). Viele historische Bücher liegen komplett gescannt vor und können so direkt eingesehen werden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Eine weitere Verlinkung führt zur Index Database to Japanese laws, regulations and bills. Die Website enthält Informationen zu verschiedenen Gesetzen die zwischen 1890 und heute verabschiedet wurden und zeigt unter anderem an, wann sie in Kraft traten, geändert oder abgeschafft wurden.

Bibliothek der Universität Kobe

Das Onlinearchiv der Universität Kobe ist frei zugänglich und bietet neben den unieigenen Forschungsarbeiten auch Zugang zu Materialien zum großen Hanshin-Awaji Erdbeben 1995, der Sumida Maritime Materials Collection, die historische Bücher zu maritimen Angelegenheiten enthält, und einem historischen Zeitungsartikelarchiv namens Newspaper Clippings Collection. Diese digitale Sammlung beinhaltet vor allem Artikel zu den Themen Wirtschaft und Handel, die von 1912 bis 1970 als Projekt des Economics and Business Administration Department der Kobe Universität gesammelt wurden. Eine Besonderheit dieses Zeitungsartikelarchivs ist, dass die Artikel in 28 Kategorien und weitere 200 Unterkategorien vorsortiert wurden, was eine Suche nach bestimmten Sachgebieten ermöglicht. Neben Artikeln aus den großen nationalen Zeitungen sind auch viele aus lokalen Zeitungen integriert. Auf die Ergebnisse kann in Volltext zugegriffen werden.

OPAC der Ostasienabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin

Der Ostasien-OPAC erfasst Neuerwerbungen der Ostasienabteilung der Staatsbibliothek in ostasiatischen Sprachen seit 1951 im Rahmen eines von der DFG geförderten Sondersammelgebiets. Er erfasst somit die größte Ostasiensammlung Europas mit einem jährlichen Zuwachs von 20.000-25.000 Bänden. Für inländische ForscherInnen ist die Bibliothek bequem über den Blauen Leihverkehr nutzbar (Bücher und Aufsätze). Fachgebiete: Geistes- und Sozialwissenschaften. Über den allgemeinen Katalog der Staatsbibliothek sind auch westlichsprachige Werke unter anderem auch zur Geschichte Japans recherchierbar.

Archive

Das japanische Nationalarchiv bietet einen Teilbestand als Online-Archiv (Digital Archive) an. Die Sammlung umfasst unter anderem amtliche Dokumente aller Ministerien und Ämter, handschriftliche Originale, Teile des Kabinettarchivs sowie Karten. Gesucht werden kann nach Stichwörtern, Quellentyp (Dokumente, Karten etc.) und Region.

Für Recherchen zu Japans Beziehungen zu Asien steht das oben kurz erwähnte, mehrsprachige Online-Archiv Japan Center for Asian historical Records (JACAR) bereit. Es wird vom Nationalarchiv betrieben und ermöglicht den Zugriff auf über 28 Millionen Dokumente vom Beginn der Meiji-Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Ergänzend hierzu stehen digitalisiert Dokumente aus den Diplomatic Archives of the Ministry of Foreign Affairs zur Verfügung. Andere Archive, wie das Militärarchiv des National Institute for Defense Studies und die Archive der Imperial Household Agency mit Materialien zur kaiserlichen Familie bieten kein eigenes Digitalarchiv an. Lokale und regionale Archive wie zum Beispiel die Yokohama Archives of History bieten oftmals die Möglichkeit, über die Webseite Bestände online zu durchsuchen, ohne die gefundenen Dokumente allerdings online zugänglich zu machen. In der Regel stehen diese Suchfunktionen nur auf Japanisch zur Verfügung.

Museen

Die meisten Geschichtsmuseen bieten mittlerweile einen Online-Zugang zu Teilen ihrer Sammlungen bzw. einen die jeweiligen Ausstellungen begleitenden Onlineauftritt, der digitale Medien in verschiedenen Umfängen zugänglich macht. Oft sind diese Funktionen allerdings auf die japanische Version der Website beschränkt. Das National Museum of Japanese History verlinkt über seine japanische Seite verschiedene Datenbanken und eine umfassendere Version seiner „Web Gallery“. Die Datenbanken beinhalten Forschungsergebnisse zur japanischen Geschichte und Kultur sowie Informationen zu den Ausstellungsstücken des Museums. Die Web Gallery besteht im Wesentlichen aus Fotografien von Wandschirmen (Byōbu) und Schriftrollen verschiedener Epochen.

Das E-Museum – National Treasures and important cultural Properties of National Museums, Japan bietet hochauflösende Fotos von Nationalschätzen und Artefakten aus vier japanischen Nationalmuseen (Tokyo National Museum, Kyoto National Museum, Nara National Museum and Kyushu National Museum). Die Objekte werden ausführlich und mehrsprachig vorgestellt. Das virtuelle Musuem wird betrieben von den National Institutes for Cultural Heritage.

Als wichtiges städtisches Geschichtsmuseum beschäftigt sich das Edo-Tokyo Museum mit der Geschichte Tokyos (Edos) seit 1600. Auf der japanischsprachigen Website kann man den Bibliothekskatalog nach bibliographischen Daten sowie eine Datenbank der Sammlungsstücke des Museums durchsuchen. Noch sparsamer angelegt sind die Onlineauftritte zweier weiterer Geschichtsmuseen in Tokyo, des Shōwa-kan und des Yūshū-kan. Das Shōwa-Museum beschäftigt sich vor allem mit der Alltagskultur Japans während der Amtszeit des Shōwa-Kaisers (1926–89), wohingegen das Yūshū-kan ein militär- und kriegsgeschichtliches Museum ist. Beide gelten als nationalistisch-konservativ ausgerichtet und vor allem das Yūshū-kan, das auf dem Gelände des umstrittenen Yasukuni-Schrein beheimatet ist, gerät aufgrund seiner stark tendenziösen und geschichtsrevisionistischen Ausrichtung regelmäßig in die Kritik. Die Web-Auftritte bieten Zugriff auf den jeweiligen Online-Katalog.

Das Hiroshima Peace Memorial Museum bietet Informationen zur nuklearen Entwicklung, dem Zweiten Weltkrieg, dem Bombenabwurf auf Hiroshima 1945 sowie dessen sofortigen und späteren Folgen. Die Datenbank der Website kann nach Zeugenaussagen, Filmen, Büchern, Zeitungsartikeln, Artefakten und anderen Materialien auch auf englischer Sprache durchsucht werden. Film- und Tonaufnahmen können in der Regel direkt auf der Seite abgespielt werden. Über weiterführende Links kommt man unter anderem auf die Seite der NHK Peace Archives, wo vom öffentlichen Rundfunksender NHK produzierte Filme und Aufnahmen zum Thema Atombomben und Frieden frei zugänglich gemacht werden.

Lokal- und Regionalgeschichte genießt in Japan einen hohen Stellenwert. Daher findet man in Japan viele Museen, die sich ausschließlich mit lokaler oder regionaler Geschichte beschäftigen. Beispiele sind unter anderem das Tohoku History Museum, das Museum of Ehime History and Culture, das Okinawa Prefectural Museum und das Kyushu Historical Museum. Auch kleinere lokale Museen haben in der Regel eine (japanischsprachige) Website, die oft allerdings nur auf einen Onlinekatalog zu den Beständen verweist und daher keine digitalen Ressourcen an sich bereitstellt. Gegenbeispiele sind das Kagoshima Digital Museum und die Hyogo History Station. Beide sind explizit als digitale Museen angelegt, die Besuchern (der Webseite) Ausstellungsstücke und Informationen online anbieten. Thematischer Schwerpunkt ist die Geschichte der Stadt Kagoshima bzw. der Präfektur Hyōgo.

2.2 Kommunikation

Als wichtigstes Kommunikationsmedium für ForscherInnen zur japanischen Geschichte kann H-Japan gelten, das vom H-Net Network (Humanities and Social Sciences online) auf Englisch betrieben wird und an der Michigan State University in den USA beheimatet ist. Es beschäftigt sich vorrangig mit japanischer Geschichte und Kultur. Das Forum ist öffentlich einsehbar, und neue Postings können über die Mailingliste abonniert werden. Inhaltliche Schwerpunkte sind Ankündigungen von Veranstaltungen und Publikationen, Buchrezensionen, Ausschreibungen sowie allgemeine Diskussionen. H-Japan ist Teil des Netzwerks H-Net, das Kommunikationsforen für WissenschaftlerInnen und Interessierte aus fast allen sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen sowie zahlreichen Regionalwissenschaften (area studies) anbietet. Relevant für JapanhistorikerInnen sind unter anderem auch H-Asia (Asienstudien), H-NEAsia (transnationale Beziehungen in Nordostasien) und H-US-Japan (Japanisch-Amerikanische Beziehungen).

Vom Institute of Social Science der Universität Tokyo betrieben wird das SSJ-Forum, ein moderiertes Diskussionsforum für SozialwissenschaftlerInnen, die Japan-bezogene Forschung betreiben. Inhaltlich ähnlich ausgerichtet wie H-Japan wird es de facto stärker von in Japan ansässigen WissenschaftlernInnen genutzt.

Die wichtigste deutschsprachige Mailingliste J-Studien wird von der Gesellschaft für Japanforschung betrieben. Sie ist nicht-moderiert und inhaltlich ähnlich ausgerichtet wie H-Japan oder SSJ. Explizit als Forum für JapanhistorikerInnen versteht sich die Initiative zur historischen Japanforschung, ein loser Zusammenschluss von interessierten GeschichtswissenschaftlerInnen. Deren Mitglied Maik Hendrik Sprotte betreibt neben der Webseite und der oben bereits genannten Bibliographie auch eine Mailingliste, die gezielter als J-Studien über für HistorikerInnen relevante Publikation, Veranstaltungen und Ereignisse informieren soll.

2.3 Digitale Medien

Digitale Enzyklopädien

JapanKnowledge Lib (JK) ermöglicht das gleichzeitige Durchsuchen verschiedener Enzyklopädien, Wörterbücher und diverser Zeitungsquellen. Zu den verfügbaren Nachschlagewerken gehören unter anderem die Encyclopedia Nipponica, die Encyclopedia of Japan und die Encyclopedia of Japanese History. JK eignet sich für das Nachschlagen von Schriftzeichen, Fachvokabular, Umgangssprache sowie Termini aus der japanischen Geschichte. Zugang bietet unter anderem CrossAsia. Kotobank verfolgt ein ähnliches Konzept wie JK, allerdings ist die Suche hier einfacher gestaltet und die Benutzeroberfläche komplett auf Japanisch angelegt. Anstelle eines umfangreichen Auswahlmenüs, in dem man die zu durchsuchenden Wörterbücher oder Zeitungsquellen auswählt, gibt es ein Suchfeld (ähnlich wie bei Google), das automatisch alle Quellen durchsucht. Die Stichworteingabe kann auf Englisch oder Japanisch erfolgen und liefert Ergebnisse aus verschiedenen japanisch- und englischsprachigen Wörterbüchern und Enzyklopädien.

Zeitungen und Statistiken

Wie oben bereits in den Rubriken Portale, Bibliothekskataloge und Archive ausgeführt (2.1, 2.2) sind diverse Quellen (Monographien, Artikel aus Zeitschriften und Zeitungen) digitalisiert über verschiedene Datenbanken zugänglich. Einige der großen japanischen Tageszeitungen, die zu den auflagenstärksten der Welt gehören, haben ihre Archive größtenteils digitalisiert und stellen diese online zur Nutzung bereit. Zugang bietet unter anderem CrossAsia.

Das Onlinearchiv der seit 1879 erscheinenden Asahi Shimbun, das sich Kikuzo II Visual nennt, ermöglicht das Durchsuchen aller publizierten Artikel unter anderem nach Epochen, Schlagwörtern, Ausgabentyp und Region. Eine vereinfachte englische Suchfunktion ermöglicht auch das Suchen nach englischsprachigen Artikeln. Die Yomiuri Shimbun verfügt über ein ähnliches digitales Archiv, das Yomidasu Rekishikan, in dem über zehn Millionen Artikel seit 1874 unter anderem nach Schlagwörtern, Namen oder Daten durchsucht werden können. Alle Suchfunktionen sind auch auf Englisch verfügbar. Die Archiv-Datenbank der Mainichi Shimbun (Maisaku) umfasst in Auswahl (erst ab 1987 komplett) seit 1872 erschienene Artikel, die unter anderem nach Schlagwörtern durchsucht werden können. Die Nikkei Shimbun ist Japans größte Wirtschaftszeitung. Ihr Onlinearchiv, Nikkei Telecom, umfasst Vorgängerpublikationen der Zeitung seit 1877 sowie weitere Publikationen der Verlagsgruppe.

Das nationale Statistikbüro der japanischen Regierung veröffentlicht Statistiken, die von den verschiedenen Ministerien erhoben wurden, auf der offiziellen e-Stat Seite. Die Suche sowie die Ergebnisse sind bilingual (Englisch/Japanisch) verfügbar und neben einer vollständigen Suche gibt es auch Quicklinks zu den wichtigsten Daten und Fakten sowie Erläuterungen zur Erhebung der Daten. Zugänglich sind Statistiken seit 1920.

Weitere digitale Quellensammlungen

Verschiedene universitäre Einrichtungen und Forschungsinstitute in und außerhalb Japans haben Teile ihrer Sammlungen zur japanischen Geschichte digitalisiert. Die Kyoto Digital Library Rare Materials Exhibition der Universität Kyoto bietet online Zugang zu digitalisierten historischen Bildern und Schriftstücken. Es handelt sich vor allem um Rara wie Karten und Bildrollen, aber auch Werke japanischer Literatur. Geordnet sind sie nach Themen (nationale Kulturgüter, Erzählungen, historische Berichte, Naturwissenschaften). Eine Suche nach bestimmten Materialen ist über die Online-Datenbank möglich.

Eine Spezialsammlung der oben bereits erwähnten Parlamentsbibliothek NDL ist die Historical recordings collection. Diese Sammlung macht historische Audioaufnahmen (aufgenommen zwischen 1900 und 1989) frei zugänglich. Diese beinhalteten neben verschiedenen musikalischen Genres auch Kabuki- und andere Theateraufnahmen, Reden und Soundeffekte, die nach Stichwort, Genre oder anderen Kategorien durchsucht werden können. Eine Suche auf Englisch ist möglich.

Das Deutsche Institut für Japanstudien in Tokyo (DIJ) besitzt eine größere Sammlung an Materialien aus und zum Kriegsgefangenenlager in Bandō, wo von 1917–1920 deutsche und österreichische Gefangene des Ersten Weltkriegs untergebracht wurden. Die Bandō-Sammlung umfasst unter anderem im Lager hergestellte Bücher, Zeitschriften, Dokumente, Karten und Fotos sowie einige Tausend Dokumente aus anderen Lagern. Auf der deutschsprachigen Seite befinden sich virtuelle Ausstellungen, Digitalisierungen zahlreicher Dokumente sowie eine Indexfunktion, die das Durchsuchen gezielt nach Personen, Lagern oder Stichwort ermöglicht.

Die Bibliothek der University of Texas hat einen Großteil ihrer umfangreichen Kartensammlung Japan City Plans online gestellt, darunter einige hundert Karten von japanischen Städten, die von der kartografischen Abteilung des US-Militärs zwischen 1945 und 1946 erstellt wurden. Alle Aufnahmen sind hochauflösend und so bis ins Detail einsehbar. Die Phillips Library des Peabody Essex Museum (Salem) hat über einen kommerziellen Anbieter die Sammlung Meiji Japan – The Edward Sylvester Morse Collection digitalisiert zugänglich gemacht. Sie enthält Manuskripte aus dem Besitz Morses, der sich in der frühen Meiji-Zeit in Japan aufhielt. Zugang bietet unter anderem CrossAsia. Die University of California at Berkeley stellt in ihrer Japanese Historical Text Initiative (JHTI) eine Sammlung von historischen Texten in englischer Übersetzung bereit. Enthalten sind unter anderem Chroniken des kaiserlichen Hofs, Erzählungen und politische Texte bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die meisten Texte sind Englisch-Japanisch kreuzreferiert, das heißt man kann den japanischen Originalbegriff sehen, auf den sich die Übersetzung bezieht. Zugang nur mit Anmeldung möglich.

Visualizing Cultures ist eine Online-Studienplattform, die vom MIT betrieben wird und unter anderem den MIT Onlinekurs Visualizing Japan (1850s–1930s) integriert hat. Schwerpunkt der Sammlung sind Fotos, Karikaturen sowie Gemälde, die seit dem 19. Jahrhundert entstanden sind und sich mit Japan, Asien sowie der Eigen- und Fremdwahrnehmung von Asiaten beschäftigen.

Die Bibliothek der Universität Nagasaki bietet eine Database of Japanese old Photographs aus der Bakumatsu- und frühen Meiji-Zeit mit Zugriff auf 500 digitalisierte Fotos von Nagasaki und anderen Teilen Japans. Die Seite ist vollständig auf Englisch und Japanisch zugänglich und ermöglicht die Suche nach zeitlicher oder örtlicher Einordnung sowie nach Stichworten. Alle Fotos sind mit einer detaillierten Beschreibung und kulturgeschichtlichen Erläuterung versehen. Eine weitere Sammlung visueller Quellen ist die Kanō Collection der Tohoku University Image Library. Sie enthält unter anderem Fotos und Karten aus der Sammlung des Meiji-Intellektuellen Kanō Kōkichi (1865–1942). Neben einer Stichwortsuche können die Dokumente auch nach Themen durchsucht werden.

Quellen zur japanischen Geschichte (in englischer Übersetzung) sind verlinkt im Internet History Sourcebook, einer größeren, über Japan und Ostasien hinausreichenden Quellensammlung der Fordham University.

Elektronische Fachzeitschriften

Eine Übersicht über fachspezifische Zeitschriften, die überwiegend auf Englisch erscheinen, bietet die Homepage der European Association for Japanese Studies (EAJS). Auf alle genannten Zeitschriften kann über entsprechende Abonnements auch elektronisch zugegriffen werden, sofern sie nicht ohnehin durch Open Access verfügbar oder reine E-Journals sind. Ob an einer deutschen Universität bei kostenpflichtigen Verlagszeitschriften ein Zugriff lizenziert wurde, kann über die Elektronische Zeitschriftenbibliothek oder in der Regel auch die lokalen Online-Kataloge rasch ermittelt werden. Die meisten genannten Zeitschriften haben einen inhaltlichen Schwerpunkt im Bereich der Japan- oder Asienstudien, gehen also über das fachliche Interesse an der Geschichte Japans hinaus.

Japanischsprachige Fachzeitschriften wie Nihon Rekishi oder Nihonshi Kenkyū sind in der Regel (noch) nicht online verfügbar. Ausnahmen sind zum Beispiel die gemischt auf Japanisch und Englisch publizierenden Zeitschriften Asian Studies der Japan Association for Asian Studies (JAAS), die seit 1954 erscheint, und die Review of Asian and Pacific Studies, die vom Center for Asian and Pacific Studies der Seikei Universität in Tokyo herausgegeben wird. Eine der ältesten englischsprachigen Zeitschriften im Bereich Japanstudien, die Monumenta Nipponica (MN), wurde 1938 durch die jesuitische Sophia Universität in Tokyo gegründet. MN veröffentlicht vor allem Artikel aus den Geistes- und Kulturwissenschaften. Sie erscheint halbjährlich und ist über Project MUSE sowie JSTOR online verfügbar. Seit 1964 erscheinen die Beiträge ausschließlich in englischer Sprache. Contemporary Japan (CJ) ist die vom Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) herausgegebene Zeitschrift, die seit 2010 (Vorgänger Japanstudien seit 1990) halbjährlich erscheint. Inhaltlich ist sie stärker auf das Gegenwartsjapan ausgerichtet, berücksichtigt aber auch historische Forschung zum modernen und zeitgenössischen Japan. Seit 2017 erscheint Contemporary Japan bei Taylor&Francis.[102]

Japan Forum ist die offizielle Zeitschrift der British Association for Japanese Studies (BAJS), die Artikel aus verschiedenen Fachbereichen publiziert und dreimal jährlich erscheint.

Die halbjährlich erscheinende Zeitschrift Social Science Japan Journal (SSJJ) wird vom Institute of Social Sciences der Universität Tokyo herausgegeben und erscheint bei Oxford University Press. Sie veröffentlicht Artikel aller sozialwissenschaftlichen Disziplinen (einschließlich Geschichte), hat aber ihren Schwerpunkt auf zeitgenössischen Themen.

Das Journal of Japanese Studies (JJS) erscheint seit 1974 und wird herausgegeben von der Society for Japanese Studies (George Washington University). Es erscheint halbjährlich und veröffentlicht vor allem zu Themen aus den Geistes- und Kulturwissenschaften.

Japanese Studies wird herausgegeben von der Japanese Studies Association of Australia und erscheint dreimal jährlich als interdisziplinäre Zeitschrift.

Das Journal of Asian Studies (JAS) erscheint seit 1941 als offizielle Zeitschrift der US-amerikanischen Association for Asian Studies, der weltweit größten Fachvereinigung für Asienstudien. Die vierteljährliche Zeitschrift gilt als führend im Bereich Asienstudien und hat einen geistes- und kulturwissenschaftlichen Schwerpunkt mit Bezug zu ganz Asien (einschließlich Süd-, Mittel- und Innerasien).

Die Pacific Historical Review erscheint seit 1932 und beschäftigt sich historisch mit dem Einfluss der USA im Pazifikgebiet. Sie erscheint bei der University of California Press.

Cross-currents: East Asian historical and cultural review wird gemeinsam herausgegeben vom Institut für Asienstudien der University of California (Berkeley) und dem Forschungsinstitut für Koreastudien (RIKS) der Korea University. Sie erscheint seit 2012, halbjährlich und bietet über ihre Homepage zahlreiche Artikel frei zugänglich an.

Rein elektronische Publikationen

Eine wichtige periodische E-Publikation zu Japan, die auch einen Schwerpunkt auf japanischer Geschichte hat, ist The Asia-Pacific Journal: Japan Focus. Sie erscheint in unregelmäßigen Abständen und publiziert auch kommentierte Dokumente in englischsprachiger Übersetzung.

East Asian History wird gemeinsam vom Australian Centre for China in the World (Australian National University) und dem Leiden University Institute for Area Studies (Leiden University) herausgegeben. Es erscheint halbjährlich nur online und bietet den Autoren die Integration von Audio- und Videomaterial in Artikeln an. Early Modern Japan: an interdisciplinary Journal wird herausgegeben vom Early Modern Japan Network (EMJNet). Es erscheint seit 1991, jährlich und mit einem zeitlichen Schwerpunkt auf dem späten 16. bis zum späten 19. Jahrhundert.

E-Books

Viele, vor allem englischsprachige Verlage bieten ihre Monographien und Sammelbände auch digital als E-Books an. Ein für Asienstudien relevantes Beispiel ist Brill Asian Studies E-Books online, wo seit 2003 veröffentlichte Publikationen vollständig verfügbar sind. Zugang dazu bietet unter anderem CrossAsia.

Individuelle Websites

Einige in der historischen Japanforschung Tätige betreiben Websites und Blogs, die häufig sehr aktuell über wichtige Ereignisse im Fachgebiet und innerhalb der Fachgemeinde informieren und darüber hinaus fachspezifische Quellen und Forschungsergebnisse zugänglich machen. Eine überwiegend deutschsprachige Seite namens Kotoba betreibt der Japanhistoriker Reinhard Zöllner (Bonn). Bemerkenswert ist die Aktualität der Blogeinträge, die sich oft auch mit aktuellen Nachrichten aus Ostasien kritisch auseinandersetzen. Ebenfalls überwiegend auf Deutsch betreibt der Japanhistoriker Maik Hendrik Sprotte seine Webseite zur japanischen Geschichte. Neben Hinweisen auf seine persönliche Forschung und Publikationen werden historische Themen mit Japanrelevanz aufgegriffen. Zu den beiden Hauptreligionen Japans, Buddhismus und Shintō, inklusive ihrer historischen Dimensionen, bietet das Webhandbuch Religion in Japan des Wiener Japanologen Bernhard Scheid umfassende Informationen, unter anderem Bilder, Karten und Literaturverweise. Des Weiteren betreibt Hans-Joachim Schmidt ein Projekt mit ausführlichen Informationen zur ehemaligen deutschen Kolonie Tsingtau (Qingdao) und deutschen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkrieges in China/Japan und Bernd Lepach ein Projekt zu einflussreichen Persönlichkeiten der Meiji-Zeit.

3. Zusammenfassung

Digitale Medien nehmen in der Geschichtswissenschaft in Japan und zu Japan an Bedeutung zu. Für HistorikerInnen mit Japanischkenntnissen existiert bereits ein breites Angebot, das sich insbesondere für den Zugriff auf digitale Primärliteratur ständig verbessert. Dadurch kann die räumliche Distanz zwischen nicht in Japan ansässigen HistorikerInnen und ihren (überwiegend) japanischen Quellen erfreulicherweise überbrückt werden. Da japanische Geschichte ein relativ kleines Feld ist, sind viele relevante digitale Medien Teil größerer Einheiten, wie zum Beispiel der Japanologie oder der Asienstudien. Ein Manko ist die noch ausbaufähige Digitalisierung japanischer Sekundärliteratur zur Geschichte Japans. Dies ist insbesondere auch deshalb ein Desiderat, da Forschungsergebnisse japanischer HistorikerInnen außerhalb engster Fachkreise im Ausland kaum verbreitet und bekannt sind.

Literaturhinweise

Gordon, Andrew, A Modern History of Japan. From Tokugawa Times to the Present, Oxford 2003.
Krämer, Hans Martin; Tino Schölz; Sebastian Conrad (Hrsg.), Geschichtswissenschaft in Japan. Themen, Ansätze und Theorien, Göttingen 2006.
Kreiner, Josef (Hrsg.), Geschichte Japans, 2. aktualisierte Aufl., Stuttgart 2012.
Tsutsui, William M. (Hrsg.), A Companion to Japanese History, Malden/Mass. 2009.
Walker, Brett L., A Concise History of Japan, Cambridge 2015.
Zöllner, Reinhard, Geschichte Japans. Von 1800 bis zur Gegenwart, 3. aktualisierte Aufl., Paderborn 2013.

Fußnoten

  1. [3] Vgl. http://dl.ndl.go.jp; siehe auch: http://dl.ndl.go.jp/en/intro.html.
  2. [102] https://www.dijtokyo.org/de/publication-type/contemporary-japan-de und https://tandfonline.com/toc/rcoj20/current.

Zitation: Torsten Weber / Nina C. Krickel, Japan, in: Clio Guide – Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, Hrsg. von Laura Busse, Wilfried Enderle, Rüdiger Hohls, Thomas Meyer, Jens Prellwitz, Annette Schuhmann, 2. erw. und aktualisierte Aufl., Berlin 2018 (=Historisches Forum, Bd. 23), S. D.73-1 – D.73-24.

Für Clio-online verfasst von:

Torsten Weber / Nina C. Krickel

Dr. Torsten Weber ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokyo. Die Autoren danken Ursula Flache (Staatsbibliothek zu Berlin), Maik Hendrik Sprotte und Jonathan Krautter für ihre wertvollen und zahlreichen Hinweise.Nina C. Krickel, M.A. ist Doktorandin am Department of Economic History an der Stockholm University, Sweden.